Schlagzeile in der "Bild am Sonntag" von heute:
ZitatSo leidet Guttenberg!
Der Ärmste.
Es wird ihm wohl nicht noch so ergehen, wie seinem CDU-Kollegen Andreas Kasper, der wegen Plagiarismus in seiner Doktorarbeit die politische Karriere als Landesverbandsvorsitzender aufgeben musste und vom Gericht zu 90 Tagessätzen wegen Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz verurteilt wurde.
Hohngelächter erntete Guttenberg im Bundestag:
Zitat14.13 Uhr: Guttenberg erklärt, er konnte sich erst am Wochenende erstmals mit der Arbeit beschäftigen (Gelächter im Plenum)....
Dazu passt der Artikel in der Süddeutschen über die Ghostwriter-Szene:
Zitat
Manche Akademiker zahlen dafür, dass andere ihre Doktorarbeit schreiben. Fragt man solche Ghostwriter zur Causa Guttenberg, heißt es: "Hätte er sich bei uns gemeldet, wäre ihm das nicht passiert."Viel Zeit kann Karl-Theodor zu Guttenberg nicht gehabt haben für seine Doktorarbeit. Während der heutige Verteidigungsminister die 475-seitige Arbeit verfasste, saß er im Bundestag, wurde zum Obmann im Auswärtigen Ausschuss gewählt, war rüstungspolitischer Sprecher der Fraktion, Vorsitzender des CSU-Ortsverbands Guttenberg und Kreisrat im Kreistag Kulmbach, er leitete den Fachausschuss Außenpolitik der CSU und hatte mehrere Ehrenämter inne. Zudem hatte er zwei Töchter daheim, sie waren noch nicht einmal in der Schule. Wie kann jemand sich bei so viel Stress auf die Dissertation konzentrieren?
aus Plagiatsvorwurf gegen Guttenberg - Wenn es wieder schnell gehen muss
Weshalb hat Guttenberg sich überhaupt so um den Doktortitel bemüht?
Die Lösung liegt in seiner Vita:
Guttenberg hat nur das erste juristische Staatsexamen absolviert und ging danach in die Politik. Daher ist er nur "Halbjurist".
Um Volljurist zu werden gibt es zwei Möglichkeiten:
a) er durchläuft das Referendariat und legt die 2.Prüfung ab
b) er schreibt eine Doktorarbeit. Diese "heilt" den Makel des fehlenden 2.Stex in der Juristerei und er könnte sich später in einer Anwaltskanzlei um betuchte Klientel kümmern.
Dies dürfte durchaus als "geldwerter Vorteil" gelten, für den man schon mal fünfe gerade sein lässt - oder es wenigstens versucht. Allerdings muss man dabei auch mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Die einzige Konsequenz, die sich derzeit für Guttenberg abzeichnet ist:
Der Ärmste leidet. Man bezeichnet ihn als Lügner und Betrüger, als Gauner allemal. Das schmerzt den eitlen Stenz.
Aber - Hand aufs herz - sind wir nicht alle ein bisschen Bluna? Und als Politiker besonders? Weil ein großer Teil der Bevölkerung bei Politikern Unehrlichkeit als Voraussetzung der Berufsausübung voraussetzt, bleiben seine Popularitätswerte oben. Das schmerzt mich. Und ich leide.