ZitatOriginal von Zitronenfalter
.... So berichtete mir nach den ersten Stunden ein Mädchen in der Umkleidekabine: "Einige Kinder haben gesagt, dass Sie doof wären." Ich fühlte mich sofort verunsichert und fragte mich, ob ich so schlecht bei den Kindern ankomme...
Das Mädchen hat es wirklich drauf, dir gekonnt eins auszuwischen und sich gleichzeitig einzuschmeicheln. Leg` dir die CD der Ärzte auf "Lass die Leute reden..." Wenn es dir an die Nieren geht, dass Schüler dich als "doof" bezeichnen, darfst du diesen Beruf nicht ausüben. Sonst brauchst du bald einen Organspender ![]()
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Ich berichtete der Klassenlehrerin davon. Als diese es bei ihren Schülern ansprach, stellte sich heraus, dass einige Kinder Mitleid mit mir haben (mich somit als "dumm" im Sinne von "nachgiebig" empfinden), da ich Störenfriede öfter ermahnte, aber letztendlich keine Konsequenzen zog.
Wenn du jede Störung mit Konsequenzen belegst, kommst du nicht mehr zum Unterrichten. Andererseits darfst du für die Schüler nicht "berechenbar" werden. (nach dem Motto: viermal 'Arschloch' darf man, erst ab dem fünften gibt es etwas zum Abschreiben...)
ZitatAuch auf dem Weg zur Turnhalle habe ich nicht das nötige Durchsetzungsvermögen. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, für Ruhe und Disziplin zu sorgen, schaffte ich es selten, wirklich zurückzugehen, wenn die Kinder zu laut waren. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr und endete darin, dass ich die Schüler immer wenn sie zwischendurch an den Türen auf den Rest der Gruppe warteten wieder ermahnte leise zu sein und auch erst dann weiterging, doch beim Weitergehen wurde es sofort wieder laut. Ich glaube, einige Kinder haben es schon als Regel verinnerlicht: "Auf dem Weg können wir schwätzen, ich bin nur kurz an den Türen leise, die Frau X lässt es ja doch durchgehen."
Wege durch das Schulhaus gelten für die Schüler nicht als Unterricht. Sie empfinden ihr Tun nicht als störend - die Türen sind ja zu. Hier kann man als Lehrer nur spontan reagieren und die Schüler sensibilisieren, wenn während einer Stillarbeitsphase oder Klassenarbeit im Klassenzimmer draussen auf dem Flur der Lärmpegel steigt. Dann kann man die Schüler auf diese Störung hinzuweisen: "Hört ihr, wie die da draußen euch stören? - Ich hoffe, das ihr euch ruhiger durch das Schulhaus bewegt"
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Kurzum: mich plagen jetzt schon Selbstzweifel und ich fühle mich wie der letzte Fußabtreter und Volltrottel.
Nimm es nicht persönlich. Du bist nicht der Trottel. Die Schüler reden nicht mit dir. Sie reden mit dem Lehrer. Auf dieses schizophrene Spiel musst du dich einlassen und entscheiden: Meint der/die mich - oder meine Rolle als Lehrer? In >90% der Schüleräußerungen bist du als Lehrer gemeint, nicht als Person. Angegriffen wirst du meist als Lehrer, der vom Schüler (in seiner Rolle - nicht als Person) die Ausführung einer Tätigkeit verlangst, die dieser ablehnt.
ZitatMeine Gedanken kreisen ständig darum, ich fühle mich als würde ich einen riesigen Sorgenkloß mit mir herumtragen, den ich nicht mehr loswerde. Die Tatsache, dass ich mich jetzt schon als miese, nicht durchsetzungsfähige Lehrerin sehe, bereitet mir viel Kopfzerbrechen. Ich nehme mir zwar immer wieder vor: "Heute bist du mal strenger", aber es klappt nie so richtig, was für mich umso zermürbender ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass wenn der Ruf einmal versaut ist, es einfach nicht mehr klappen kann- denn eine Kollegin meinte direkt zu Beginn: "Die ersten Stunden sind entscheidend; wenn das Bild dann erst einmal gekippt ist, kriegen Sie es auch nicht wieder aufgerichtet".
Dieser Satz spukt mir nun im Kopf herum, v.a. im Hinblick aufs Ref. Das muss doch total demotivierend sein: Wenn du von Anfang an keine gute Lehrerpersönlichkeit hast, kannst du auch keine mehr entwickeln. Wenn von Anfang an bei dir keine Disziplin herrscht, kriegst du sie auch nicht mehr rein. Das würde ja heißen, man kann sich gar nicht weiterentwickeln. Wenn du von Anfang an nicht streng genug bist, bist du zum Scheitern verurteilt.
Ist das wirklich so? Wie habt ihr das im Ref erlebt? Kann man lernen, streng zu sein? Ich bin wirklich für jeden Ratschlag, Tipp oder aufmunternde Worte dankbar.
Jeder Tag ist ein neuer Tag. Das Schöne am Lehrerberuf ist, das du mehr Einflussmöglichkeiten auf den Fortgang hast, als dies in anderen Berufen der Fall ist.
DU bist der Chef.