Die Aussagen des Kumis zum Lehrerbedarf an Hauptschulen sind mit äußerster Vorsicht zu lesen. Da wird von einem zunehmenden Lehrerbedarf für Hauptschulen geschrieben - was an sich richtig wäre - WENN nicht das Kumi derzeit durch die Einführung der Werkrealschule gleichzeitig 30%-50% der Hauptschulen als "zukünftig wegfallend" betrachten würde.
Die Einführung der Werkrealschule geht von folgenden Prämissen aus:
- zukünftige Werkrealschulen werden die Standardschule anstatt der Hauptschule
- Werkrealschulen müssen in den Klassen 5-9 mindestens zweizügig sein, damit ab Klasse 8 die drei neuen Wahlpflichtfächer angeboten werden können.
- Werkrealschulen sind Wahlschulen wie Gymnasien und Realschulen
- Hauptschulen können in Klasse 8 eventuell 2 Wahlpflichtfächer anbieten, dürfen jedoch kein 10.Schuljahr führen. Schüler, die weiter an der Hauptschule bleiben, können nach jeder Klasse an eine Werkrealschule wechseln, müssen dies spätestensnach der 9.Klasse tun.
Langer Rede kurze Quintessenz:
Den Hauptschulen werden die Schüler davonlaufen. Einige Hauptschulen werden sich durch ein gutes, wohnortnahes Angebot oder durch Kombiklassen noch einige Zeit retten können. Irgendwann werden jedoch die Schulträger das Kosteneinsparpotential nutzen und die Hauptschulen komplett schließen.
Durch die Schließung von Hauptschulen werden Lehrkräfte freigesetzt, die nicht entlassen, sondern an bestehende Werkrealschulen versetzt werden. Dadurch werden dort keine neuen Stellen für Lehramtsbewerber mehr frei.
Im o.g. Kumi-Schreiben wird auch ausdrücklich der Vorbehalt genannt, dass Stellen, die durch Pensionierung frei werden, eventuell zur Haushaltskonsolidierung "kassiert" werden.
Positiv wirkt sich die Einführung der neuen Wahlpflichtfächer aus, die zusätzliche Lehrkräfte erfordern. Ein Teil der benötigten Lehrerstunden ist jedoch bereits durch den Wegfall von Förderstunden und den Wegfall des Zusatzunterrichts in Klasse 8 und 9 bereits "erwirtschaftet".
Die Schließungen der Schulen haben bereits begonnen und werden sich wohl in den Jahren 2011-2014 fortsetzen. Nach meiner persönlichen Schätzung werden wohl 30-50% der Hauptschulen künftig nicht mehr existieren. Möglich ist auch, dass dies der erste Schritt zur Verschmelzung der Realschulen und Werkrealschulen ist.
Die Lehrerausbildung für Hauptschullehrer wird demnächst an den pädagogischen Hochschulen von 6 auf 8 Pflichtsemester umgestellt werden - womit künftige Hauptschullehrer den Realschullehrern gleichgestellt sein werden. Das dürfte der einzige Lichtblick sein ... A13 für alle Sekundarlehrer.
Grundschullehrer werden weiter nach A12 besoldet, erhalten jedoch durch die Einführung der Bildungshäuser "von unten" Konkurrenz: An den Hochschulen gibt es bereits Studiengänge für "Frühpädagogik", deren Absolventinnen dann im Gehaltsbereich zwischen Erzieherin und Lehrerin angesiedelt sind - ich benutze absichtlich die weibliche Form - denn es sind wohl in der Regel Frauen, die dann Unterrichtsbereiche an der Grundschule abdecken werden, für die man nach Ansicht mancher Entscheider keine "richtigen" Lehrer braucht:
Kunst, Sport, Musik, textiles Werken...
Deine Frage war:
Kann man empfehlen, Hauptschullehramt zu studieren?
Meine Antwort: Ich weiß es nicht ....