Nun gebe ich doch auch noch meinen Senf zur Currywurst...
Ich habe mich bereits mehrfach als Gegner dieser Methode geoutet. Zu uns an die Hauptschule kommen in der Regel DIE Schüler, die nach der 4.Klasse wegen "mangelhafter Deutschkenntnisse" 'downgraden' mussten.
In der 5. und 6. Klasse liegt dann mein Hauptaugenmerk darauf, das Selbstbewusstsein der Kinder wieder zu stärken und die Lese- und Schreibfertigkeiten zu verbessern. Bei manchen Kindern, die als sogenannte "Legastheniker" bei uns abgegeben wurden konnten wir durch lesen-üben-üben-lesen-schreiben-schreiben-schreiben.... und ständige, positive und persönliche Aufmunterung die Fehlerzahlen drastisch verringern.
Hatte ich erwähnt, dass diese Schüler in der Eingangsstufe mit "Lesen durch Schreiben" unterrichtet wurden?
Ich habe mir oft die Mühe gemacht, Aufsätze der Schüler abzutippen und dabei die Rechtschreibung sowie etwas verquere Satzstellungen zu verbessern. Plötzlich waren das phantasievolle, tolle Aufsätze, die mir als Lehrer zuvor beim Lesen das Hirn strapaziert hatten und die ich am liebsten unkorrigiert beiseite gelegt hätte.
Soweit ist durchaus ein Erfolg der Methode "Lesen durch Schreiben" erkennbar.
Das Dumme an der Methode ist, dass sich bei manchen Kindern die "individuelle Rechtschreibung" ins Hirn gefressen hat und nur mit großer Anstrengung wieder gelöscht und ersetzt werden kann.
Kann es sein, dass "Lesen durch Schreiben" in Gebieten, in denen Schriftsprache gesprochen wird, ganz gut funktioniert - in dialektaffinen Gebieten dagegen massiv versagt? Schreiben die Kinder im Dialekt - und die Lehrer merken es nicht?
Unsere 'reingeschmeckten' Kollegen hätten sicher Probleme, wenn ein Schüler seinen Erlebnisaufsatz so begänne:
"Gescht hau i meir mudr kolfa zoine i kea draga. ware fil krombire."
