Ich fand die Reportage unheimlich, weil sehr realistisch und weil es mich an die ein oder andere Situation oder Phase bzw. manche Sorgen und Emotionen meines eigenen Refs erinnert hat.
Mir hat tatsächlich Katja (Gesamtschule) als angehende Kollegin am besten gefallen. Mit ihr könnte ich persönlich denke ich gut zusammenarbeiten.
Natürlich war ihr Classroom Management fürchterlich (Flaschen auf den Kopf schlagen, ohne was zu sagen, gegen eine lärmende Klasse anschreien, etc.). Das kann man aber lernen, wenn es einem denn mal gezeigt wird. Insbesondere kann man daran auch nach dem Ref noch sehr gut arbeiten, da man dann aus dieser fürchterlichen Zwickmühle raus ist: Einerseits bei den Schülern beliebt sein zu müssen, damit sie einen durch die Unterrichtsbesuche tragen (jeder weiß, dass ein einzelner Schüler, der es drauf anlegt, reicht, um einen [im] UB völlig zu zerstören), andererseits aber eben auch als Lehrperson für Ruhe und Ordnung sorgen zu müssen. Trotzdem ist es natürlich richtig, dass die Flaschenprügelszene so auch während des Refs nicht laufen hätte dürfen. Glücklicherweise gibt es solche Szenen an meiner Schule nicht - vllt. wäre sie an einem Gymnasium besser aufgehoben, als an einer Gesamtschule.
Dennoch fand ich sie von ihrem Auftreten her am überzeugendsten. Sie war den Schülern zugewandt, ohne deren Freundin oder Mami sein zu wollen. Sie strahlt eine gewisse Präsenz aus. Und in ihren Interviews habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie sehr reflektiert ist und eine grundsätzlich positive Einstellung zum Lehrerberuf hat ohne ihn zu glorifizieren. An einer Stelle spricht sie ja sogar an, dass sie phasenweise Berufsalternativen erwogen hat, das "Nachwort" zeigt aber, dass sie Lehrerin geblieben ist - gut so, wie ich hoffe, da der permanente Druck, der im Ref so ermüdet, natürlich mit ihrer Prüfung endlich von ihr abgefallen sein dürfte.
Ralf ist ein Kollege, den man auch braucht an einer Schule: Sehr klar, sachlich, spricht auch unangenehme Wahrheiten ohne große Umschweife aus. Nicht unbedingt ein Sympathieträger aus meiner Sicht, die Kleiderwahl wirklich ein Graus, aber als Lehrer macht er bestimmt einen guten Job und bereichert ein Kollegium. Wäre er in meinem Kollegium, würde ich es gern sehen, wenn er in meiner Klasse unterrichtete.
Anna fand ich unglaublich lieb und sympathisch, sie kann ganz toll mit Kindern umgehen. Aber als Lehrerin allein vor einer ganzen Klasse von Kindern kann ich sie mir immer noch nicht vorstellen. Aus meiner Sicht fehlt ihr die nötige Distanz zu Kindern sowie das Durchsetzungsvermögen. Sie ist eher Mami als Lehrerin. Ich halte nach dem, was man sehen konnte, Berufe ohne "Leitungsfunktion" (wie ein Lehrer sie für eine Klasse hat) für sie für besser - vllt. Integrationshelfer, Kindertherapeut, oder sowas. Ich habe die Befürchtung, dass das System Schule sie, wenn sie sich nicht stark weiterentwickelt, aufreiben könnte. Trotzdem hoffe sehr, dass sie mit dem Beruf glücklich wird und freue mich für sie, dass sie das Examen doch noch bestanden hat.