@Midnatsol
Du schreibst "solche wie Ralf braucht man auch"... Jein. Ja, er ist konsequent. Aber ich kann auch konsequent sein, und trotzdem einen Draht zu den SuS haben. Ich hatte nicht den Eindruck, die SuS hatten sonderlich Spaß an Ralfs Untrricht. Und das ist der Knackpunkt... wenn du es schaffst, den Stoff zu vermitteln, und die SuS kommen gerne in deinen Unterricht... dann machst du es richtig, mMn. Und das geht. Und dann hast du auch selber mehr Spaß am Job.
ich verstehe, was du meinst. Aber hier würde auch ich sagen: "Jein".
Ich finde es ebenfalls gut, wenn man einen guten Draht zu Schülern hat und es schafft, Lernen und Spaß miteinander zu verknüpfen und bin auch selbst diese Art Lehrer.
Andererseits finde ich es aber auch tatsächlich bereichernd, wenn man Kollegen an der Schule hat, die nicht "everybody's darling" sind, bei denen der Unterricht eben nüchterner ist als bei den meisten (das unterstelle ich jetzt mal der Mehrheit). Einerseits gibt es durchaus Schüler, die einen sehr sachlichen, distanzierten, "trockenen" Stil bevorzugen, und es sei ihnen gegönnt, wenn sie das auch mal erleben. Andererseits finde ich aber, dass alle anderen ruhig mal die Erfahrung machen sollen: "Manchmal hat man keinen Spaß an etwas, und muss es trotzdem machen. Lernen macht nicht immer Spaß. Manchmal mag man jemanden nicht, muss und kann aber trotzdem auf einer professionellen Ebene mit dieser Person arbeiten. Und wenn man sich darauf einlässt, kann da auch wirklich was bei rumkommen." Dieses Einlassen muss man lernen, was frustrierend sein kann, aber es ist schlussendlich eine wichtige Lebenslektion. Im Leben bekommt man Motivation und Spaß nicht immer auf dem Silbertablett serviert, manchmal muss man sie auch selbst suchen. Und mit wem man es im Arbeitsumfeld zu tun bekommt, kann man sich auch nicht aussuchen. Daher finde ich ein breites Spektrum an Persönlichkeiten und Unterrichtsstilen an Schulen gut.
Das soll übrigens nicht heißen, dass Ralf ein Beispiel für einen "Horrorlehrer" sei, an dem man (nichts als) seine Resilienz üben solle. So schlimm fand ich persönlich ihn wirklich garnicht. Nur, wie gesagt, als Sympathieträger würde ich ihn auch nicht bezeichnen. Er hat eben eine professionelle Distanz (mit etwas stärkerer Betonung auf "Distanz" als beim Gros der Lehrerschaft, die ich bislang erlebt habe), mit der man besser oder schlechter klarkommen kann. Ich bin mir aber auch sicher, dass er sie durchaus zum Besten der Schüler einsetzt. Daher, wie gesagt, wäre er als Fachlehrer in meiner Klasse durchaus willkommen und ich würde ihm den Rücken stärken, wenn die Schüler sich bei mir über ihn beschweren sollten (tatsächlich habe ich momentan eine ähnliche, wenngleich ältere, Kollegin in meiner Klasse, und bin froh sie im Team zu haben).