Wenn ein Kind in die Schule kommt und kann schon lesen - dann lernt es null Buchstaben, während ein anderes 26 Buchstaben lernt, also viel mehr. Und dann?
Dann schreibe ich genau das ins Zeugnis. Das Kind, das schon lesen und scheiben kann, schreibt dann vermutlich schon eigene Geschichten. Das schreibe ich genau so rein: "Als du in die Schule gekommen bist, konntest du bereits einzelne Wörter schreiben. Nun schreibst du schon spannende Geschichten:" oder so ähnlich. Beim anderen Kind steht dann vielleicht "Du hast zügig angefangen mit der Anlauttabelle lautgetreu erste Wörter zu schreiben." Zum Glück müssen wir anfangs noch keine Noten geben. 
Aber selbst wenn: Ja, zumindest in der Grundschule ist es nicht nur möglich sondern gewollt, den Lernzuwachs mit einzubeziehen. So würde beim Schwimmen (das habe ich gerade letztes Schuljahr bei einer Fortbildung als Beispiel gehabt) ein Kind, das vorher Angst vorm Wasser hatte und nun nach einem Halbjahr Schwimmunterricht das Seepferdchen geschafft hat, möglicherweise eine 1 bekommen, während ein anderes Kind, das schon das Seepferdchen hatte, aber während des Schwimmunterrichts keine großen Fortschritte macht (und z.B. Bronze nicht schafft) und sich vielleicht auch keine Mühe gibt oder zwischendurch Quatsch macht o.ä. eine 3 bekommt. Ja, das ist möglich und meines Erachtens nach auch sinnvoll, wenn es so gehandhabt wird.
Wie sonst sollen die Kinder lernen, dass es etwas bringt, wenn man sich anstrengt und Mühe gibt? Die individuelle Bezugsnorm hat genau wie die sachliche ihre Berechtigung und es muss eben immer abgewogen werden.
Und da ja immer mit Arbeitgebern etc. argumentiert wird: Ich würde lieber jemanden einstellen, der an sich arbeitet und sich stets weiter verbessert als jemanden, der vielleicht objektiv betrachtet zu dem Zeitpunkt etwas mehr" kann", sich aber keine Mühe gibt und nicht lernwillig ist. Die Arbeitshaltung spielt doch eine sehr entscheidende Rolle - gerade später in der Ausbildung!