. Aber Fragen nach der Unterrichtsstunde wurden immer mit „keine Zeit“ beantwortet. Da läuft was schief.
Das kenne ich ganz anders. Und es kommt mir auch komisch vor. Welcher von uns Lehrern ist denn nicht begeistert, wenn da mal Schüler nach der Stunde (oder allein schon mal während des Unterrichts) kommen und tatsächlich mal
interessierte Fragen stellen. Ja ich habe solche Schüler, ganz wenige. Und ich freue mich immer riesig, wenn da mal Fragen kommen. So kenne ich das auch von anderen Kollegen, wer geht nicht gern auf Schüler ein, die interessiert daherkommen und mehr wissen wollen? Habe das auch in meiner eigenen Schulzeit nie erlebt, dass man bei echtem Interesse egal in welchem Fach von einem Lehrer abgebügelt wird. Auch nicht, wenn man nach der Stunde kommt und darum bittet nochmal was erklärt zu bekommen. Ja es geht nicht immer direkt im Anschluss an die Stunde (Aufsicht usw.), aber bislang hat noch jeder Lehrer etwas gesagt wie "morgen in der großen Pause, komm mal zum Lehrerzimmer". Oder "nächste Woche vor dem Unterricht können wir das gerne nochmal anschauen". Wenn Schüler wirklich Fragen haben und um Hilfe oder Zusatzinfos bitten, sind fast alle Lehrer für Schüler da.
Das Problem ist ein ganz anderes:
Selbst auf dem Gymnasium gibt es nur einen verschwindend geringen Anteil wirklich interessierter und intrinsisch motivierter, neugieriger Schüler. Der Großteil absolviert den Unterricht als Pflichtprogramm und tiefergehende Fragen hat da niemand. Da wird nicht hinterfragt, nicht tiefergehend gefragt.
Manchmal würde ich mir wünschen, dass man jeden der schon ab der Mittelstufe nicht motiviert und interessiert ist für mehrere Monate an eine Kasse setzt oder gelbe Säcke in die Müllautos werfen lässt. In der Pubertät ist mit Konzentration in der Phase eh nicht viel, warum nicht erstmal malochen lassen? Ich glaube erst wenn man diese Erfahrung macht, wird ein Großteil der Schüler überhaupt zu schätzen wissen, welche Möglichkeit ein Schulbesuch und die Beschäftigung mit Unterrichtsstoff ermöglicht. Dann kommen die danach eventuell viel motivierter zurück an die Schule und sind dankbar sich mit Schulinhalten beschäftigen zu dürfen! Mein Betriebspraktikum in der Mittelstufe hat mich auf jeden Fall deutlich aufgezeigt, was ich nicht will und wie ich Schule als Chance auch sehen kann.
In Deutschland sind Kinder viel zu verwöhnt und zu geschützt (ja, Kinder sind viel zu geschützt). Da wird Schule als lästig empfunden und nicht als geniale Chance. Und wir tragen denen auch noch den Arsch hinterher und versuchen möglichst motivierenden Unterricht zu machen, biedern uns an und müssen uns vor Eltern rechtfertigen, wenn die Klassenfahrt nicht spektakuläre Freizeitaktivitäten enthält.