Vor allem weil der Fotograf des von Trump gezeigten Fotos jetzt unmissverständlich klar gemacht hat, dass das Bild nicht aus Südafrika sondern aus dem Kongo stammt.
Das ist ja alles egal. Man muss sich bewusst machen, dass es die mächtigste Waffe von Populisten ist, kein Schamgefühl zu haben.
Falschaussagen, dreiste Lügen, gebrochene Versprechen, nachgewiesene Straftaten - all das perlt von ihnen ab, weil sie es einfach aussitzen. Und weil die breite Masse, die die Situation vom gesamtgesellschaftlichen Verhaltenskodex ausgehend beurteilt und angeht, gar keine Handhabe hat, wenn dieses Form des Fehlverhaltens beim Verursacher keine Reaktion herbeiführt.
Ich meine, vor 10 Jahren hat Beatrix von Storch in sozialen Medien auf die Frage, ob man an der Grenze auch auf Frauen und Kinder schießen darf, mit "ja" geantwortet. Als es einen Shitstorm gab, hat sie getweetet, sie sei mit der Maus ausgerutscht. Diese Art von Ausrede ist zwar bescheuert, aber immerhin zeigt sie ein vages und diffuses Verständnis davon, dass man eine Grenze überschritten hat. Ich bin mir sicher, heute würde keine Ausrede, egal wie bescheuert, mehr kommen, das Fehlverhalten würde totgeschwiegen.
Und dass die immer und immer wieder damit durchkommen, verändert unseren Diskurs. Dass ein Merz Wahlkampf auf der Schuldenbremse macht und als erste Amthandlung ein Sondervermögen durch den alten Bundestag boxt, dass er die Brandmauer bröckeln lässt und trotzdem zum Kanzler gewählt wird, das alles wird unseren politischen Diskurs verändern. Ich sage es immer wieder, wir hinken den USA vielleicht vier oder acht Jahre hinterher.