Beiträge von Sommertraum

    Der Artikel bezieht sich ja auf Bayern und die von unserem Kultusminister vor 2 Tagen veröffentlichten Maßnahmen gegen den erwarteten (bzw. eigentlich seit Jahren vorhandenen aber immer geleugneten) Lehrermangel an GS und MS.

    Diese Maßnahmen werden jedoch sicherlich nichts bringen, wenn nicht gleichzeitig eine Anpassung von Deputat und Besoldung an RS und Gym erfolgt. Warum sollte ich als Studienanfänger ein Lehramt wählen mit 4-5 Stunden mehr Deputat und gleichzeitiger Einguppierung in einer niedrigeren Besoldungsstufe? Darüber hinaus ohne Regelbeförderung (ohne Funktionsamt) wie an Gym und berufl. Schulen?

    Wie Bayern seit 10-15 Jahren mit GS- und MS- Lehrern umgeht, ständig neue Arbeit aufhalst ohne zeitlichen Ausgleich zu schaffen, hat mit Fürsorgepflicht nichts mehr zu tun.
    Gerade aktuelles Beispiel: Während RS und Gym statt eines Zwischenzeugnisses nur Notensammellisten austeilen, sind seit 2 Jahren an der MS 2-seitige Zwischenzeugnisse mit ausführlichen Wortgutachten Pflicht. Zeitausgleich: Fehlanzeige!

    Zu meiner Anfangszeit vor 25 Jahren hat unser Deputat gepasst, heute reicht die offiziell zur Verfügung gestellten Zeit nicht mehr aus, um seine Aufgaben vernünftig zu erledigen.

    Wenn man sich mal die freien Stellen in Bayern ansieht, dann wird da tatsächlich nach Fach "Sport weiblich" beispielsweise gesucht. Wie erwirbt man darin die Fakultas?

    In Bayern wird ab der 5. Klasse Sport nach Geschlechtern getrennt unterrichtet, die Lehrkraft hat das gleiche Geschlecht wie die zu unterrichtenden Schüler. In der Grundschule sind noch alle Kinder zusammen, die Lehrkraft kann männlich oder weiblich sein. Frauen, die Sport auf Lehramt studieren, unterrichten demnach "Sport weiblich" und Männer "Sport männlich"

    25 km empfinde ich nicht als weit (in Bayern ist die 1. Schule nach dem Ref gerne mal 200-300 km von deinem Wohnort entfernt und oft mit Umzug verbunden). Abgesehen davon würde ich die Landschule ohne zu überlegen der Brennpunktschule vorziehen.

    Ist das wirklich gerecht? Es gibt zumindest hier in Hessen Grundschulen mit weniger als 50 Schülern und gleichzeitig Gymnasien oder Berufsschulen mit mehr als 1.000 Schülern. In der freien Wirtschaft hängt das Gehalt von Führungspositionen in der Regel auch mit der Größe des Unternehmens zusammen.

    In Bayern haben Schulleiter kleiner Grundschulen eine Unterrichtsverpflichtung von teils deutlich über 20 Stunden, keine Sekretärin oder nur für wenige Stunden die Woche und keinen Konrektor. Noch Fragen ...

    Ich kann diese Mär vom fachlich ach so anspruchsvollen Studium fürs gymnasiale Lehramt nicht mehr hören. Wir haben alle studiert und wissen aus eigener Erfahrung, wie wenig das stimmt. In meinem nicht vertieft studierten Fach (Hauptfach) saß ich in allen Vorlesungen / Seminaren mit den vertieft studierenden, schrieb die gleichen Prüfungen, wurde gleich bewertet. Das Grundstudium war komplett identisch, einzig im Hauptstudium mussten die Gymnasialleute genau 1 Seminar mehr machen. Statt eines 2. Faches studierten wir 3 weitere Fächer (Didaktikfächer), vom Umfang her nicht weniger als ein weiteres Hauptfaches. Dazu hatten wir wesentlich mehr Pädagogik- und Psychologieveranstaltungen.

    Schon während meines Studiums vor 25 Jahren konnte ich deshalb nicht nachvollziehen, warum die Gym-Leute so lange studiert haben und wo der fachlich hohe Anspruch im Vergleich zu GS/MS/RS sein soll.

    Im Übrigen studieren RS-Lehrer in Bayern ihre Fächer auch nur nicht-vertieft und verdienen A13 statt A12 wie ihre Kollegen von GS und MS. Gym steigt von A13 sehr schnell auf A14 ohne Zusatzaufgaben, auch A15 erreichen sehr viele.

    Da wir im Unterrichtsalltag fachfremd alle Fächer unterrichten müssen, setzen wir das Studium nach dem Referendariat sozusagen fort. Z. B. arbeitet man sich als MS-Lehrkraft in seiner Freizeit in alle Fächer aller Jahrgangsstufen ein - der Zeitaufwand dafür ist nicht in Worte zu fassen. Bis auf Soziales (Hauswirtschaft) habe ich in meiner Lehrerkarriere bis auf Soziales (= Hauswirtschaft) alles unterrichtet, auch so etwas wie Sport, Musik oder Technik.

    Wer an einer "privaten" Schule arbeitet, hat sich oft

    • bewusst für eine obskure pädagogische Methode entschieden und lehnt das staatliche Erziehungsssystem ab
    • oder ist an einer Schule, die soviel Schulgeld erhebt oder einer religiösen Richtung anhängt, um potentielle Problemfälle auf Abstand zu halten,
    • oder hat das Zweite Staatsexamen nicht bestanden (deutet auf eine mangelnde pädagogisch-fachliche oder persönliche Eignung als Lehrkraft hin)
    • oder ein sehr schlechtes Zweites Staatsexamen gemacht (deutet ebenfalls auf eine mangelnde pädagogisch-fachliche oder persönliche Eignung als Lehrkraft hin)
    • oder hat bewusst nicht auf Lehramt studiert und ist dann an eine Privatschule als Lehrkraft geflüchtet, weil er in seinem ursprünglich studierten Beruf überfordert war.

    Warum genau noch einmal sollte ich mit solchen Personen solidarisch sein? Warum nicht (auch) mit Tanzlehrern und Fahrlehrern? DIe verdienen noch weniger als die "Privat"schullehrer (wobei "Privat"schulen oft zu 90% vom Staat finanziert werden und man sich dann automatisch fragt, wohin das Geld fließt, wenn nicht in die Lehrergehälter. Ach ja, angenehmere Arbeitsbedingungen in Form von kleineren Klassen haben auch ihren Preis...).

    Gruß !


    Deine Einschätzung von Privatschullehrer ist ganz schön abschätzig und trifft sicherlich auf den Großteil nicht zu. Der verlinkte Artikel bezieht sich ja auf Bayern und hier gab es in den letzten 2 Jahrzehnten an vielen Schularten (GS, RS, GYM) einen massiven Lehrerüberschuss, sodass viele Lehrer, auch mit gutem Examen, auf der Straße standen. Viele von ihnen sind auf Privatschulen ausgewichen, um weiterhin als Lehrer arbeiten zu dürfen.

    Mit 51 werde ich freilich nicht mehr verbeamtet, nicht einmal, wenn ich diese berühmte ZQ-Maßnahme durchführen würde (Zusatz- bzw. Zweitqualifizierung, um die Lehramtsbefähigung für die Mittelschule zu erlangen), die ich natürlich nicht durchführen werde.

    Warum machst du die ZQ-Maßnahme nicht? RS und MS unterscheiden sich so enorm, was Arbeitsweise und Anspruch betrifft, dass sie dir sicherlich trotz deines Alters und deiner langjährigen Berufserfahrung sicherlich viel bringen würde. Leider erlebe ich nämlich in der Betreuung der Zusatzqualifikanten, dass es für die meisten eine extrem große Umstellung ist, die viel Zeit und Unterstützung erfordert - obwohl viele schon einige Jahre in diesem Beruf gearbeitet haben.

    ... und dann hätte sie dich angestrahlt und gesagt, dass sie da wohl einfach Glück gehabt habe und dass es selbstverständlich tooootaaaal egal sei, dass sie gaaaanz zufällig so heißt wie der örtliche CSU-Grande...

    Oder sie war die Prüfungsbeste im Regierungsbezirk und durfte deshalb bleiben.

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