Beiträge von Sommertraum

    Ganz ehrlich: ich würde das letzte Jahr nicht mehr Stunden reduzieren. Erstmal soll sie sich behandeln lassen, solange nötig im Krankenstand bleiben, dann Wiedereingliederung machen. Sollte sie es danach immer noch nicht schaffen: wieder Krankschreibung. Was soll schon passieren? Sie will ja Ende nächsten Schuljahres sowieso in Pension gehen, damit kann also keiner drohen. Andere Konsequenzen als Pensionierung wüsste ich für eine berechtigte langfristige Krankschreibung nicht.

    @fossi74 , Sommertraum und die anderen

    Das heißt auf gut Deutsch:
    Man hat die ersten 5 Jahre befristete Stellen (sofern man keine Planstelle bekommt und annimmt) und danach "nichts" ? Was kommt denn danach? Ich habe doch nicht x Jahre studiert, 1,5-2 Jahre Ref. gemacht um dann 5 Jahre an einer Schule arbeiten zu können und mir dann einen Job in der freien Wirtschaft suchen "zu müssen"... -- verstehe ich das alles falsch, oder ist das wirklich so be***** ?

    Das ist wirklich so. Viele versuchen im Laufe dieser 5 Jahre, als Angestellte an Privatschulen unterzukommen, andere orientieren sich um. Aktuell kann man sich für GS/MS nachqualifizieren und hat sehr gute Einstellungschancen mit Verbeamtung

    Kurz vorweg: Ich komme nicht aus Bayern, kenne aber sehr wohl den Vorgang aus der freien Wirtschaft, dass man nur drei mal befristete Verträge bekommen kann und der danach dann entfristet sein muss ...
    Was ist deine Quelle? Auf welche Grundlage berufst du dich?

    So läuft das im bayerischen Schuldienst seit Jahrzehnten. Wenn man nicht direkt eine Planstelle bekommt, bleibt man die ersten 5 Jahre nach der Prüfung auf der Warteliste. In der Zeit bekommt man mit viel Glück immer wieder unterschiedliche Angebote für ein Arbeitsverhältnis. Nach diesen 5 Jahren fliegt man von der Warteliste und dann ist in der Regel auch Schluss mit den Verträgen.

    Sommertraum: Wie stehst du denn selbst dazu?

    Ich sehe dieses Urteil tatsächlich sehr kritisch. Zwischen Absetzen des Notrufs und Eintreffen der Sanitäter lage gerade mal 5 Minuten. Die Lehrkraft hat in dieser Zeit den Schüler in die stabile Seitenlage gebracht, also durchaus gehandelt und nicht untätig zugeschaut. Obwohl mein letzter 1.Hilfe-Kurs erst ein halbes Jahr her ist, weiß ich nicht, ob ich in einer vergleichbaren Situation richtig reagiert und gleich Herzmassage durchgeführt hätte. Wir sind trotzdem "nur" Lehrer, die äußerst selten auf derartige Situationen treffen und keinerlei praktische Berührung mit medizinischen Problemen haben.

    Evtl. reagiere ich auch deshalb empfindlicher, weil wir an unserer Schulart inklusionsbedingt öfter Mal mit Krankheiten zu tun haben und bisher regelmäßig von übergeordneten Stellen darüber informiert werden, dass wir nicht handeln dürfen, sondern nur den Rettungsdienst rufen sollen. Nicht mal auf Anweisung der Eltern darf ich z. B. Schülern notwendige Medikamente geben (z. B. auf Klassenfahrten). Bei epileptischen Anfällen sollen wir keinesfalls zu helfen versuchen (u. a. um zu verhindern, dass wir uns selbst dabei verletzen. Auch der o g. Hinweis mit dem Pflaster kam bei uns schon öfter. All das passt nicht zu diesem Urteil.

    Abgesehen davon verstehe ich nicht, warum von Lehrern eine intensivere 1. Hilfe erwartet wird als vom Rest der Bevölkerung. Wird eine Arzthelferin, die zu einem Unfall kommt, auch verklagt, wenn sie nur die übliche 1. Hilfe (Notruf, stabile Seitenlage) macht?

    Der BGH hat ja gestern geurteilt, dass ein Lehrer als 1.-Hilfe-Maßnahme Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen muss, stabile Seitenlage und Anfordern des Notdienstes reichen nicht aus.

    Wie steht ihr zu diesem Urteil? Seht ihr Konsequenzen für euer zukünftiges schulisches Handeln?

    Ich bin eher dafür, dass den Kieferorthopäden endlich Grenzen für die vorherrschende Abzocke gezogen werden. Absolut unverschämt, was die für minimalen Zeit- und Materialaufwand verlangen!

    Da ich nicht möchte, dass von mir aufgenommene und evtl. sogar noch nachbearbeitete Fotos und Videos verbreitet werden, nehme ich in MEINEM Unterricht das Verbot sehr ernst. Wenn Kollegen darin kein Problem sehen, dürfen sie in IHREM Unterricht gerne Smartphones tolerieren. Es ist immer wieder erschreckend, was so alles an schulischem Bild- und Videomaterial über die sozialen Medien ausgetauscht wird.

    Tatsächlich können alle meine Klassen am Ende der Unterrichtseinheit wenigstens 5 der ersten 10 Artikel des GG benennen dank einer Geschichte zur kognitiven Aktivierung, die ich in der Einführungsstunde mit denen durchspiele.

    Können es 2 Monate DANACH immer noch alle Schüler?

    Ich wundere mich in vielen Beiträgen hier im Forum immer wieder, wie häufig Lehrer mithilfe von Noten disziplinieren (wollen).
    An meiner Schulart lässt sich kaum ein Schüler durch Noten Druck machen. Durchfallen ist nahezu unmöglich und eine Lehrstelle findet man zur Zeit auch recht leicht. Lieber schlechte Noten im Zeunis und eine bequeme Schulzeit als sich unnötig anstrengen zu müssen!

    Das tut mir leid, dass es euch an der Hauptschule so ergeht.

    Was machen Kollegen von euch anders, denen es nicht so ergeht?
    Wäre Supervision eine Lösung?

    Die machen oft nur noch "Dienst nach Vorschrift", fahren ihr Engagement für Schüler gegen Null. Vor allem aber schaffen sie es besser, die Schule hinter sich zu lassen, wenn sie nachmittags durch die Schultür gehen.

    Supervision brauche ich nicht. Eine Lösungsmöglichkeit sehe ich nur darin, dass wir endlich mehr Unterstützung von Fachleuten bekommen und auf problematische Schüler mit effektiveren Konsequenzen reagieren können.

    Solange jedoch viele Schulleiter ein idealisiertes Bild nach außen tragen und vor allem die Schulämter alle Probleme unter den Teppich kehren, wird das nicht passieren.

    Es nervt mich so wahnsinnig, dass die Klientel, die ich unterrichte, so wahnsinnig faul und lustlos ist, dass alle Optimierungsmaßnahmen von Leherseite fehlschlagen.

    Den Schülern wird alles geboten, das sie sich an einer anderen Schule oder bei einem anderen Lehrer nur erträumen könnten, trotzdem nutzen es die wenigsten.
    Oder noch klarer: Es bringt alles einfach nichts. Die Guten machen es sowieso, alle anderen sind nicht zu retten.

    Du sprichst mir aus der Seele. Das ist genau das, was mich an meiner Schule/Schulart derzeit extrem nervt.

    Ich frage mich schon, ob mir als Lehrer am Gymnasium da nicht eine zusätzliche Stunde Deutsch in der Grundschule mehr helfen würde, als das bisschen Englisch.

    Jetzt hast du aber die Schüler, die mit relativ viel Wissen aus der Grundschule kommen. Unsere Hauptschüler können weder Wortarten noch z. B. Zeiten bestimmen (im Deutschen). In Englisch bringen sie null Vorwissen aus der Grundschule mit, denn sie waren damit schlicht und einfach überfordert. Vielmehr ist es so, dass sie schon vom ersten Tag an genervt von dem Fach sind, weil sie schon in den Jahren vorher ihr sprachliches Unvermögen attestiert bekamen.

    Viele unserer Schüler können auch am Ende ihrer Schulzeit nur so schlecht Englisch, dass sie nicht in der Lage wären, an der Rezeption des Urlaubshotels einfachste Check-in Dialoge zu führen. Es scheitert sowohl am Merkvermögen für Vokabeln als auch an grammatikalischer Überforderung. Was ich im Deutschen schon nicht kann, kann ich erst recht nicht im Englischen. Wie soll ich einen Satz im Simple Past formulieren, wenn ich das Verb im Satz nicht erkenne?

    Seit Jahren bin ich gegen Englisch-Unterricht an Grundschulen. Die Starken lernen es ab der 5. noch früh genug, die Schwachen nehmen sowieso nichts mit. Mehr Deutschunterricht fände ich sinnvoller.
    Genauso bin ich dafür, dass so wie früher ab der 7. Klasse Hauptschule Englisch nicht mehr verpflichtend unterrichtet, sondern freiwillig, also nur von den Leistungsstärkeren und -willigen, besucht wird (in den Regel-Klassen, im Mittlere Reife-Zug natürlich schon von allen).

    In Bayern ist es tatsächlich üblich, dass die Polizei gerufen wird und zwar schon sehr früh, nicht erst nach Schulschluss oder gar nach ein paar Tagen.

    Bei der Klientel, die unentschuldigt fehlt, möchte ich als Lehrer keinesfalls Hausbesuch machen. Meine private Handynummer würde ich ihnen genausowenig geben.

    Darüber hinaus hat das Erscheinen der Polizei einen viel besseren Langzeiteffekt, als wenn nur die Schule anruft bzw. vorbeikommt.

    Ich glaube, dass man bei diesem Thema Bayern nicht unbedingt mit anderen Bundesländern vergleichen kann, denn bei uns ist die Förderschule noch vergleichsweise gut aufgestellt und nicht nur für (nahezu) geistig Behinderte da. Darüber hinaus hat die Mittelschule schon noch ein bisschen Anspruch, wenn auch längst nicht mehr so viel wie vor einigen Jahren.

    Nicht vergessen: Das von Caro geschilderte Kind hat einen IQ von um die 80 und schreibt in ALLEN Fächern Note 4-6, obwohl es sehr viel lernt und übt. Ich sehe aus meiner Erfahrung heraus für dieses Kind tatsächlich Probleme an der Mittelschule.


    . Aber die Vorstellung, dass Jugendliche stolz darauf sind, auf eine Sonderschule zu gehen ist schon mehr als naiv.

    Das hat ja auch keiner geschrieben!

    @Krabappel
    Du zeichnest ein recht negatives Bild von der Förderschule, deutlich negativer als ich sie wahrnehme. Wir bekommen in der 5. Klasse immer wieder Schüler von der Förderschule, die dort einiges gelernt haben und so manchem Mitschüler voraus sind.


    Ich weiß zwar nicht, warum die Mittelschule mehr Aufbauarbeit leistet, als die Grundschule, an der Förderschule zu sein ist jedenfalls schon per se nicht motivierend. So Minderbegabt ist niemand, dass er nicht mitbekäme, dass er nicht mithalten kann.

    An der Grundschule sind pro Klasse ganz wenige Schwache, der Druck durch den Übertritt in der 4. Klasse enorm, das Niveau wird hochgehalten. Schwache als Minderheiten sind fast chancenlos. Man darf in Bayern keine differenzierten Lernzielkontrollen schreiben, sie müssen also das Pensum der angehenden Gymnasiasten mittragen. Was das bedeutet, müssen wir nicht näher diskutieren. Ein Kind, das schon in der 3. Klasse trotz hohen Lernaufwands in HSU Note 6 hat bzw. über 4 nicht hinauskommt - armes Kind, wenn es da nicht rausgenommen wird.

    In der Mittelschule kommen dann diese "Minderheiten" aus vielen Klassen in einer neuen Klasse zusammen, oft mit ganz negativem Selbstbild und noch negativerer Einstellung Schule gegenüber. Der "Rest", "ich bin dumm", "alle anderen haben es geschafft", ... diese Einstellung wurde jahrelang in den Kindern gefestigt. Vielleicht liege ich ja falsch, aber ich bilde mir ein, dass es diesen Kindern besser täte, nähme man sie frühzeitig raus und ließe sie in aller Ruhe und ohne Druck die Grundlagen lernen.

    Liebe Grundschullehrer, nehmt das bitte nicht als Kritik an euch! Die Gründe für diesen Druck an (bayerischen?) Grundschulen sind vielschichtig und ihr seid ebenso Leidtragende wie die Kinder!

    Solange es den Kindern gut geht und sie halbwegs mitkommen würde ich den höheren Bildungsweg probieren. Mit dem Zweifel allerdings, dass es in der 5. Klasse heillos überfordert sein könnte.Edit, überlesen. Ich würde es lassen, wo es ist und in einem Jahr neu überlegen.

    Also dann Wechsel an die Förderschule erst mit 10/11 Jahren? Worin liegen für dich die Vorteile dieses späten Wechsels?
    Ist das nicht zu spät, wenn das Kind dann trotz enormen Fleißes und Übens immer noch nicht richtig lesen kann bzw. keine Grundrechenarten beherrscht, viele Motivationskiller in Form sehr schlechter Noten erhalten hat?
    Bei uns an der Mittelschule bekommen wir tagtäglich mit, wie belastend für die schwachen Kinder die 4 Jahre unter den begabteren waren und müssen ganz viel Aufbauarbeit leisten, um ihnen wieder zu Selbstbewusstsein zu verhelfen. Die deutlich Minderbegabten schaffen es jedoch in der Regel nicht, die Lücken aus dieser Zeit zu schließen.

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