Eben nicht. Und Mikael konnte und wollte mich nicht verstehen. Aber das ist ein anderes Thema.
Doch, genauso einfach ist das. Nennt sich Work-Life-Balance auf Neudeutsch. Wenn man sich nachts um 4 Uhr Gedanken um Kevin macht, dann ist man irgendwie auch selbst Schuld. Dann sollte man vielleicht schauen, dass man etwas mehr emotionalen Abstand zu seinem Beruf schafft. Ich bin da sehr radikal bzw. habe das Problem nicht, dass ich mir privat noch allzu viel Gedanken um die Schule mache. Es hilft übrigens sehr, sich ein umfangreiches Hobby und einen großen Freundeskreis (außerhalb des Kollegiums!) zuzulegen. So kommt man auch an Sozialkontakte, die nichts mit der Schule zu tun haben.
Ich bin ca. 8-10 Stunden (manchmal auch mehr) die Woche ehrenamtlich tätig. Weiterhin suche ich mir meine Freunde außerhalb der Schule. Ich komme mit meinem Kollegium sehr gut aus, aber privat unternehme ich nur sehr selten was mit Kolleginnen oder Kollegen. Und das sind dann Personen, mit denen ich auch andere Themen haben kann als Schule. Ich gehe heute mit einer Kollegin einer anderen Schule ins Kino und danach auf ein Getränk. Ich glaube nicht, dass wir uns da groß über Schule unterhalten werden. Es gibt einfach Wichtigeres, was wir heute zu quatschen haben.
Und es ist doch auch gerade so, dass wir sehr frei darin sind, wann wir arbeiten. Klar, die Präsenzzeiten in der Schule, die können wir uns nicht "aussuchen" aber alles Andere?! Wenn ich mit einer Kollegin zum Mittagessen gehe und wir uns da intensiv über die Schüler*innen unserer gemeinsamen Klasse austauschen, dann ist das für mich ein working lunch und dann geht das aufs Arbeitszeitkonto.
Natürlich gibt es Stellen, an denen sich Privates und Berufliches überlappt. Klassisches Beispiel sind wohl mehrtägige Veranstaltungen im Rahmen von Klassenfahrten, etc. Aber ehrlich, wer schiebt denn da Nachtschicht die ganze Nacht um die Schüler zu beaufsichtigen? Es gibt eine Ansage, wie sie sich zu verhalten haben; im Vorhinein wird ein allgemeines Alkohol- und Drogenverbot unterschrieben und wer sich nicht dran hält, fährt halt auf eigene Kosten heim. Also ich habe noch auf jeder Studienfahrt einen guten und erholsamen Schlaf gehabt und hatte auch genügend Raum, privat (ohne Schüler) was zu unternehmen. Das ist doch der Deal (zumindest für mein Verständnis)... Man kommt günstig gut rum, sieht viel von der Welt und hat halt ne Klasse im Schlepptau wo man ab und an mal gucken muss. Privat wäre ich jetzt für mich nie nach Spanien oder Südfrankreich gefahren. Als Studienfahrt macht man das halt mal und beides hat mir gut gefallen. Aber wie gesagt, für einen privaten Urlaub wären das keine Ziele, die ich wählen würde.
Viel macht denke ich auch die Einstellung zum Job. Wenn man das Gefühl hat, man opfert sich auf, lebt nur noch für die Schule und bekommt es dann noch nicht mal gedankt, dann muss man sich meiner Meinung nach überlegen, ob man an sich was ändern muss. Am System wird man (zumindest so schnell) nichts ändern. Aber was man ändern kann, ist seine Einstellung dazu.
Ich habe es schon lange aufgegeben, mich über schulische Dinge zu ärgern. Ich mache meine Arbeit, mit Freude, gründlich, zuverlässig und gewissenhaft. Ich engagiere mich in den Bereichen, in denen meine Stärken liegen. Wenn es mal ein Lob gibt, ist es spitze, wenn es keins gibt, ist auch nicht schlimm. Im Zweifel gilt das schwäbische Sprichwort "Nicht beschwert ist genug gelobt."
Und deswegen ist es für mich auch super einfach, zu sagen (selbst auf Studienfahrten, etc.) wann ich gearbeitet habe und wann nicht.
Sorry für den langen Text. Aber ich vermerk's als "beratende Tätigkeit" auf meinem Arbeitszeitkonto... 