Nur mal so zu unserer ach so toleranten Gesellschaft: ich kenne einen Mann mittleren Alters, der in seinem Dorf nicht geoutet ist. Warum? Er arbeitet als Busfahrer bei einem Unternehmen, das so typische Seniorenfahrten für Ü70/80 anbietet. Sein vor kurzem verstorbener Vater war derjenige, der am Dorfstammtisch die übelsten homophoben Sprüche geklopft hat und seine Mutter hofft halt immer noch auf Enkele (er ist der einzige Sohn). In so einem Umfeld ist es selbst 2019 verdammt schwer, sich zu outen...
Ich stimme Jonesy vollkommen zu:
Wenn dir der Umstand bekannt ist, dass da solche Sprüche geklopft werden SAG WAS!
Den Eltern wird das doch bekannt sein, das Sohnemann schwul ist? Wenn nicht, wird das höchste Zeit. Mein Vater hat auch oft solche Sprüche geklopft (da kannte er noch keinen Homosexuellen). An dem Tag, wo ich ihm mitgeteilt habe, dass meiner Schwester das irgendwie sehr unangenehm zu sein scheint (ich war da 12 und hab schon länger gemerkt, das Schwesterherz sich nicht so ganz sicher ist) und sich die liebe Schwester daraufhin dann geoutet hat, wurde das täglich besser und ruhiger um diese Kommentare. Oftmals ist es nämlich nichts Anderes als dumpfes Geplapper.
Und genau an der Stelle sollte man dann auch was sagen und nicht nur doof rumstehen.
Das Leben ist kein Ponyhof und wenn 2019, in Europa, in Deutschland, die sexuelle Lebensrichtung eines anderen nicht passend ist, muss man einfach damit klar kommen. Das klappt aber nur, wenn auch nicht direkt Beteiligte offen ihre Meinung über die Diskriminierung äußern und sich da mal ein wenig stark machen.
Meine Schwester hat durch ihr Outing ca. 60% ihrer Freunde verloren. Hauptsächlich übrigens solche, die vorher ganz viel von Toleranz geredet haben und denen das danach unangenehm war, gemeinsam ein Schwimmbad von innen gesehen zu haben. Zitat meiner Schwester zu solchen Leuten "Mein Leben, meine Regeln. Komm mit klar oder verpiss dich und lass mich in Ruhe, ich muss mich für nichts rechtfertigen oder schämen.".