Besonders die Arbeitsmoral kann man meiner Meinung nach am Berufsschulzeugnis nicht wirklich erkennen. In der Berufschule wird keine berufstypische Tätigkeit ausgeführt.
Du unterrichtest an einer BS? Nun ja. Gibt es heute keinen Werkstattunterricht mehr? Du hast in einem Punkt Recht. An der Berufsschule wird keine "betriebstypische Tätigkeit" ausgeführt.
Als ich meine Gesellenprüfung abgelegt habe, musste ich für die fachpraktische Prüfung eine Aufrasterung und Reprofotografie mit der Reprokamera in der Dunkelkammer anfertigen und entwickeln. Das war Teil der Kammerprüfung - nicht der BS. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits ein Jahr lang derartige Tätigkeiten am Trommelscanner und Großrechner digital erledigt und für diesen (analogen) Prüfungsteil dann lediglich eine 2,5 erhalten.
Das war jedoch allen Beteiligten wumpe. Wichtig war das Urteil der Kunden, die aus der Modebranche kamen. Die haben beim Andruck die Kleidungsteile am Leuchttisch neben den Andruck gelegt und die Farben verglichen. Solange die Farben der digital erstellten Reprofotografie 1:1 mit dem Original identisch waren, Hautton, Augen- und Zahnweiß stimmten, war alles in Ordnung und der Prospekt wurde millionenfach über Europa gestreut 
Als ich mich nach dem Referendariat (weil der Arbeitsmarkt für Lehrkräfte noch immer "zu" war) wieder bei verschiedenen Reprofirmen beworben hatte, waren Gesellenbrief und Berufsschulzeugnis uninteressant. Wichtig war nur mein Zertifikat der Firma Hell über die Qualifikation am elektronischen Bildverarbeitungssystem.
Zum Glück war mein neuer AG kein Hauptgewinn und ich bin dann doch im Schuldienst gelandet. Sowohl mein Ausbildungsbetrieb, als auch der zweite Betrieb sind heute insolvent und nicht mehr existent. Was ich in der Ausbildung gelernt hatte, kann ich heute mit der Freeware GIMP am PC erledigen. Meinen erworbenen Zweitberuf gibt es nicht mehr. Meine Pension durchaus. Glück gehabt. 