Beiträge von Yummi

    Zum letzten Punkt will ich mich nicht äußern, aber mal zur "Realität und Ideologie":
    Gerade das Beispiel von einer Oppositionspartei die zur Regierungspartei wird zeigt, welche Interessen der Staat selbst hat und dass alle Parteien diesen Interessen verpflichtet sind.
    Und nicht nur die Parteien! Selbst die meisten Bürger stellen ihre eigenen Interessen hinter denen des Staates an. Der Grund dafür ist dieser Nationalismus, in dem sich Bürger als Teil eines "Volkes" sehen und die Nation als dessen Garanten, Ansprechpartner, "Kümmerer". Aber nicht ein Volks schafft sich eine Nation/Regierung, sondern genau umgekehrt, die Herrschaft kreiert und definiert das Volk. Wer gehört dazu, wer nicht. Wer hat gewisse Rechte, wer nicht. Wer wird abgeschoben, wer nicht.

    Nochmal anders gesagt:
    Wenn ein Staat weniger Geld ausgeben würde für meinetwegen kriminelle Ausländer, Arbeitsscheue oder Stuttgart 21, würde dieses Geld deshalb noch lange nicht dahin fließen, wo es die Kritiker dessen ("Volksverräter!") gerne hätten.

    Die prinzipielle Gleichsetzung der eigenen Interessen mit denen des Staats halte ich für problematisch bzw. eine Illusion.

    Unsere Gesetze definieren wer deutsch ist und wer nicht. Unsere Gesetze definieren wer gewisse Rechte hat und wer eben nicht. Gerade weil wir als Gesellschaft übereingekommen sind, dass die Grundlage unseres Zusammenlebens gewisse Regeln bedarf, funktioniert es.

    Und mit dem Geld ; Politik kann nicht den Anspruch haben die Mittel ökonomisch immer am effizientesten auszugeben. Dafür gibt es zu Recht zu viele Interessensgruppen.

    Allerdings kann durchaus in Zweifel gezogen werden, dass Zuzug immer bereichernd, nicht kostenintensiv oder gar renditebringend ist. Das waren nämlich 2015 die Argumente.
    Jeder der rational diese Argumente bezweifelt hatte, würde als Nazi beschimpft.

    Dass diese Personen aber rückblickend Recht haben, ist nur ein schwacher Trost.

    Und genau diese denunzierenden Personen stellen sich jetzt hin und verhindern, dass der Staat im Rahmen des Asylverfahrens seiner Aufgaben nachkommt. Den halte ich dagegen, dass ich als Steuerzahler durchaus das Recht habe, dass mein Anteil nicht für ideologische Massnahmen verschwendet werden soll, sondern dass der Staat hier zurecht seinen Aufgaben nachkommen muss. Somit sind diejenigen die hier gesetzeswidrig intervenieren diejenigen, die auch mein Steuergeld für ihre Ideologie verschwenden.

    Hallo Anja,
    ich bin nicht sicher, was Du mit "Nazikeule" meinst, aber solche Parolen kann man quasi weltweit abfragen, nicht nur in der BRD. (Dann eben als "France pour les Francais", "America for Americans" etc.)
    (Dass das hier im Forum so geballt kommt, überrascht mich. Die Kollegien, die ich kenne, ticken da ganz anders.)

    Zurück zur Abschiebungsdebatte: das Bekenntnis zur Nation und zu einem Volk ist keineswegs Rechten vorbehalten, die "Wir sind das Volk!" rufen, sondern umgekehr auch den "Bahnhofsklatschern" die sagen, "Nein, ihr seid nicht das Volk! WIR sind das Volk!"

    Klar. Aber frage die Bahnhofsklatscher nach der Finanzierung, Familiennachzug, Anreizsetzung weiterer Flüchtlingsströme usw.

    Man sieht dann recht schnell wie dünn die Luft wird. Realität und Ideologie passen nicht so wirklich.

    Ist so wie die Grünen als Oppositionspartei und als Regierungspartei in BW. Realität erdet einen.

    Und ich sage ganz offen, dass für mich es nicht akzeptabel ist, wenn ganze Stadtteile ihr bisheriges Bild völlig verändert haben. Eine gesunde Vielfalt ist bereichernd. Aber wenn eine oder wenige Gruppen einen massiven Überhang darstellen, ist das für mich eine ungesunde Entwicklung.

    Nicht wirklich. Hast du mehrere Kinder und die Frau verdient in ihrem Job weniger als man selbst, dann ist die Versorgungslücke die mit der BU zu schließen wäre größer.

    Aber genau darum geht's ja: Dass ich als Lehrer/in (und scheinbar einige wenige andere auch, wie ich an den "Likes" sehe) nicht emotionslos in der Sache wäre. Könnta hier alle sachlich argumentieren und lamentieren wie ihr wollt: Wenn's euch spurlos am Arsch vorbei geht, sollte einer eurer Schüler den ihr erfolgreich integriert habt und der nicht nur genommen sondern auch gegeben hat, abgeschoben werden, fehlt euch m.E. Empathie und somit eine zentrale pädagogische Kompetenz.

    Nein. Deshalb baue ich generell keine Bindung auf.

    Ich unterrichte meine Schüler, behandle sie mit dem Respekt den ich auch von ihnen erwarte und damit ist es getan.

    Die einzigen jungen Menschen die für mich auch von emotionaler Bedeutung sind, dass sind meine Kinder und irgendwann deren Kinder.

    Deshalb habe ich auch nach dem Abschluss des Schuljahres, der Ausbildungszeit oder Schulzeit kein Kontakt mit Schülern.
    Deshalb lade ich sie nicht zu mir nach Hause ein noch gehe ich zu irgendwelchen Abschlussbällen oder -festen.

    Es interessiert mich nur, die Schüler gut vorzubereiten auf die in Sek-2/Ausbildungen anstehenden Prüfungen.
    Alles andere ist für mich bedeutungslos.

    Macht halt Standardkost als Unterricht. Warum verzichtet man bloß auf Geld? Ein Job, der in Vollzeit anscheinend nicht zu bewältigen ist, das ist ein Skandal und muss massiv von den Gewerkschaften und Verbänden mit aller Macht bekämpft werden.
    Nicht dumme Handlungsempfehlungen, die zu disziplinarische Strafen für Kollegen führen können, herausbringen.

    Bezogen auf BaWü folgende abstruse Konsequenz:
    Man nimmt nur eine TZ-Stelle an und zugleich kürzt der Dienstherr Junglehrern noch 4%-8% in BaWü vom Gehalt. Das ging jahrelang so und wird jetzt endlich ab 01.18 zurückgenommen.

    Also, ich habe mein moralisches Gewissen nicht durch den Amtseid ersetzt. Der Begriff des "zivilen Ungehorsams" wurde ja schon genannt. Wenn ich der Meinung bin, dass hier Ungerechtigkeiten geschehen, dann kann ich auch dagegen vorgehen - und dann bin aber auch bereit, eventuelle disziplinarische Konsequenzen zu tragen. Jede andere Einstellung finde ich ehrlich gesagt beängstigend.

    Ob ich jetzt im konkreten Fall versuchen würde, eine Abschiebung zu verhindern, weiß ich nicht. In der Situation war ich noch nie. Ich würde mir aber wünschen, dass ich den Mut hätte, wenn mein Gewissen mich dazu auffordern würde, ganz abseits von Dienstpflichten etc.

    Finde ich gut, wenn es tatsächlich disziplinarische Konsequenzen gibt.

    1. Die Leute erkennen was für ein Haufen die GEW ist.
    2. Die Leute akzeptieren, dass in einem Rechtsstaat die Institutionen eine Entscheidung treffen die zu gelten hat.

    Wer denkt er ist moralisch eine Stufe über den rechtsstaatlichen Entscheidungen, der soll das halt glauben.

    Wer der Meinung ist, dass er mit seinem "zivilen Ungehorsam" in einem Rechtsstaat wie D der tolle Hecht ist, ist einfach nur lächerlich. Bei uns kann einem nicht viel passieren; in anderen Staaten wäre man dagegen eingesperrt oder Schlimmeres. Aber Hauptsache man kann die Moralkeule schwingen.

    @Susannea

    Eben, sie sind meine Schüler. Nicht meine Kinder. Und genau deshalb werde ich Anweisungen der entsprechenden Institutionen sicherlich nicht torpedieren.

    Ansonsten können wir das gesamte Asylverfahren auch sein lassen und einfach alle aufnehmen die kommen. Frag dich dann aber nicht wieso die öffentliche Meinung dann kippen wird.

    Es ist gerade auch das (noch) vorherrschende Vertrauen in die Institutionen, dass diese auch Flüchtlinge wieder zurückführt, dass die deutsche Bevölkerung trotz des großen Flüchtlingsandrangs 2015 bis heute recht entspannt geblieben ist.

    Wenn aber jetzt begonnen wird, keine Rückführungen mehr durchzuführen, dann wird es keine Akzeptanz einer zweiten Flüchtlingswelle mehr geben.
    Dann kippt die Stimmung zu den Wahlen und ihr dürft euch dann selbst fragen, warum die AfD plötzlich so viele Sitze in den Parlamenten hat. Aber dann bitte nicht weinen...

    nee, hast ja recht. Stimmt schon. Mir persönlich würde das ja am Arsch vorbei gehen, wenn man eins meiner Kinder, für das ich am Ende noch alle Hebel in Bewegung gesetzt hatte, damit es die Sprache lernt, Anschluss findet, sich geborgen fühlt, Stabilität bekommt und eine Perspektive hat, mit dem ich mich gefreut und mit dem ich gelitten habe, wenn man also dieses Kind/diesen Jugendlichen aus meinem Unterricht holte, um es/ihn abzuschieben. Da kann und muss ich ganz Profi sein und bleiben: Nicht mein Problem. Den Test schreiben wir jetzt trotzdem, wenn die Damen und Herren Ordnungshüter hier mit dem Vollzug fertig sind.

    Unterrichten ist dein Job, denn dein Dienstherr hat den Flüchtlingen Schulpflicht erteilt.

    Der Job unserer Kollegen in den entsprechenden Institutionen ist es zu determinieren, ob der Aufenthaltsanspruch noch gegeben ist oder ob eine Rückführung durchgeführt werden soll.

    Es ist nicht dein Job hier zu intervenieren. Ob du jetzt dann anfängst zu heulen ist für die Ausübung dieser Anordnung völlig irrelevant. Gerade deshalb sollten Lehrkräfte tunlichst zu viel emotionale Bindung vermeiden.

    Jetzt da das LS in BW geschlossen wird und aufgrund von Lehrermangel die werten Kollegen wieder an die Front müssen, will ich nicht wissen wie viele von denen plötzlich eine leitende Position bekommen.

    Vorteil für die, dass sie nicht ein volles Deputat unterrichten müssen.
    Nachteil der Kollegen an der Front ist, dass sie wohl bei Bewerbungen für diese Stellen den kürzeren ziehen werden.
    :sterne:

    Und? Welche Motivation sollten dann die "Zubrinerschulen" haben, das anders zu handhaben? Den fallen ja auch nicht die Schüler einfach so vor die Füße!

    Verstehe ich. Aber wenn sie erst mit 16-17 oder mehr Jahren bei mir auf der Matte stehen und glauben der Institution Schule ihren Stempel aufdrücken zu müssen, dann ist aus meiner Sicht Hopfen und Malt verloren. Wer in der Oberstufe nicht über die grundlegenden Dinge wie Pünktlichkeit, rechtzeitige Abgabe von Entschuldigungen verfügt, dem kann ich dann auch nicht mehr helfen. Den Aufwand den ich da reinstecken müsste, ist es den Ertrag nie und nimmer wert. Da greifen dann schnell und kompromisslos die Regelungen.

    @MrsPace
    Also das Anwenden der Regeln unser Schule und das Durchsetzen der darin vereinbarten Konsequenzen führt zu der Frage warum ich Lehrer geworden bin...interessant.

    Und ich dachte du willst Disziplin fördern. Aber gut, wenn man wie oben Bolzbold die "Flexibilität" bei der Anwendung der Regeln fordert, dann können wir die auch ganz sein lassen.

    Erinnert mich auch immer wieder an die Notengebung der Kollegen, die ihren pädagogischen Spielraum auch darin sehen, jemandem nach Berücksichtigung aller Noten bei 3,8 noch eine 3 geben.0


    Flexibilität! Wer braucht da schon Transparenz und Fairness.

    Wer in die Oberstufe kommt wird bezüglich der geltenden Regeln informiert. Danach gelten diese und werden angewendet. Wer bis zu diesem Zeitpunkt keine Disziplin und Bereitschaft zum Befolgen von Regeln besitzt, der bekommt die Konsequenzen halt zu spüren.

    Es wäre ja noch schöner, dass ich anfangen sollte hier "pädagogische" Massnahmen, tiefsinnige Gespräche und Streicheleinheiten für die arme Schülerseele anzuwenden, wenn die werten Kollegen der Zubringerschulen dies die letzten Jahre versäumt haben.

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