Beiträge von Ratatouille

    Die durch das Urheberrecht bestehenden Schranken z.B. bei der Anfertigung von digitalen Kopien sind kein spezielles Problem des Austauschs von Lehrkräften, sondern bestehen bereits bei der individuellen Unterrichtsvorbereitung. Anders ausgedrückt: das Urheberrecht setzt hier keine nennenswerten zusätzlichen Schranken, die nicht bereits für die "Einzelkämpfer" unter den Lehrkräften ohnehin bestehen.

    Leider ist das nicht überall so. Zwar darf man in RLP nach dem neuen Rahmenvertrag so viel digitalisieren wie kopieren, aus einem Schulbuch immerhin 15% oder 20 Seiten pro Klasse und Jahr, aber man darf 0% davon über eine Plattform teilen, weder passwortgeschützt mit einzelnen Klassen wie anderswo noch mit Kollegen, auch nicht, wenn alle das Buch gekauft oder eine Lizenz haben. Denn hier wird nicht zwischen "Veröffentlichen" auf einer Plattform und Veröffentlichen im Internet unterschieden. Geteilt werden darf nur analog oder per Email. Das legt eher eine kurzfristige Zusammenarbeit zwischen einzelnen Kollegen nahe, wenn überhaupt, als den systematischen Aufbau eines gemeinsamen Fundus, jedenfalls nicht digital. Den Kollegen wurde vom BM mitgeteilt, dass erwartet wird, dass Lehrer ihr Material selbst erstellen und dann auf der Landesplattform zur Verfügung stellen. Das wäre natürlich die günstigste Variante, praktikabel ist es aber nicht.

    Mein BL ist RLP. Ich konnte das zuerst nicht glauben, habe im Netz aber tatsächlich eine entsprechende Anweisung an die Schulträger gefunden. Zwischen Leihgeräten für Schüler und Lehrer wird dabei nicht unterschieden, und so hat es unser Schulträger auch umgesetzt. Interessant, dass es bei euch nicht so ist.

    An weiterführenden Schulen wird ja meist alle zwei Jahre gewechselt. Einmal war ich an einer Schule, an der man als Klassenlehrer die Klassen drei Jahre behielt. (Fachlehrer wurden nach Bedarf eingesetzt.) Das fand ich ideal, viel ruhiger. Bei zwei Jahren hat man die Klassen grade auf Trab, da stellen sich die SUS schon wieder aufs Ende ein. Das ist unnötig anstrengend. Nach drei Jahren tut ein Wechsel aber gut.

    Dass es an Schulen halt so gar nicht um die Befindlichkeiten der Lehrer geht, heißt nicht, dass man nichts tun kann, um die Lage für sich selbst im Gleichgewicht zu halten.

    In dieser Situation ist die Entscheidung der SL einfach vernünftig. Ich würde daher nochmal um ein Gespräch bitten, die Übernahme der Fünften akzeptieren und mich für das in mich gesetzte Vertrauen bedanken, gleichzeitig deutlich machen, dass es viel Arbeit ist, eine neue Klasse auf Vordermann zu bringen und vor allem, gleich zwei Quereinsteiger mit durchzuziehen. Dann würde ich die Zusatzaufgaben größtenteils abgeben und nur die für mich selbst zukunftsträchtigen behalten sowie diesbezüglich meine Perspektive ansprechen. So sollte sich das Ganze wieder gut anfühlen und bewältigbar bleiben.

    Im real life kann man sich als Lehrer auch bestens aus dem Weg gehen, bestimmt besser als in der Behörde. Jetzt, mit wenig Corona, ist es auch nett, im Lehrerzimmer zu quatschen, aber wenn mal nicht, setze ich mich halt wieder irgendwo ins offene Fenster und genieße die Sonne und die Ruhe wie in den letzten zwei Jahren.

    Vielleicht ist die Kollegin auch keine ausgebildete Lehrerin. Das wäre an einer Schule mit schwierigem Einzugsgebiet ja leider auch keine Seltenheit. Du wirst nicht untergehen, denn du wirst vorbereitet sein. Wärm dich doch nochmal mit einem Praktikum an oder mit einer Lesepatenschaft, einer AG etc., dann erlebst du dich und die Aufgabe wieder anders.

    Auf meinem Dienst-iPad lassen sich Verlauf und Cookies nicht löschen. Das hängt offensichtlich damit zusammen, dass das System die zentral eingerichteten Beschränkungen als Kindersicherung auffasst. Auch wenn eine private Nutzung ohnehin nicht gestattet ist, finde ich das unschön. Ist das bei euch auch so und akzeptiert ihr das?

    Ich denke, dass das Thema so hochkocht, zeigt wohl einfach, wie angespannt viele von uns oft sind. Denn eigentlich ist es ja völlig normal, unvermeidlich und alltäglich, dass Menschen krank werden, auch länger, und das von den Kollegen aufgefangen wird.

    Auch dass nicht alle Mitarbeiter jederzeit hochmotiviert sind, ist normal. In Deutschland machen 60 Prozent der Arbeitnehmer Dienst nach Vorschrift und weitere ca. 16 Prozent schädigen ihren Arbeitgeber absichtlich, nur 15 Prozent fühlen sich mit der Arbeit innerlich verbunden. Das wird es auch unter Lehrern geben, wenn auch in viel geringerem Ausmaß. Obwohl Lehrer eine ausgesprochen belastete Berufsgruppe sind, gehen 75 Prozent mit Freude ihrem verantwortungsvollen und erfüllenden Beruf nach.

    Die Schaarschmidt-Untersuchung hat Anfang der 2000er Jahre ergeben, dass das S-Muster (Schonung) in allen anderen untersuchten Berufsgruppen verbreiteter war als bei Lehrern. Die Moral unter Lehrern ist überdurchschnittlich hoch. Das ist einerseits nötig und richtig so, wenn man mit Kindern arbeitet, andererseits aber auch Teil des Problems. Man ärgert sich ja nur dann übermäßig über ansich normale Widrigkeiten, wenn es einem nicht gut genug geht, sie einfach wegzustecken.

    Wenn wir an Grenzen stoßen oder sie überschreiten müssen, dann ja nicht deshalb, weil Kollegen krank sind, sondern weil zuwenige eingestellt werden. Die Lage wird nicht besser, wenn wir uns selbst zu stark unter Druck setzen (zum Beispiel krank Unterrichtsmaterial schicken) und uns gegeneinander ausspielen lassen. Es ist zum Beispiel eben nicht unkollegial, Mehrarbeit wo immer möglich konsequent abzulehnen. Auf einmal hat doch eine Vertretungskraft eine feste Stelle oder es kommen zwei neue Kollegen dazu. Verantwortlich handeln kann auch bedeuten, ein realistisches und vernünftiges Lehrerbild einzufordern und seiner Selbstausbeutungsbereitschaft Zügel anzulegen.

    Ich war auch mal von jetzt auf gleich viele Wochen krankgeschrieben. Man hat mich in dieser Zeit draußen gesehen, weil ich alleinerziehend kleine Kinder versorgen und zur Betreuung bringen musste. Es ging mir infolge einer Vireninfektion sehr schlecht, ich konnte kaum das Nötigste im Alltag organisieren, hatte Erschöpfungszustände, Lähmungen und Ängste, wie es weitergehen soll. Aber das konnte man mir von weitem nicht ansehen. Leider hatte ich auch solche geifernden Kolleg:innen, die bei mir angerufen und penetrant nachgefragt und bei Schülern und Eltern gehetzt haben. Das war eine schlimme Erfahrung und hat mich für längere Zeit in eine schwierige Situation gebracht.

    Lehrer sind nicht einfach lange krank, ohne dass sich das jemand anschaut. Recht schnell wird das amtsärztlich untersucht. Dann muss man belegen, dass man binnen weniger Monate wieder voll einsatzfähig ist. Kann man das nicht, muss man mit einer Herunterstufung oder gar einer Zwangspensionierung rechnen. Ich habe einen Kollegen, dem das mit grade 40 wegen einer Krebserkrankung passiert ist. Sei einfach froh, wenn es dir selbst gut geht. Ich finde die Vorstellung ekelhaft, dass du an seinem Garten vorbeiläufst, bis du ihn dort siehst, um dann (im besten Fall nur mit deiner Frau) darüber abzulästern. Ich wünsche dir, dass du in deinem Berufsleben keine größeren Probleme haben wirst, als mal als Vertretung eingesetzt zu werden, falls du überhaupt persönlich von der Angelegenheit betroffen bist.

    Sorry, musste raus.

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