Gestern musste der Lehrer die Klasse kurz verlassen und ich habe spontan den Unterricht übernommen. Wir haben das Thema Vergewaltigung und Moral besprochen.
Bist du echt?
Die Geschichte kommt mir nicht so wahrscheinlich vor.
Gestern musste der Lehrer die Klasse kurz verlassen und ich habe spontan den Unterricht übernommen. Wir haben das Thema Vergewaltigung und Moral besprochen.
Bist du echt?
Die Geschichte kommt mir nicht so wahrscheinlich vor.
Selbst wenn Kollege A keine Lust hat, Sanktionen durchzusetzen, gibt es trotzdem eine einheitliche Linie, an die sich Kollegen B,C und D halten können.
Ja, das wär schon schön. Hab ich aber an keiner meiner (größeren) Schulen je erlebt. Vielleicht ist es bei symmetra ja anders? Auch wenn es nicht danach klingt, ehrlich gesagt.
Einem Konferenzbeschluss gehen bei uns leider meist höchstens ausschweifende Wortmeldungen Einzelner voraus, begleitet vom Augenrollen der schweigenden, auf die Uhr schauenden Mehrheit. An den Beschluss fühlen sich viele von vornherein nicht gebunden. Muss man nicht gut finden, aber auch noch die Erwachsenen erziehen - nö.
Nun ist aber mein Problem, dass sich die Schulleitung nicht sonderlich dafür zu interessieren scheint und das Verhalten unserer SuS verharmlost (nebenbei nimmt sich die Leitung aus der Unterrichtsveranrwortung auch komplett heraus).
Da liegt bei euch der Hund begraben. SL hat Angst vor Eltern, Kollegen wollen bei SL bloß nicht auffallen. Nun hast du die Wahl: Willst du dich in allen Unterrichtsstunden gestresst und unwohl fühlen? Oder willst du lieber ab und zu von deinem Chef informiert werden, dass ein Vater angerufen hat?
Konferenzbeschlüsse bringen nur was, wenn man sich sowieso einig ist, dann braucht man sie aber auch nicht. Lehrer ziehen nicht an einem Strang, weil sie einfach unterschiedlich sind. Man kann anderen Menschen aus vielen Gründen schlicht nicht vorschreiben, wie sie erzieherisch handeln sollen.
Trotzdem denke ich, dass die Hauptfachlehrer und der Klassenlehrer Ruhe in den Laden bringen müssen. Fachlehrer mit Kurzfächern, die womöglich in besonders schwierigen Räumen stattfinden und von den Eltern als nicht so wichtig erachtet werden, haben es sonst einfach schwer. Die gute Nachricht ist aber: Es reicht, wenn zwei oder drei Kollegen in jeder Klasse zusammenarbeiten. Manchmal dauert es ein paar Wochen, in sehr vermurksten Klassen auch mal Monate, aber es lohnt sich meiner Erfahrung nach. Wenn Klassen erstmal gut laufen, bleibt es über Jahre einfacher. Und wenn man erstmal ein paar Klassen aufgeräumt hat, weiß man, wie es geht, dass es geht, wie lange es dauert, welche Konflikte auftreten werden, und der Ruf, den man sich erarbeitet, hilft auch. Es kommt jedes Mal recht bald der Punkt, an dem die Schüler selbst merken, dass es viel angenehmer ist, wenn sie sich an Regeln halten und der Unterricht interessanter wird. Dann muss man das üben, einfordern, durchsetzen, an Weihnachten hat man es fast immer geschafft. Bis dahin hilft nur Klarheit und Konsequenz. Dafür muss man aber nicht vorher die ganze Schule reformiert haben.
E9 ist billiger als A13, aber warum E9 zahlen? Da war Berlin vor 12 Jahren doch schonmal weiter:
Jürgen Schulte vom Berliner Gesamtpersonalrat Schulen schätzt, dass etwa 3.000 Ein-Euro-Jobber an Berlins allgemeinbildenden Schulen tätig sind. Bei rund 29.000 Lehrerstellen bedeutet das grob gerechnet: Auf je zehn Lehrerstellen in der Hauptstadt kommt eine Ein- Euro-Kraft. „Mindestens 50 Prozent von ihnen“, schätzt Personalrat Schulte, werden für pädagogische Aufgaben oder „im pädagogischen Randbereich“ eingesetzt.
https://www.gew-berlin.de/1807_1908.php
Gibt's die eigentlich immer noch? Oder was ist daraus geworden?
Großstadtlyrik ist Thema der 8. Klasse im weit verbreiteten "Deutschbuch" von Cornelsen. Das Gedicht ist formal und inhaltlich leicht zu erfassen, für eine Versetzungsprüfung am Gymnasium daher eine eher freundliche Aufgabe.
Sollte ein Englischlehrer wirklich den Unterschied zwischen einer Kurzgeschichte und einem Gedicht nicht kennen?
In meiner Gegend gibt es alle möglichen Regelungen: Kein Handy in der Schule für alle Schüler, Handy erst am Nachmittag, Handy nur für die Oberstufe, Handy nur in der Handyzone und, in der Schule meiner Kinder, Handy für alle und jederzeit (auch im Unterricht außer bei Klassenarbeiten).
Da hab ich schon erstmal geschluckt. Es ist einfach so, an allen Schulen, dass die Mehrheit der Eltern den Kindern ein Smartphone kauft, will, dass es für den Notfall den ganzen Vormittag an ist (stummgeschaltet), WhatsApp ist fast immer drauf, meist dafür kein Jugendschutzprogramm, das ja auch nur kurz etwas nützt. Und an der Schule meiner Kinder hatten offensichtlich weder die anderen Eltern noch die Lehrer Lust, Einschränkungen durchzusetzen. Fand ich aber auf den zweiten Blick nicht ganz so schlimm.
Unser privater Kompromiss:
- Smartphone beim Wechsel auf die weiterführende Schule (musste sein, tatsächlich fällt man sonst blöd auf, habe es ausprobiert),
- aber kein Internet, nur Telefon-Prepaidkarte
- nachmittags zuhause WLAN-Zeiten (anfangs zusammen unter Anleitung, zunehmend länger und unkontrollierter, ab und zu Austausch über gute Seiten, zu langes YouTube-Schauen und Alternativen usw., also Medienerziehung)
- WhatsApp daher nur zuhause
- angesagte Spiele konnten sie also herunterladen und auf dem Schulhof mitspielen (war nicht allzu lange interessant)
- WLAN ist nachts aus
- Vertrag gibt's ab 16, normales Volumen, wer mehr will, müsste selbst zahlen, will aber bei uns keiner
Meine Erfahrung (mit normalen Kindern in normalen Verhältnissen): Kinder sollte man tatsächlich erstmal anleiten und dafür sorgen, dass sie nachts und bei den Hausaufgaben nicht daddeln können, Jugendliche können mit dem Smartphone aber gut umgehen. Pauschale Verbote bringen nichts. Und es ist vor allem Elternsache.
Es sollen ja laut Medienberichten 15000 Lehrer fehlen.
Aber wenn ich bei den offiziellen Stellen (unabhängig von der Schulform) von z. B. Niedersachen, NRW, Hamburg oder Schleswig Holstein nachschaue sind da äußerst wenig Stellen ausgeschrieben.
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Tja, dass Lehrer fehlen, heißt jetzt nicht, dass Stellen ausgeschrieben werden.
Entweder ist, leider - leider, grade Lehrermangel.
Wenn nicht, dann ist, leider - leider, kein Geld da.
Was mir die ganze Zeit im Hinterkopf herumschwirrt, ist die Frage, welche Angriffe ein Opfer auf welchem "Niveau" wahrnimmt bzw. verarbeitet.
Also in etwa so etwas wie die Maslowsche Bedürfnispyramide
Den Ansatz finde ich wirklich interessant, ich glaube, du hast recht, Bear.
Wer immer sich erdreistet, in irgendeinem Aspekt nicht dem gängigen Mann-Frau-Schema zu entsprechen, bekommt tagtäglich zu spüren, dass es mit der Toleranz bei uns wohl doch nicht so weit her ist. Aber es stimmt, dass man als Alleinerziehende nicht mehr angespuckt oder geschlagen wird. Die Beispiele von Intoleranz gegenüber heterosexuellen Paaren im verlinkten Film betreffen tatsächlich eher die oberen Stufen der Bedürfnispyramide. Ich finde sie aber trotzdem interessant, weil sie zeigen, wie groß der Druck schon hier ist.
https://www.youtube.com/watch?v=EB6XWkKh8nI
"Die Kosten für die private Krankenversicherung sind meist sogar geringer als die Beiträge für die gesetzliche Krankenkasse, die ein Student über 30 zahlt. ... Die Grundtarife für Studenten über 30 beginnen bei den privaten Versicherern bei etwa 100 € monatlich. Allerdings wird auch dieser Betrag oft noch gar nicht fällig, weil viele Privatversicherungen ihren Studententarif nicht wie die gesetzlichen Krankenkassen nur bis 30 gewähren, sondern bis zur Vollendung des 35. Lebensjahres. Der Studententarif beträgt hier je nach Versicherer und gewählter Abdeckung ab ca. 70 € monatlich."
Familienplanung ... nachvollziehbar, dass man seitens der Geschäftsleitung Zweifel bekommt, ob der Kandidat für die Stelle nach der Probezeit nicht direkt wieder ausfällt... Aber da hätte man auch mit offenen Karten spielen können statt so hinten herum.
Meine Güte. Das ist jetzt aber nicht dein Ernst. Es gibt Gesetze und an die hat man sich zu halten.
Wenn ich fertig bin, würde ich gerne Vollzeit arbeiten als Lehrerin.
Das schadet natürlich auch nichts.
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Natürlich wirst du nicht verhungern. Und ich halte die Chance, als Lehrer ein gutes Auskommen zu haben für eine (alleinerziehende) Mutter für überdurchschnittlich groß.
Allerdings. In der Vergangenheit war der Nettoverdienst einer verbeamteten Lehrerin in Teilzeit im Durchschnitt sogar höher als der einer teilzeitarbeiteten angestellten Ärztin oder Juristin (weil die Gehaltsabschläge bei Teilzeit umso heftiger ausfallen, je qualifizierter Frauen sind und auch je mehr Männer in diesem Beruf arbeiten). Auch als angestellte Lehrerin stehst du bei Teilzeit relativ gut da, weil dein Gehalt nicht individuell ausgehandelt wird. (Dass Teilzeit überall, aber besonders bei Lehrern kein gutes Geschäft ist, ist klar, aber als Alleinerziehende gibt's oft phasenweise kaum andere Optionen.)
Lehrerin werden zu wollen, ist also eine ausgesprochen rationale Entscheidung, zumal du ja auch noch die Chance auf eine Pension (statt Rente) hast. Deine überheblichen Verwandten werden sich noch wundern.
Am Gymnasium sind es auch nicht so viele Stunden. Aber es macht sicher einiges aus, dass sich in der Schweiz die Heterogenität im Rahmen hält.
Wäre es wirklich so ein Aufwand, z.B. solche Art Aufgaben zur Verfügung zu stellen?
Nicht, wenn man sich drauf konzentrieren würde. Ist aber wohl kein Thema. Dass die Spitze bei Pisa zurückfällt, regt niemanden auf. Wer kaum Zeit für die Unterrichtsvorbereitung hat, macht halt was für die, die sonst Rabatz machen und schreibt ansonsten sein 25. Schulkonzept oder passt mal wieder die schuleigenen Arbeitspläne irgendwelchen Reformideen an.
Wollsocken80 schrieb:Also ehrlich gesagt verstehe ich nicht ganz, wo ihr im Ausgangsbeitrag des TE was von Hochbegabung herauslest?
[/quote]
Wenn du selbst hochbegabt bist
Wissen wir nicht. Nur dass der/die TE sich in Mathe, Chemie und Physik so massiv gelangweilt hat, dass es ihr/ihm sehr schlecht ging. Grund genug, da mal hinzuschauen.
Mit Hochbegabten muss man im Lehreralltag schon rechnen, so exotisch ist das nicht. Ich denke auch, dass sie sich in deinem Chemieunterricht schonmal ganz gut austoben können. Aber sowas ist doch zum Beispiel auch nice: https://www.life-science-lab.org/cms/
Ich weiß, dass ich die harte Realität sowieso kennenlernen werde & ich mir keine Träume & Ideale ausdenken muss. Man wird nie allen gerecht.
Das ist schon so. Schule ist auf jeden Fall anstrengend, manchmal frustrierend und man kann viel weniger umsetzen, als man gerne möchte. Aaaaber es ist ein absolut erfüllender Beruf, in dem es einem (außer beim Korrigieren ;-)) nie langweilig wird, wenn man nicht selbst ein Langweiler ist. Freu dich drauf, wenn du dich dafür entscheidest.
Im Akzeptieren sind Hochbegabte meiner Beobachtung nach meist sehr gut, das trainieren sie zwangsläufig von früh auf und in der Regel sind sie einfach auch sehr empathische Menschen. Deswegen passiert halt auch immer noch oft zu wenig für sie. Vom Zuschauen wird man einfach nicht satt, und das schmerzt immer mehr. Insbesondere die Teilnahme an Schülerlaboren lässt solche Schüler nicht nur aufblühen, sondern manchmal regelrecht explodieren. Hier sind sie endlich mit Leuten zusammen, die ticken wie sie. Was es gerade für Jugendliche bedeutet, sich immer anders und allein mit sich zu fühlen, sollte man glaube ich nicht unterschätzen. Es kann eine richtige Not sein.
Merida, ich möchte dich ausdrücklich ermutigen, Lehramt zu studieren, wenn du darauf Lust hast. Auch an normalen Gymnasien gibt es viele begabte Schüler. Auch die (nicht nur die ausdrücklich Hochbegabten) freuen sich über anregende Unterrichtsangebote. Du hast genau beobachtet, wie deine Lehrer mit schwachen Schülern umgegangen sind und konntest das nachvollziehen. Daher kannst du vermutlich auch das lernen. Wenn du selbst hochbegabt bist, ist es wahrscheinlich, dass dir die Komplexität des Schulalltags wegen deiner gründlichen Denkweise zunächst Mühe machen wird, andererseits kannst du das analysieren und kanalisieren. Stürz dich rein und finde deine spezifischen Aufgaben.
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Es gibt tatsächlich Leute, die das alles machen und sich immer noch langweilen. ![]()
Manchmal wird von Lehren viel zu viele Aufgaben gleichzeitig verlangt
Da helfen Arbeitsteilung und Zusammenarbeit. Dann geht vieles (nicht alles).
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