Beiträge von Philio

    So würde ich es nicht sagen. Der Weg über die Promotion hat mich hierher gebracht und tatsächlich kann ich an der Schule sogar von den Erfahrungen aus der Promotion profitieren. Wenn ich heute wieder von vorne anfangen müsste, würde ich schon gar nicht mehr Chemie studieren sondern am ehesten Luft- und Raumfahrttechnik. Damit geht man natürlich nicht ins Lehramt ;)

    Nein, ich sage wirklich nicht, dass das Lehramt für mich alternativlos ist. Ich mag den Job furchtbar gerne aber ich sähe mich als Chemikerin z. B. auch im Kantonslabor, bei der EMPA oder bei der EAWAG. Also diese Analytik-Jobs mehr oder weniger im Staatsdienst. Ich finde ehrlichgesagt den Staatsdienst schon etwas sehr Attraktives. Ich bin einfach nicht der Leistungs-Typ und hätte keine Lust mein Gehalt zu verhandeln. Da nehme ich lieber weniger und hab einen Job, in dem ich relativ krisensicher so vor mich hinwursten kann. Oder eben Verlagswesen, da hatte ich den Fuss eh schon so halb drin, das wäre auch was gewesen.

    D‘accord, in meinem Fall hat mich die Promotion auch hierhergebracht. Ich meinte damit eher, sie hat mir keine Zufriedenheit gebracht. Als ich die Urkunde in der Hand hatte war ich froh, dass es vorbei ist. Speziell gefreut hat mich das nicht, stolz auf meine Leistung war ich auch nicht. Die Promotion war einfach „da“ und dieses etwas distanzierte Verhältnis zu meinen zwei Buchstaben ist bis heute so geblieben. Klar habe ich auch etwas gelernt von dem ich heute profitiere, aber vieles ist schon ziemlich speziell und hat kaum Anknüpfungspunkte im Unterrichtsalltag,

    Was den Staatsdienst angeht bin ich deiner Meinung, ich bin ebenfalls kein Industrie-Typ. Aber so viele Alternativen im Staatsdiest, auf die ich jetzt sofort zurückgreifen könnte, fallen mir da spontan für mich nicht ein, aber das liegt vielleicht an meinem Fach. Für die Dinge, die eine Alternative wären, müsste ich noch etwas anderes oder zusätzliches studieren bzw. mich weiterbilden. Das Beispiel mit dem Museumspädagogen ist mir nicht ganz zufällig eingefallen ^^

    Edit: Mathematik würde ich gerne „richtig“ studieren, Physik auf keinen Fall mehr, eine andere Naturwissenschaft sicher auch nicht. Etwas technisches bestimmt nicht - ich habe zwei linke Hände und Technik interessiert mich absolut nicht. Wenn ich nur daran denke, wie begeistert mein Physikfachdidaktiker vom Löten war... brrr, nein danke. Am ehesten Kunst oder eine Geisteswissenschaft.

    Bei mir ist es so, dass ich mit dem Wissen von heute gleich Lehramt studieren würde. Promotion würde ich bleiben lassen, ich habe sehr ähnliche Erfahrungen gemacht wie @Wollsocken80, auch ich war 5 Jahre Doktorand. Mir hat das persönlich nichts gebracht ausser der Erkenntnis, dass Forschung nicht mein Ding ist. Dann war ich noch in der IT, aber das war auch nicht meins. Bürojobs allgemein nicht, mein Start in das Berufsleben war eine kaufmännische Ausbildung nach der Realschule und die Vorstellung, sowas sterbenslangweiliges 45 Jahre lang machen zu müssen, hat mich schliesslich zu Abitur und Studium gebracht. Damit möchte ich gesagt haben, dass das Gras des Nachbarn nicht unbedingt grüner ist. Allen, die gerne neidische Blicke in Richtung Wirtschaft und Industrie werfen, möchte ich damit sagen, dass man dort halt auch die entsprechenden Rahmenbedingungen hat, mit denen man auch klar kommen muss. Für mich jedenfalls ist ein 9-to-5 Job in einem Büro nichts und ich würde das auch nicht machen, wenn ich mir mein Gehalt selber bestimmen dürfte.

    Mein jetziger Job an der Schule ist mein Traumjob, ungelogen gab es bisher noch keinen Tag, an dem ich nicht nicht auf die Schule gefreut habe. Aber ich gebe zu, dass die Rahmenbedingungen für mich optimal sind: ausschliesslich Sek 2 mit volljährigen Lernenden, keine Eltern, keine Ausflüge oder sonstigen Reisen, kaum Konferenzen, wenig Bürokratie, sehr gute Infrastruktur und ein super Team.

    Das Problem mit jeder Art Studium oder Ausbildung ist doch, dass in der Regel eine hohe Flexibilität auch schlechter bezahlte Jobs bedeutet. Menschen mit hochwertigen und spezialisierten Ausbildungen/Studium werden besser entlohnt, haben dafür aber eine kleinere Auswahl an entsprechenden Stellen. Ein ausgebildeter Einzelhandelskaufmann kann ja nicht einfach Museumspädagoge werden. Dafür braucht der Arbeitsmarkt aber mehr Einzelhändler als Museumspädagogen.

    Für mich drängt sich bei der Gleichsetzung Lehrer = Pädagoge die ausserhalb der Physik gerne genommene Gleichsetzung Gewicht = Masse auf ;) Fachlich gesehen nicht korrekt, aber jeder benutzt es so. Vor allem die Medien, hier wird gerne von Pädagogen gesprochen, wenn eigentlich Lehrer gemeint sind. Ob aus Unwissenheit oder weil es den Journalisten egal ist, kann ich nicht sagen. Meine Theorie: Pädagoge klingt nett und ist als Begriff für Nichtexperten so vage, dass sich jeder darunter vorstellen kann, was er möchte.

    Hm, ich würde in einem Chemiestudium hauptsächlich an der Chemie scheitern :D Aber dass ein Mathe-LK unbedingt Voraussetzung für ein Chemiestudium sein soll, bezweifle ich. Ich würde so weit gehen und behaupten, ein Mathe-LK ist noch nicht mal Voraussetzung für ein Mathematikstudium. Voraussetzung für Mathe auf egal welchem Niveau ist, meine ich, hauptsächlich Verständnis und gegebenenfalls die Fähigkeit, neue Sachverhalte schnell lernen und anwenden zu können.

    Was den Unterrichtsalltag angeht, da kann ich zur Chemie nichts sagen... aber ich selbst bin nicht gerade ein besonders starker Kopfrechner und mir bricht im Matheunterricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich einen Taschenrechner nehme um live etwas auszurechnen.

    Hm, ich würde auch empfehlen, dass du ein Praktikum machst. Ob der Job das Richtige für dich ist, kannst nur du selber entscheiden - vielleicht am besten, nach dem du eigene Erfahrungen gemacht hast. Was ich sehe (wie andere auch) ist, dass deine Motivationen problematisch sein könnten. Aber Motivationen können sich ändern. Ebenfalls sehe ich, dass du vielleicht zu hohe Ansprüche an dich selbst hast... „Jugendliche verändern“ zu wollen, ist kein guter Ausgangspunkt für den Beruf. Allenfalls kannst du Impulse geben, aber Änderungen müssen aus Menschen selbst kommen, auch bei Jugendlichen. Und eine ernste Persönlichkeit zu haben ist per se kein Problem. Du musst keine Kopie von Harald Lesch sein (nur sehr wenige Lehrer sind das), um ein guter Lehrer zu werden.

    Picardine, warum muss es denn unbedingt die Grundschule sein? Meiner Ansicht nach ist in dieser Schulart die Schnittmenge aus den Anforderungen und deinem Studium am kleinsten... in anderen Schularten, wie schon erwähnt, könnte das aber ganz anders sein. Aber ohne Experte für Sachsen oder Thüringen zu sein, ist die Hauptschwierigkeit der Master, den du brauchst - z. B. in berufsbildenden Schulen öffnet sich mit dem richtigen Master zur richtigen Zeit oft so manche Tür, auch ohne Lehramtsstudium. Hast du wirklich keine Möglichkeit, berufsbegleitend zu studieren? Klar, das hat einen entsprechenden Zeithorizont, besonders wenn du Familie hast, aber wenn du den Job wirklich willst...

    Finnek96 Die Auskünfte von @Wollsocken80 und FrauZipp sind sinngemäss auch für deinen Fall gültig. Für konkrete Info bezüglich Anerkennung würde ich vielleicht direkt an einer PH nachfragen, dort sind die Leute aus der Praxis der Lehrerausbildung mit denen man reden und Szenarien durchdenken kann - mit der EDK habe ich selbst keine Erfahrung, aber ich kann mir vorstellen, das Fälle dort behördenüblich „nach Aktenlage“ behandelt werden.

    Ups, sorry, wollte euch nicht so lange auf die Folter spannen, aber in den letzten Tagen hatte ich so viel um die Ohren, dass ich das Rätsel völlig aus den Augen verloren habe... mea culpa!

    Also, noch ein Tipp: Es ist ein Film, das Zitat ist der Anfang einer längeren Ansprache... ach ja, die Person, die das sagt, trägt eine Maske!


    Edit: .. und ich habe in der Hektik überlesen, dass die richtige Antwort dabei war. roteAmeise hat recht!

    Edit 2: Ich sollte mir wirklich mehr Zeit zum schreiben der Beiträge nehmen ... icke du hast selbstverstänlich recht, die Lösung war von dir :rose:

    Akutelles aus der Schweiz (PK mit dem Bundesrat und Daniel Koch, Leiter BAG läuft gerade noch):

    Die Intensiv-Betten sind bereits zu 80 % belegt (gibt nämlich noch andere Kranke ausser Corona-Infizierte, wer hätte das gedacht ...), die Lage im Tessin ist dramatisch. Man kann die Leute nicht in andere Kantone verfrachten weil sie nicht mehr transportfähig sind. Jetzt wird Material z. B. aus Zürich auf schnellstem Weg ins Tessin runtergekarrt. Daniel Koch hält eine generelle Ausgangssperre nicht für sinnvoll, die habe in Italien bislang auch nicht sehr viel Wirkung gezeigt (stimmt übrigens, man werfe nur einen Blick auf die Zahlen). 3888 bestätigte Infektionen, 36 Todesfälle (davon die meisten im Tessin).

    Habe mal etwas mit den Infektionsdaten (Anzahl Infektionen gemäss BAG) rumgespielt, die lassen sich schon ziemlich gut an eine Logistische Kurve anfitten - die Sättigung hat allerdings mit den 3888 von heute einen Sprung auf etwa 6100 gemacht (gestern war sie noch bei etwa 4400). Der Wendepunkt war nach diesen Daten vorgestern und die Sättigung wäre in etwa 10 Tagen erreicht... Mal sehen...

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