Beiträge von Philio

    Programmieren lernen in der Schule würde ich als Beitrag zur Allgemeinbildung sehen, nicht als Jobskill. Aber diese Allgemeinbildung halte ich für wichtig, denn das Verständnis der Technologien, die unser heutiges Leben bestimmen, ist in der Bevölkerung leider gering ausgeprägt ...

    Als jemand, der an einer Berufsschule unterrichtet, habe ich die Erfahrung gemacht, dass Schülerkalkül tatsächlich eine grosse Rolle spielt. Vor allem, wenn es noch andere schwierige Fächer gibt.

    Aber frag deine Schüler doch mal - wenn die Beziehung zur Klasse stimmt, dann bekommt man auf solche Fragen auch ehrliche Antworten.

    Mein Dozent in der Allgemeinen Didaktik damals stand total auf die „multiplen Intelligenzen“ - ähnlicher Schrott, der auf dem Papier gut klingt, aber mit der empirisch überprüfbaren Realität nichts zu tun hat.

    Eine kleine Meditation zum Thema Lehrerpersönlichkeit, vielleicht hilfreich für dich.
    Im Privatleben bin ich sehr introvertiert, in der Schule noch ein bisschen - aber vor meinen Klassen auch mal den Clown zu spielen kostet mich keine Überwindung. Interessanterweise fühle ich mich in und vor der Klasse sehr wohl und Kommunikation mit meinen Lernenden macht mir grosse Freude. Liegt vielleicht an der Rolle...der Vergleich zum Theater wurde ja schon oft bemüht, es gibt von Mathematikdidaktiker Martin Kramer auch ein schönes Buch dazu.
    Zwei Persönlichkeitsmerkmale machen aber meines Erachtens den Lehrerjob schwierig bzw. sind ein First-Class-Ticket zum Burnout: Angst vor Menschen und Perfektionismus. Wer mit dem Gedanken daran, vor einer Klasse stehen zu müssen, kaum schlafen kann und/oder sich von seinen Schülern ständig beobachtet fühlt und hinterfragt, was sie von einem denken, hält den Job nicht lange durch. Wer seine ganze Freizeit opfert, um auch das sprichwörtliche letzte Komma in seinen Arbeitsblättern richtig zu bekommen, auch nicht.

    Beim Begriff „Fachbuch“ würde ich gerne noch eine Unterscheidung machen in fachwissenschaftliche Bücher (Uni-Lehrbücher und Monographien) und pädagogisch-didaktisch-methodische Bücher.

    Fachwissenschaftliche Bücher lese ich, um ein Thema aufzufrischen oder mir neu zu erarbeiten. Gerade ist bei mir Lineare Optimierung dran. Klar sind solche Bücher eher wenig praktisch, aber unerlässlich für das Hintergrundwissen.

    Von der zweiten Kategorie lese ich eher weniger zu allgemeiner Didaktik und Pädagogik/Psychologie, Fachdidaktik dafür mehr. Aktuell: Neveling, Handwerkliches für den Mathematikunterricht (nichts weltbewegend Neues, aber nett zu lesen und sehr kurz ;) ).

    Hast Du denn eine abgeschlossene didaktisch-pädagogische Ausbildung? Für Deine Promotion interessiert sich im Schuldienst niemand, die ist nicht berufsqualifizierend.

    <Zynismus>
    Meiner persönlichen Erfahrung nach qualifiziert einen die Promotion ausserhalb des Uni-Elfenbeinturms immerhin ganz passabel als Fachidiot ... hm, wenn ich es mir genauer überlege, auch innerhalb.
    </Zynismus>

    Schliesse mich an, geh dringend zur Studienberatung! Falls du nach einer älteren Studienordnung/Prüfungsordnung studierst, sag das sicherheitshalber dazu.

    Nur aus Interesse: Du möchtest dann direkt nach der Zwischenprüfung die Examensprüfung machen?

    Drücke die Daumen!

    „Festlich“ und „kostengünstig“ ist meistens schwierig zu kombinieren. Eine klassische Einladungskarte auf Papier kostet was sie kostet, egal ob gekauft oder gedruckt/kopiert (nicht zu vergessen das Porto).

    Wenn ihr „Old School“ und „New School“ verbindet? Ihr gestaltet eine schöne Karte und verteilt sie über Social Media und/oder Email?

    Eine technische Lösung für die Gestaltung wäre z.B. Canva

    https://www.canva.com/de_de/erstellen/karten/

    Viel Erfolg!

    Zum konkreten Thema mit der Klausur habe ich nichts beizutragen, aber beim Reizwort „Beweislastumkehr“ stellen sich mir die Nackenhaare auf. Selbst wenn das rechtlich möglich wäre, würde ich ein solches Vorgehen niemals anwenden. Schon die Idee verstösst fundamental gegen mein Rechts- und Gerechtigkeitsverständnis. Ich sehe das so: Ich bin als Lehrer der Profi und Leistungsbewertung ist ein Teil meines Jobs. Wenn ich also als Fachmann nicht beweisen kann, dass eine Leistung nicht eigenständig erbracht wurde, dann gilt für mich in dubio pro reo. Alles andere empfinde ich als Willkür.

    MIt dem Satz hast du mich gerade unglaublich berührt, dankeschön. Intrinsische Motivation ist etwas wirklich Besonderes. Schön, dass deine Schüler dich haben.

    Danke! :rose:

    Dein Betrag hat in mir gerade noch eine Assoziation ausgelöst - "berührt sein". Ja, das muss ich zugeben: bei aller Professionalität "berühren mich" meine Lernenden und ich denke, sie merken auch, dass sie mir nicht gleichgültig sind. Das lese ich zumindest aus den Feedbacks heraus, obwohl sich nur wenige so persönlich äussern - muss ja auch nicht nicht sein. Dass man für das "berührt sein", besonders wenn es um persönliche Schicksale geht, auch einen Preis bezahlt, das ist die Kehrseite, die ich aber nicht unerwähnt lassen möchte – dass ich im stillen Kämmerlein schon mehr als einmal die eine oder andere Träne verdrückt habe, das gehört auch zur Wahrheit.

    Gerade viele Seiteneinsteiger haben doch in der Regel nur ein Fach studiert. Des weiteren wollte ich Fragen ob hier villeicht jemand weiß ob man als Physiker auch dauerhaft als Mathelehrer arbeiten kann, da Physik ja im Prinziep ausschkließlich angewandte Mathematik ist.

    Lass das mal die Experimentalphysiker nicht hören ;)

    Aber ja, kann man. Ich bin auch Physiker und mir wurde Mathe als zweites Fach anerkannt (wobei die Lehrerausbildung in der Schweiz auf Sek II Ebene anders funktioniert als in Deutschland: Zuerst Fachstudium, dann Pädagogikstudium mit Unterrichtspraxis, gibt zusammen das Lehrdiplom (kurzgefasst)). Aktuell unterrichte ich ein volles Pensum mit Mathe und null Physik. Ehrlich gesagt bin ich darüber gar nicht mal traurig, denn Mathe zu unterrichten gefällt mir um Welten besser. Aber froh, dass ich beide Optionen habe, bin ich trotzdem (Anmerkung: In der Schweiz braucht man für Lehramt Sek II nur ein Fach zwingend, 2 oder mehr geht aber auch)!

    Das war übrigens für mich genau der Grund, warum ich nicht an der Berufsschule hätte unterrichten wollen. Ich hab's mir ein Jahr lang angeschaut, inkl. BM-Klassen und gefunden ... nee, dann lieber spätpubertäre Knallköpfe am Gymnasium. :)

    Bei mir ist es tatsächlich gerade umgekehrt. :) Ich kann mit "pubertären Hormonmonstern" nichts anfangen und fühle mich in der Erwachsenenbildung genau am richtigen Platz. Menschen, die eine eigene Biographie mitbringen und mit denen man auch mal was abseits von Schule und Noten diskutieren kann, die über eine ironische oder gar sarkastische Bemerkung lachen und vielleicht noch einen drauflegen können, die wissen was sie wollen und warum. Ich sehe meinen Job darin, Menschen darin zu unterstützen, ihren Weg zu finden. Dass ich das mache, indem ich ihnen Mathe (oder ggfs. Physik) beibringe, liegt eben einfach daran, dass ich zufällig nicht allzu schlecht darin bin. Könnte ich etwas anderes, wäre ich halt Lehrer dafür. Das sehe ich pragmatisch. Ein gewisses fachliches Mindestniveau brauche ich schon, aber grundsätzlich bringt es mir persönlich mehr, jemanden über das Vehikel Mathe im Leben weitergebracht zu haben.

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