Beiträge von Philio

    +1 für das berufliche Schulwesen. Schau dir doch einmal eine berufliche Schule an und hospitiere da. Falls du eine berufliche Schule nur vom Hörensagen kennst, wirst du vielleicht positiv überrascht sein. Ich arbeite an einer beruflichen Schule und sehe gegenüber dem Gymnasium nur Vorteile.

    Als jemand, der in Deutschland (genauer: BW) schon versucht hat, in den Seiteneinstieg rein zu kommen, schliesse ich mich den anderen Meinungen an: dass du in ein Gymnasium reinkommst, ist unwahrscheinlich. Die Anforderung dafür ist normalerweise ein Master in einem "Gymnasialfach", dann kann man sehen, ob man noch ein zweites Fach ableiten kann. Höchstens wenn es irgendwo einen extremen Mangel gibt, ist so manches möglich. Die Beratungsstelle wollte das sicher andeuten, aber nicht zu laut herausposaunen. Fakt ist: wenn sie jemanden brauchen, dann wird schon mal einiges zurechtgebogen, was eigentlich nicht geht. Das hängen die Behörden aus verständlichen Gründen aber nicht an die grosse Glocke.

    dazu gehört rollen genau wie der handstand imo unbedingt dazu,

    Der Handstand? Wirklich? Vor dem hatte ich zugegeben den meisten Respekt – so viel, dass ich ihn nie gelernt hatte (Rückwärtsrolle allerdings schon). Die "Pflicht-Hilfestellung" durch die Klassenkollegen war auch nicht gerade vertrauensbildend. Gut, besonders sportlich war ich auch nicht. Aber auch vor fast 30 Jahren konnten den nach meiner Erinnerung nur die Supersportskanonen, vielleicht 2-3 aus meiner Klasse.

    Die Frage sollte eigentlich eher sein, ob Lehrer Beamte sein müssen oder nicht - ob sie also hoheitliche Aufgaben übernehmen und ob die dauerhafte Verfügbarkeit ohne Streikmöglichkeit wichtig für den Staat ist. Darüber kann man vermutlich diskutieren.

    Dazu kann ich eine Aussenperspektive beisteuern. In der Schweiz wurde das Beamtentum schon lange abgeschafft, Lehrer sind ganz normal angestellt. Normal angestellt heisst, dass für Lehrer mit unbefristetem Arbeitsvertrag eine Kündigungsfrist von 3 Monaten zum Schuljahresende besteht (jedenfalls in meinem Kanton). Diese Kündigungsfrist gilt für beide Seiten. Befristete Stellen sind nicht selten, viele Berufseinsteiger müssen mehrere Jahre warten, bis sie eine unbefristete Stelle bekommen. Manche (freiwillig oder unfreiwillig) haben ihr ganzen Berufsleben lang nur befristete Verträge. Befristet bedeutet, dass der Vertrag nur für das aktuelle Schuljahr (teilweise auch nur für das aktuelle Semester) gilt und von der Schulleitung jedes mal verlängert werden muss. Willkürliche Entlassungen kommen trotzdem nicht vor (jedenfalls habe ich noch nie davon gehört) und so lange es genug Stunden gibt, werden auch die befristeten Verträge anstandslos verlängert. Ein Vorteil des Systems: Die Schulleitung kann Personalentscheidungen selbst treffen und hat allgemein eine sehr hohe Autonomie – der Amtsschimmel wiehert nach meiner Beobachtung hier extrem selten. Aber man hat hier auch das Gefühl, dass man gemeinsam an einem Strang zieht und gemeinsam Ziele erreichen will, Paragraphenreiter und Menschen, die eine vermeintlich "ruhige Kugel schieben" wollen, sehe ich kaum bis gar nicht.

    Dafür musst Du alle Deine Zeugnisse an die Prüfstelle der entsprechenden PH schicken und irgendjemand würfelt dann aus, ob Dein Fachstudium OK ist oder ob Du noch mal an die Uni musst.

    Aber immerhin (so war es bei mir) hat diese Person das Fach auch studiert. Ich bin eigentlich theoretischer Physiker und mir wurde Mathe anerkannt – allerdings habe ich auch viel Mathe gemacht, das konnte ich anscheinend glaubhaft belegen.

    In Baden-Württemberg hatte ich mich auch mal für den Direkteinstieg beworben, dort wurden meine Unterlagen von unstudierten Sachbearbeitern "nach Aktenlage" beurteilt. Wie ich gehört habe, ist das bei der Zulassung von Lehramtsstudenten zur ersten Staatsprüfung in BW auch so (oder war zumindest mal so) – wehe, die Veranstaltung auf dem Leistungsnachweis heisst nicht auf das Komma genau so wie es in der Verwaltungsvorschrift steht …

    @Philio Das ist tatsächlich interessant, dass das an der PHTG geht. Du glaubst nicht, was ich hier schon für ein Geschiss erlebt habe und die Zürcher sind auch nicht viel besser. Ich frag mich bis heute, wie ich zu meiner Lehrberechtigung für Physik kam...

    Doch, das glaub ich sofort. Vielleicht liegt's an der Kooperation der PHTG und der Uni Konstanz bzw. dem Land Baden-Württemberg. BW und der Thurgau haben ja Staatsverträge dazu geschlossen (gegenseitige Anerkennung, Studiengang "Euregio") und vielleicht wollte man deshalb den Absolventen aus BW insbesondere aus Konstanz nicht allzu viele Steine weg legen, wenn sie an die PHTG kommen.

    Hallo

    Ich habe Mathematik und Geschichte auf Lehramt für Gymnasien studiert und konnte aufgrund von Krankheit nicht direkt danach ins Referendariat. Aus privaten Gründen ziehe ich in die Schweiz und möchte so schnell es geht an einem Gymnasium unterrichten. Wäre das mit einem Seiteneinstieg möglich? Mein erstes Examen ist ja nicht gleichwertig wie das Schweizer Lehrdiplom. Oder wie werte ich mein Examen auf, um ohne Referendariat in der Schweiz arbeiten zu können?

    Danke im Voraus :aufgepasst: :gruss:

    Konkret: Du hast das Lehramt für Gymnasien mit dem Ersten Staatsexamen abgeschlossen. Ich habe gerade nachgesehen auf den Seiten der PHTG, demnach gilt dein Abschluss als masteräquivalent:

    https://www.phtg.ch/studium/sekund…gen-zum-zugang/

    Das ist die Voraussetzung, um an der PH das Lehrdiplom für die Sekundarstufe II zu erhalten (allerdings könnten tatsächlich Auflagen gemacht werden). Wie @Wollsocken80 richtig sagte, ist das wiederum die Voraussetzung für eine unbefristete Anstellung. Um das Lehrdiplom für Sek II zu bekommen, ist der Standardweg ein fachliches Masterstudium gefolgt von einem pädagogischen Studium an einer PH mit Studienrichtung Sek II. Das Studium an einer PH dauert ein Jahr Vollzeit, in Teilzeit entsprechend länger. Viele (ich auch) haben sich an einer Schule eine Teilzeitstelle (Teilpensen sind in der Schweiz sehr häufig) gesucht, Erfahrungen gesammelt und parallel dazu das PH Studium gemacht.

    "So schnell es geht an einem Gymnasium zu unterrichten" könnte schwierig werden, denn es gibt im Verhältnis sehr viel weniger Gymnasien in der Schweiz als in Deutschland. Das liegt zum einen daran, dass prozentual deutlich weniger Lernende eines Jahrgangs ein Gymnasium besuchen. Zum anderen sind die meisten Gymnasien Obergymnasien, die 4 Jahre dauern und an die Sek 1 anschliessen. Soll heissen, bis zur 9. Jahrgangsstufe wird alles von Primar- und Sek-1-Lehrern abgedeckt und man braucht deshalb schlicht nicht so viele Lehrer an Gymnasien. Über Mathe könntest du etwas finden, besonders stark gesucht ist Mathe allerdings momentan nicht. Geschichte ist überlaufen wie in Deutschland. Aber wer weiss, wenn für den Einstig Vertretungsstuden oder Restpensen für dich gut sind, findet sich vielleicht schon etwas.

    Mathe auf Lehramt reicht leider nicht für die Sek II (zumindest nicht für eine Festanstellung)


    Davon höre ich zum ersten Mal. Oder ist das neu? In meinem PH Jahrgang waren einige aus Deutschland mit Abschluss Lehramt für Gymnasien – ich habe von keinem gehört, dem da irgendwelche Auflagen gemacht wurden. Alle die ich kenne, haben nach PH das Lehrdiplom Sek II für beide Fächer bekommen.

    von pädagogischer Seite kann ich mir das gut vorstellen, dass erwachsene Schüler leichter sind als Grundschüler. Nur kann ich mir auch vorstellen, dass vom Wissen her einfach mehr gefordert ist. Ansich wäre es anspruchsvoller und interessanter Unterricht für Erwachsene als für Kinder zu geben nur könnte ich mir vorstellen, dass hier der Seiteneinstieg besonders schwierig ist.

    Niemand kann alles wissen und jeder macht Fehler, aber im Grossen und Ganzen trennen dich mit einem Chemie-Master Welten von deinen Lernenden, auch wenn es Erwachsene sind. Wirklich Welten! Du darfst wirklich nicht zu sehr von dir ausgehen – vielleicht fandest du deinen Chemieunterricht trivial und warst unterfordert und stellst dir jetzt vor, deine Klassen bestehen aus zukünftigen Chemiestudenten. Aber so wird es nicht sein. Nur wenige deiner Lernenden werden dein Wissen voll ausschöpfen können, viele werden absolut grundlegende Probleme haben die dich fachlich nicht im mindesten fordern werden – fachdidaktisch aber schon.

    Noch ein Gedanke zum Offline Coding. Das Konzept klingt wirklich interessant und ich kann mir gut vorstellen, dass ältere Kinder da schon etwas mitnehmen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob nicht ein konkreter Zugang vielleicht günstiger wäre – ich denke da z. B. an Scratch oder Lego Mindstorms. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob der Schritt vom Offline Geschehen zu der Erkenntnis, dass ein Algorithmus in einem Computer genauso funktioniert, nicht zu gross bzw. zu abstrakt ist. Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine Verknüpfung von Offline Coding mit Scratch etc. lernwirksamer sein könnte als Offline Coding alleine.

    1: Besteht in der Tat ein Lehrermangel oder nicht? Im Internet liest man ständig Lehrermangel, jede Menge Quer/Seiteneinsteiger aber auch das genaue Gegenteil. Lehrer die keinen Platz finden oder vor den Sommerferien entlassen werden

    All das gibt es. Sehr grob gesagt: Lehrer fehlen tendenziell eher in ländlichen Gebieten, eher in naturwisssenschaftlichen, ingenierwissenschaftlich-technischen (berufliche Schulen) und künstlerischen Fächen, weniger an Gymnasien als in anderen Schulformen. Wie gesagt, sehr grob.


    An dieser Stelle frage ich auch einmal wo ein Seiten/Quereinstieg am einfachsten und am schwersten ist (gilt für Fragen A-C).

    Ich wüsste nur nicht welche Schulform bzw. Schülerform ich bevor ziehen würde. Berufsschullehrer wäre sicherlich am anspruchsvollsten. Grundschullehrer könnte etwas langweilig sein dafür wären die Kinder aber sicherlich niedlicher und artiger.

    Tatsächlich sehe ich es genau umgekehrt: am schwersten an einer Grundschule, am einfachsten an einer beruflichen Schule. Eine Grundschule ist pädagogisch höchst anspruchsvoll – ich als Sek II Lehrer würde mir Grundschule keinesfalls zutrauen und habe höchsten Respekt vor der Arbeit in der Primarstufe. An beruflichen Schulen ist der Seiteneinstieg deshalb einfach, weil es hier "schon immer" einen hohen Anteil an Seiteneinsteigern gibt. Hier ist in der Regel kein Kollege überrascht, wenn ein Seiteneinsteiger vor einem steht. Was die Lernenden angeht, hat man hier ein riesiges Spektrum: von Menschen, die durch alle Sicherungsnetze durchgefallen sind bis zum Abiturienten oder angehenden Techniker gibt es da alles.

    Würdet ihr mir den Beruf als Lehrer empfehlen.

    Ich würde empfehlen, ein Praktikum zu machen und zu prüfen, ob und wie sich deine Vorstellungen mit der Realität decken.

    Seid ihr persönlich zufrieden mit eurem Job und euren Schülern.

    Ja, ich bin mit meinem Job sehr zufrieden. Mit meinen Lernenden auch, allerdings kann ich mir die nicht aussuchen und habe vielleicht bisher einfach Glück gehabt.

    Ab und zu hört man auch mal von Fällen wie eine Mutter, die ihr Kind mit Down Syndrom aufs Gymnasium schicken wollte etc. Aber ich glaube/Hoffe, dass dies nur Einzelfälle sind oder wie sieht ihr das?

    Ich sehe das so: als Lehrer musst du mit den Lernenden professionell arbeiten, die deiner Klasse zugeteilt sind.

    Bin überhaupt kein Experte für Primarstufe, aber wenn ich daran denke, dass ich in der ersten Klasse damit beschäftigt war, Buchstaben- und Zahlenreihen sauber in mein Heft zu malen schreiben, was das damals mutmasslich schon viel meiner Konzentration gefordert hat… Bevor du an Lehrpläne herangehst, beantworte dir zuerst die Frage: Was sollen meine Schülerinnen und Schüler nach dieser Stunde können?

    In einem Tierheim reicht der Futtervorrat für die 15 Hunde 14 Tage lang.
    a) Vor Urlaubsbeginn wurden noch 6 Hunde in Pflege gegeben. Wie lang reicht nun der Futtervorrat?
    b) Weitere 9 Hunde wurden im Tierheim abgegeben, weil .... Wie lange reicht nun der Futtervorrat des Tierheims?

    OT. Teilaufgabe b) kann für Schüler etwas tricky sein - bezieht sich jetzt "Weitere" auf die 21 aus a) oder die 15 vom Anfang? Das ist für Schüler vielleicht nicht so klar. Ich beziehe mich in Teilaufgaben normalerweise nur auf den Haupttext und nicht auf frühere Teilaufgaben und falls ausnahmsweise nicht, dann schreibe ich einen direkten Verweis auf die entsprechende frühere Teilaufgabe in den Text.

    Denn, genau dieser Test - welcher von sandra.mangott - hier erwähnt wird, haben wir selbst im Kernseminar durchgeführt!!!

    Das spricht eher gegen das Seminar… wobei, Kernseminar ist Allgemeine Didaktik, oder? Da hatte ich auch einen, der grosser Fan der "multiplen Intelligenzen" war – kann man auch zu nichts sinnvollem gebrauchen …

    Ach... Für die Adobe Creative Suite haben wir neuerdings auch so eine Massenlizenz, aber da hab ich noch gar nicht geschaut, was das alles kann

    Ui… für die ganze Creative Suite? Neid … habe privat das Fotografenpaket mit Lightroom/Photoshop für ca. 12 €/Monat. Die ganze CS wäre mir privat zu teuer. Die Office 365 Lizenz mit 1 TB OneDrive haben wir bei uns auch, aber auch keine Ahnung, was die kostet.

    Weshalb das eigentlich bzw. was ist der Unterschied zwischen dem Apple und dem Surface Stift?

    Der Unterschied besteht in den unterstützten Geräten – der Apple Stift funktioniert nur auf dem iPad, denn Apple hat kein Notebook mit Touchscreen. Das war eine bewusste strategische Entscheidung von Apple damals. Es wird sich zeigen, ob sich das rächen wird. Abgesehen davon ist Apple für das Mitmischen im klassischen Office-Markt softwareseitig ganz schlecht aufgestellt, die Zielgruppe von Apple war und ist immer noch die Kreativbranche. Apple ist primär keine Softwarefirma (und schon gar keine Internetfirma). Das hat für Apple Vor- und Nachteile. Nachteil ist zum Beispiel, dass es damit für Apple sehr schwierig ist, neue Geschäftsfelder ausserhalb des eigenen Hardwareökosystems zur erschliessen Die Bildungsbranche wird somit wohl auch an Microsoft gehen, das muss man realistisch sehen.

    @ Wollsocken: Ja, Mathe- und Physiklehrer , ging schon an der Uni.

    Ich glaube, da hättet ihr bei mir Schwierigkeiten. :P Ausser meiner Brille entspreche ich den gängigen Klischees eher wenig. Fun Fact: Zumindest eine Anweisung, auf kurze Hosen zu verzichten, träfe mich wenig – ein kurze Hose ist ein Kleidungsstück, dass ich niemalsnicht anziehen würde (auch privat nicht).

    Die sind halt im typischen "deutschen Stil". So langweilig und abschreckend wie möglich. Die Autoren nennen es prägnant. Finde das sind kaum Lehrwerke. Eher Nachschlagewerke, wenn man den Stoff bereits verstanden hat.

    Wobei es der Gerd Fischer ja schon kann – seine Einführung in die Stochastik liest sich für ein deutsches Mathebuch sehr angenehm. Vielleicht liegt das aber auch an den anderen Mitautoren ;)

    Sie müssen berücksichtigen, dass ich mich in der Probezeit befinde. So einfach ist das nicht! Die Schulleitung wird bei stichhaltigen Argumenten der Eltern Nachforschungen anstellen.

    Doch, es ist so einfach. Die Eltern versuchen dich unter Druck zu setzen. Du bist der Profi und egal ob Probezeit oder nicht, du lässt dich nicht unter Druck setzen. Ausserdem: Bist du sicher, dass deine Schulleitung Nachforschungen anstellen wird und nichts besseres zu tun hat? Wenn doch, was soll sie bei den Nachforschungen finden?

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