Beiträge von Philio

    Ist der gelernte Pädagogikwissen aus dem Studium wichtig für die Schule, bzw. hat euch das Wissen im Alltag tatsächlich weitergebracht und euch in konkreten Situationen geholfen?

    Ist vielleicht netter, das Zeugs erzählt zu bekommen, als es in Büchern nachlesen zu müssen, aber sonst... An praktisch Verwertbarem haben mir die Fachdidaktiken am meisten gebracht, aber auch nicht so viel wie man denken könnte. Pädagogik/Erziehungswissenschaften ist in erster Linie akademisches Wissen: Pawlows Hund, Skinners Box und hastenichgesehen... ist auch durchaus nicht uninteressant, aber Lebenszeit opfern um das in Vorlesungen zu hören würde ich ehrlich gesagt nicht. Was du in deinen Seminaren wären deiner Ausbildung darüber hören und dir selbst anlesen wirst, reicht dicke. Ist aber meine persönliche Sicht der Dinge, nachdem ich das hinter mir habe. ;) Andere mögen das anders beurteilen.

    Was Didaktik angeht - nun, in deinen Lehrproben musst du das zeigen, was die wichtigen Leute sehen wollen und hoffen, dass sie sich darin einig sind. Wenn du z.B. von bekennenden Konstruktivisten beurteilt wirst, wäre eine Stunde hardcore Frontalunterricht für dich der Killer - so viel Theorie solltest du dann schon wissen - aber man bekommt relativ schnell raus, wie die Leute so ticken. Wenn du alleine unterrichtest, musst du das tun, womit du dich wohl fühlst - aber auch das wirst du schnell herausfinden.

    Glaub es mir oder glaub es mir nicht, ich kenne den Kandidaten wie gesagt persönlich - der junge Mann wohnt am Bodensee (deutsche Seite) und arbeitet nicht weit in der Schweiz drin, ist allerdings Stationsleitung mit etlichen Zusatzqualifikationen und diversen Schicht-, Nacht- und Feiertagszuschlägen. Wenn ich das mal 12 nehme, komme ich auf 90.000, keine Ahnung, wieviel das Brutto sein müsste (sag doch mal was zur Steuerlast in der Schweiz). Aber wenn ich dann noch einrechne, dass Du ja nur 80% arbeitest und dass Pflegeberufe nur in D so mies bezahlt sind, erscheint mir der Betrag gar so unrealistisch nicht.

    Aber Du hast möglicherweise recht; vielleicht hat der Typ mir was vom Pferd erzählt und kann sich in Wirklichkeit für 4000 CHF noch als blöder Ausländer anmachen lassen.

    Mit den ganzen Zuschlägen und entsprechender Qualifikation kann das schon sein... der mittlere Lohn für Krankenpfleger jedenfalls liegt ca. bei CHF 5000 Brutto meine ich. Wenn er aber auf der deutschen Seite wohnt, ist die Frage welches "Netto" er meint - das "schweizer Netto" ist relativ hoch, da wenig Sozialabgaben und nur 4,5% Quellensteuer für Grenzgänger. Das "deutsche Netto" liegt deutlich tiefer und errechnet sich erst nach der deutschen Einkommensteuererklärung, allerdings muss man alle 3 Monate an das deutsche Finanzamt (hohe!) Vorauszahlungen leisten.

    Grundsätzlich gebe ich Dir da recht. Streichen, wenn man streichen muss, weil keine Zeit dafür ist. Nun gab es bei uns die Zeit dafür offenbar und ich fand es später an der Uni ganz nett, dass ich das Zeug schon mal gesehen hatte. Gerade mit Matrizen-Rechnung sind wir im Grundstudium ziemlich geplagt worden und es gab damals schon Leute, die es in der Schule nicht gelernt hatten.

    Z. B. ich ;) . Auch Taylorreihen und komplexe Zahlen nicht. Fand ich dann aber im Studium auch nicht schwer - okay, sonst hätte ich mit meinem Studienfach auch kein gute Wahl getroffen. ;)

    Ich wollte keinesfalls behaupten, dass ich komplexe Zahlen bzw. deren Verschwinden aus den Lehrplänen mit Niveauverlust in Verbindung bringe.

    Hatte ich auch nicht angenommen. :)

    Es fällt mir nur auf, dass wir mehr Stoff geschafft haben und das kann eigentlich nur so sein, weil wir mehr Zeit dafür hatten. Ich glaube eben wirklich nicht, dass wir schlauer waren.

    D'accord! Vor allem mehr Zeit zur Übung (nicht nur in Mathe).

    Naja, Totschlagargument, weil es im Forum (aber auch an anderen Stellen) regelmäßig heißt, dass das Niveau im Mathematikunterricht der gymnasialen Oberstufe nachgelassen habe und da werden in diesem Zusammenhang oft die komplexen Zahlen genannt. Ich bin überrascht, dass in Bayern komplexe Zahlen und Matrizen nicht mehr behandelt werden, in Hessen ist das noch der Fall. Zur Taylor-Reihe fand ich leider nichts, auch nicht in den alten Lehrplänen. Bei einer Googlesuche fand ich noch etwas aus Hamburg aus dem Jahre 2001, aber evtl. können da ein paar alteingesessene Mathematiklehrer mehr dazu sagen.

    Bin nicht alteingesessen, aber ein ursächlicher Zusammenhang zwischen einem Niveauverlust in der Oberstufe und der Nichtbehandlung von komplexen Zahlen erschliesst sich mir nicht. Ehrlich gesagt, wären komplexe Zahlen für mich die ersten Streichkandidaten, wenn es um Stoffreduktion ginge (und komplexe Zahlen behandelt würden). Die nächsten Streichkandidaten wären bei mir übrigens Taylorreihen und Matrizen. ;) Für solcherlei Dinge ist an FH und Uni noch genug Zeit.

    Meine Vermutung: es wird zu wenig Zeit für den nachhaltigen Aufbau von (Grund-)Kompetenzen verwendet. Provokant: Bruchrechnen lernt man nicht, indem man bunte Plakate und Concept Maps malt oder Gruppenpuzzles dazu macht, sondern indem man sich auf seine vier Buchstaben setzt und (viele) Aufgaben rechnet.

    Fachrichtung: Maschinenbau (Fertigungs-, Metallbau- und Fahrzeugtechnik) bzw. Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik

    Hm, vielleicht kenne ich mich mit Ingenieurfachrichtungen zu wenig aus, aber Maschinenbau und Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik werden im Zulassungsraster für Direkteinstieg als verschiedene Fachrichtungen aufgeführt. Wenn du entsprechende formale Voraussetzungen wie ECTS erfüllst, würde ich meinen, dass das dann deine beiden Lehrbefähigungen werden. Oder verstehe ich da etwas falsch?

    Jo ... das ist mir auch schon aufgefallen. Als es hier zuletzt um den neuen Lehrplan für die Mittelstufe ging, konnten die Lehrpersonen der abnehmenden Schulen Feedback dazu geben. Alle meine Mathe-Kollegen haben genau das sehr scharf kritisiert: bringt denen doch bitte mal vernünftig Dreisatzrechnen bei und überlasst das mit der Stochastik uns am Gymnasium.

    Kann ich nur unterschreiben. Viele Probleme, die Lernende in meiner Stufe mit Mathematik haben, kommen aus mangelnder Beherrschung der Grundlagen. Das sind nach meiner Beobachtung meistens eher fehlende "technische" Fertigkeiten als konzeptionelle Probleme - für mich ein Indiz dafür, dass diese Techniken nicht lange und intensiv genug geübt worden sind. Das sind vor allem: Äquivalenzumformungen, Grundrechenarten mit Variablen/Termen, Binomische Formeln, Bruch- und Prozentrechnen, Potenzgesetze.

    Jupp ... hilft noch mehr, wenn die Hobbies entsprechend viel Geld kosten ;) Ich zahle für Sprachkurs und Sportverein je etwa 100 CHF pro Monat, da "schwänzt" man nur, wenn es wirklich nicht anders geht.

    Meine Stunde Instrumentalunterricht (tatsächlich 30 min. Realzeit) pro Woche lasse ich auch nur ausfallen, wenn es wirklich nicht mehr anders geht ...

    Liebe Mods, sorry für OT.

    Habe mir die Homepage der Software angesehen und bin bei den Werbeversprechungen hängen geblieben. Man verzeihe mir meine Unwissenheit und mangelnde Phantasie, aber dieses hier (von der FuxNotes Seite):

    "Die 10. Klassen haben am Montag und Dienstag ihre Geschichtsklausuren geschrieben, am Mittwoch die 8. ihre Kurzkontrollen in Deutsch. Das bedeutet für Sie, dass Sie Noten in mehrere Notenbücher einschreiben müssen. Eigentlich kein Problem. Wenn nicht in der selben Woche auch in Chemie, Physik und Englisch Leistungstests stattfinden würden. Vielleicht müssen auch noch Noten aus Sport, Kunst und Musik nachgetragen werden.
    Wenn viele Lehrer gleichzeitig auf Notenbücher zugreifen müssen, ist Geduld gefragt – bis Ihre Kollegen Ihnen das Notenbuch überlassen. Oder Sie könnten sich diese Arbeit mit nach Hause nehmen, um in Ihrer wohlverdienten Freizeit zu erledigen, wozu Sie im Schul-Alltag nicht kommen."

    Echt jetzt? Das gibt es wirklich? Ein Buch vor dem Leute Schlange stehen um ihre Noten einzutragen wie bei einem Kondolenzbuch eines Staatsobehaupts?

    Bin nicht jeden Tag zur Mittagessenszeit an der Schule, aber ich nutze gerne unsere Mensa. Ganz leise ist es natürlich nicht, aber nachdem wir eine Berufsschule sind, sind unsere Lernenden auch nicht mehr so klein - Geschrei und Gekreische kommt i.d.R. nicht vor. Insgesamt ein ähnlicher Geräuschpegel wie an einer Uni-Mensa, da hat mich das auch nicht gestört - aber was Lärm angeht, sind Menschen unterschiedlich empfindlich. Für Lehrpersonen sind Tische reserviert, hätte aber auch kein Problem damit, mich zu Lernenden an einen Tisch zu setzen - wenn es sehr voll ist, ergibt sich das sowieso zwangsläufig.

    Sicherlich Geschmackssache, aber bei der derartigen Formeleditoren brauche ich immer länger als beim Tippen des LaTeX-Quellcodes.

    Dieser hier hat den Vorteil, dass man tatsächlich LaTeX-Quellcode direkt eingeben kann ;) Einen weiteren Vorteil hat MathType auch noch: es kann eine markierte Stelle automatisiert zu WolframAlpha schicken - sehr praktisch, benutze ich regelmässig bei formalen Aufgaben als letzte "Sicherheitskontrolle", bevor die Prüfung an den Kopierer geht...

    Oder LaTex und du pogrammierst dir was.

    Ich hab mich während meiner Abschlussarbeit ziemlich in Latex verliebt. Werde es dann im Ref mal versuchen, damit ABs zu erstellen.
    Latex legt ja automatisch sehr viel Wert auf Struktur, ist mMn jetzt aber weniger geeignet, um bunte tolle ABs für die Unterstufe zu erstellen.

    Von LaTeX bin ich (leider? zum Glück?) im Schulalltag ganz weggekommen - meine Fachschaft verwendet Word mit MathType Plugin. Hat Vorteile, damit kann man AB und Prüfungen mit passenden Word-Vorlagen extrem schnell erstellen und das Produkt direkt "live" sehen, ohne Umweg über latex2pdf o.ä. Diagramme mache ich alle mit Geogebra und füge sie direkt über Zwischenablage in Word ein.

    Nochmals vielen Dank für eure Eindrücke. An diejenigen mit Mathematik als Unterrichtsfach: Vielleicht pendel ich doch etwas weiter und suche mir eine normale Universität für das Informatik- und Mathelehramt anstatt eine technische Universität mit Elitecharakter. Sind denn LinA 1/2 und Ana 1/2 mit viel Fleiß zu bestehen? Ich besitze nämlich nicht dieses gewisse Etwas, was man als mathematisches Talent bezeichnet, sondern ich bin stattdessen mit viel Fleiß und konsequenter Übung durch die FH gekommen. Ist dieses gewisse Abstraktionsniveau für Normalbegabte von jetzt auf gleich zu erlernen/einzuüben oder muss man über Jahre hinweg daran gearbeitet haben, um überhaupt auf dieser Frequenz denken zu können?

    Was den Inhalt angeht, wirf doch mal einen Blick in die Literatur. Klassiker sind (neben einer Unmenge von Alternativen) z. B.

    Forster, Analysis 1,2
    Fischer, Lineare Algebra

    SInd mit Sicherheit in jeder Uni-Bibliothek vorhanden... Nachdem es die o.g. Bücher schon seit Jahrzehnten gibt, haben auch viele Profs ihre Vorlesungen danach aufgebaut, besonders die etwas älteren Semester - nur so als Tipp ;)

    Stimme Seph in allen Punkten uneingeschränkt zu.

    Kenne (bzw. kannte) Leute mit "exotischeren" Kombinationen. Das krasseste war ein Mitstudent, der Lehramt Gymnasium Ph/Bio studieren wollte - nach dem 1. Semester verlor sich seine Spur... meiner bescheidenen Meinung nach ist diese Kombi nicht machbar (oder nur mit erheblichem Aufwand), da effektiv ein 4-Fächer-Studium (M, Ph, Bio, Ch), davon 3 mit Laborpraktika. Falls hier im Forum jemand mit dieser Kombination mitliest, lasse ich mich gern vom Gegenteil überzeugen. ;)

    Ansonsten kenne ich Leute noch mit Ph/Deutsch, Ph/Sport - die haben es alle geschafft. Hier braucht man Mathematik nur für die Physik, von daher würde ich einen geringeren Aufwand vermuten als Ph/Inf. Ausserdem sind diese Fächer etwas flexibler in der Studienplanung... oder waren es zumindest, ich habe noch zu "Diplom-Zeiten" studiert.

    Meine Kurse habe ich alle mit Leichtigkeit und sehr guten Noten bestanden, jetzt steht irgendwann noch das Examen an und mich quälen seit der Geburt meiner Tochter immer wieder die selben Fragen, nämlich ob ich das Studium überhaupt abschließen soll,

    Meiner Ansicht nach muss man hier zwei Dinge trennen: 1. Den Abschluss des Studiums; 2. wie es danach weitergehen soll. Zum 2. Punkt wurde schon einiges gesagt, ich möchte aber beim ersten bleiben. Von aussen gesehen gibt es keinen Grund, dein Studium nicht abzuschliessen - auch falls du keine Lehrerin werden solltest. Ganz nüchtern betrachtet bescheinigt dir der Studienabschluss eine akademische Qualifikation, in deinem Fall sowohl pädagogisch, als auch fachwissenschaftlich. Gerade weil dir das Studium offenbar so leicht gefallen ist und das Examen fast schon vor der Tür steht, würde ich mir an deiner Stelle das Papier auf jeden Fall abholen. Egal, in welche Richtung es später geht - mit einem Studienabschluss in der Tasche ist die Ausgangslage in jedem Fall besser als mit einem abgebrochenen Studium.

    Doch klar, kommt natürlich auf die Berufslehre an. Ich habe bei den Laboranten und CPT auch schon Fachrechnen (so heisst es dann) unterrichtet.

    Ah, dann ist das eine Definitionsfrage - klar gibt es berufsbezogenes Rechnen. Als ich vor Urzeiten selbst eine kaufmännische Lehre gemacht habe, hatte ich auch "Wirtschaftsrechnen" als Fach - da war der Fokus thematisch nur auf die Erfordernisse meines Lehrberufs zugeschnitten. Ich verstehe unter Mathematik die allgemeine/allgemeinbildende Mathematik, die auch als Schulfach so heisst.

    Philio: Wäre es eine Möglichkeit, den Schülern zu sagen, dass neben den aktuellen und gemeinsam geübten Unterrichtsthemen auch ein älteres, nicht weiter vertieftes Thema in der Klausur drankommen kann? Ich meine, dass das bei uns in der gymnasialen Unterstufe (ich weiß nicht mehr, ob 6. oder 7. Klasse) so gehandhabt wurde und das war dann auch kein Problem.

    Ja, wäre es - allerdings ist das aus rein praktischen Gründen schwierig... ich habe vom ersten "Grüezi" bis zur Abschlussprüfung nur knapp 8 Monate Netto Zeit.

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