Beiträge von Philio

    Der Youtube-Algorithmus hat zugeschlagen und mir ein Video empfohlen, in dem ein deutscher Gymnasiallehrer zu seinen Erfahrungen in der Schweiz interviewt wird. Ich dachte, ich teile das mal :)

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    An kleineren, gemütlicheren Grundschulen mit relativ kleinem Kollegium ist der Job sicher auch anstrengend, aber persönlicher und weniger eine Karriere-/Sprungbrettstelle.

    An großen Gymnasien (Größenordnung 100 Kollegen und 1500 Schüler) ist der Profillierungsdrang mancher Schulleiter ganz deutlich spürbar. Die Stellen werden oft politisch gesehen und als Sprungbrett verwendet.

    Tja, es soll ja auch Leute geben, die gerne in der höheren Schulbürokratie arbeiten wollen 🤷🏻‍♂️ … Reisende soll man ja bekanntlich nicht aufhalten ;)

    Da ich an meiner Schule keine Physik unterrichte, kommen meine Erfahrungen mit Experimenten nur aus meiner Ausbildungsphase. Da war aber der spektakulärste Versuch auch der ungefährlichste 8) Der Physikraum mit Fensterfront auf der Rückseite war so eingerichtet, dass man den ganzen Raum zu einer Camera Obscura machen und die „Aussenwelt“ in Überlebensgrösse auf die Vorderwand projizieren konnte. Die Lernenden sind fast ausgeflippt vor Begeisterung, die hatten noch nie etwas vergleichbares gesehen :)

    Es gibt genug Berufe, wo jeden Monat die Zahlen stimmen müssen.

    In so einem Beruf habe ich gearbeitet, als Softwareentwickler bei einem Softwaredienstleister. Für jedes Projekt gab es ein zugeteiltes Budget, innerhalb dessen eine Aufgabe oder das ganze Projekt erledigt sein musste - das mir zugeteilte Budget wurde in Arbeitsstunden umgerechnet und ich habe Buch geführt, wieviel Zeit ich für welche Aufgabe aufgewendet habe. Da das Budget mit den Kunden verhandelt war, mussten Budgetüberschreitungen, falls diese vorkamen, mit den Kunden neu verhandelt werden. Arbeiten mit permanentem Zeit- und Kostendruck ist definitiv kein Spass. Nur mal als Anregung für alle, die meinen, in der „freien Wirtschaft“ sei alles besser. Für ein mit dem Lehrerberuf vergleichbares Gehalt wird da schon einiges erwartet.

    In meinem Lehrerberuf hingegen arbeite ich seit Ende meiner Ausbildung 100 % und empfinde das als Spaziergang verglichen mit meinem Job in der Industrie. Familie habe ich keine, aber es bleibt genug Zeit übrig, in denen ich Sachen für mich machen kann, ohne dass damit der Kalender voll wird (abgesehen davon führe ich sowieso weder Kalender noch Listen 😂).

    Edit: Schreibfehler korrigiert

    Ich kenne und kannte das nicht. Aber ich habe vor dem Lehramtsstudium einen kaufmännischen Beruf gelernt und ausgeübt. 8 Stunden am Tag im Großraumbüro, 25 Tage Urlaub im Jahr bei halbem Lehrergehalt. Alles, was danach kam, war deutlich besser.

    Ja, dem kann ich zu 100 % zustimmen. Auch mein Start ins Berufsleben war eine kaufmännische Lehre, anschliessend 5 Jahre Arbeit in diesem Beruf. „Lehrjahre sind keine Herrenjahre“ ist keine so schlechte Erfahrung 😉 Ich jedenfalls wusste alles danach umso mehr zu schätzen, denn so weit unten in der Hackordnung war ich nie wieder - schon gar nicht in der Lehrerausbildung.

    Lass es mich mal so formulieren: Was sicher einem Realitätscheck unterzogen werden wird, sind (unrealistische) Erwartungen -besonders bezogen auf Lernende und Unterricht.

    Lass mich mal ein paar Beispiele bringen. Bitte nicht falsch verstehen, ich möchte nicht unterstellen, dass du diese Erwartungen hast - ich möchte damit nur verdeutlichen, dass die (Schul-)Realität meistens nicht Schwarz oder Weiss ist, sondern aus vielen Grautönen besteht.

    Erwartung: „Meine Lernenden sind alle kleine Forscher, die die Welt verstehen wollen - daher sind sie immer interessiert und intrinsisch motiviert“

    Realität: Einige werden deine Fächer lieben und interessiert sein, egal was du machst. Andere werden nicht interessiert sein, selbst wenn du im Unterricht einen Regenbogen mit Goldkessel am Ende herbeizauberst. Für die meisten ist dein Fach eines unter vielen, das sie einfach lernen müssen, weil es eben Teil des Curriculums ist - nicht mehr und nicht weniger.

    Erwartung: „Ich kann mit meinen Schülerinnen und Schülern fachlich anspruchsvolle Themen machen“

    Realität: Es wird Lernende geben, die mehr wissen wollen, als im Schulbuch steht. Es wird aber auch solche geben, die selbst am Ende ihrer Schulzeit mit grundlegenden Dingen Probleme haben werden, die für dich absolut trivial sind. Die meisten werden froh sein, wenn sie das aktuelle Thema gut genug verstanden haben, um eine ordentliche Note in der Prüfung zu schreiben und die freundlich aber bestimmt ablehnen, wenn du ihnen „mehr“ anbietest.

    Wie gehe ich damit um? Tja, ich versuche, soweit möglich, meine Lernenden individuell da abzuholen, wo sie sind und mit ihnen das zu machen, was geht :)

    Und ich freue mich über solche Feedbacks (zur Einordnung: ich unterrichte Volljährige, die nach der Berufslehre die Berufsmaturität (=Fachhochschulreife) machen): „Mathe ist nicht mein Lieblingsfach und es interessiert mich auch nicht wirklich, aber ich habe zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass ich Mathe lernen kann und ich keine Angst davor haben muss“ (hier paraphrasiert, aber exemplarisch für einige gleichartige reale Feedbacks von Lernenden).

    Witzig ist, wenn man direkt neben einer Fasnethochburg wohnt, diese aber durch eine Staatsgrenze vom eigenen Wohnort getrennt ist 😂 100 Meter von mir aus hinter der Grenze steppt der Bär, bei mir: nichts. Gottseidank 😅

    Ja, ich kann kodi nur zustimmen: Hut ab, dass du den Entwurf öffentlich geteilt hast - ich weiss nicht, ob ich mich das getraut hätte.

    Als jemand, der nicht das System der deutschen Lehrerausbildung durchlaufen hat und speziell nicht in BW, möchte ich mich zurückhalten, was die Anforderungen und Erwartungen an einen Unterrichtsentwurf angehen - im Zweifel würde ich mehr Schaden anrichten.

    Aber was das Fachliche angeht, da musst du wirklich sehr aufpassen. Um mal Teufels Advokat zu spielen: Schon indem du eine Funktion mit einer Funktionsgleichung f(x) = mx + b als „linear“ bezeichnest, könntest du bei der falschen Person bereits die Tore zur Hölle aufstossen.

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