Ich kann Kollegen nicht verstehen, bei denen der Lautstärkepegel während des Unterrichts dem eines Flughafens gleicht, weil "offener" Unterricht bevorzugt wird. Für mich ist dieser offene Unterricht nichts anderes als komplette Anarchie.
Ich möchte nochmals auf den offenen Unterricht eingehen. Offener Unterricht hat viele Gesichter. Gemeinsam ist ihm, dass den Schülern mehr Eigenverantwortlichkeit zugestanden wird.
Zum- Wiki fasst das ganz gut zusammen.
http://vielfalt-lernen.zum.de/wiki/Offener_Unterricht
Bei dem Kapitel "Formen des offenen Unterrichts" kann man ganz gut die Bezugspunkte sehen. Z.B. gehören Formen des kooperativen Lernens wie die Think- pair- share Methode auch zum offenen Unterricht, weil sie mehr eigenständige Schüleraktivität fordert.
Das muss keineswegs im Chaos enden, sondern kann sehr geordnet zugehen. Ich verwende in meinem Unterricht viele Methoden des kooperativen Lernens (ist bei uns auch immer wieder gefordert).
Der konstruktivistische Ansatz ist in der Lehrerausbildung und bei uns in Fortbildungen im Gespräch.
Ebenso kann man im offenen Unterricht den Wochenplan vorgeben mit vielleicht einer individuellen Aufgabe; da haben die Schüler nur die Wahl der Reihenfolge. Ebenso in Werkstätten. Bei Lerntheken wählt der Schüler Aufgaben auf seinem Niveau. Mit solchen Aufgaben trainiert man die Eigenverantwortung, zumal dazu auch die Selbstkontrolle gehört. Die Aufgabe des Lehrers in der Grundschule ist hier aus erzieherischen Gründen nachzukontrollieren, ob die Aufgaben sowohl inhaltlich als auch von der Eigenkontrolle her adäquat bearbeitet wurden.
Die Lautstärke muss von den Aufgaben her angepasst sein. Natürlich geht es lauter zu, wenn im Wochenplan Dinge dabei sind, wo man reden muss. Das liegt in der Natur der Sache. Wichtig ist, dass die Schüler arbeiten und nur so weit laut sind, wie sie müssen. Geflüsterte Partner- und Gruppenarbeiten finde ich persönlich unkreativ. Selbst in Erwachsenenfortbildungen ist man bei solchen Dingen normal laut.
Einige führen eher die Form des offenen Unterrichts durch, wo jeder auf seinem Niveau arbeitet, sodass jeder unterschiedlich weit ist. Da muss man seinen Unterricht wiederum ganz umstellen. Da sind aber auch Frontalphasen drin. Ich habe das jetzt noch nicht ausprobiert, ich arbeite lieber anders offen. Es gibt Aufgaben, die schon allein durch das, was man für unterschiedliche Ergebnisse herausbekommen kann, differenzieren und somit das eigene Denken des Schülers angeregt wird ohne dass der Lehrer vom Ergebnis her erklärt.
Wer offen arbeitet, hat immer wieder Frontalphasen drin, weil man Ergebnisse bespricht, interpretiert und sichert. Außerdem ist nicht gesagt, dass man die ganze Zeit offene Unterrichtsformen verwendet.