@lamaison
Das, was du beschreibst, kenne ich auch so, vor allem besteht ein ziemlicher Unterschied, ob man in den Klassen 1/2 oder 3/4 unterrichtet.
Außerdem stelle ich keine Unterschiede in Bezug auf Körperkontakt zwischen den Schülern von heute und vor 25 Jahren fest.
Ein Großteil der Erstklässler war schon immer anhänglich, einige wollten einem auf den Schoß sitzen oder dich an der Hand halten. Sie stritten sich darum, wie sie dir am nächsten sein konnten. Da ist man am Vormittag einfach der Mamaersatz.
Drittklässler, die man neu übernimmt, sind da schon wesentlich zurückhaltender, was den Körperkontakt betrifft. Der Wettbewerb, wer dem Lehrer nahekommt, hat deutlich nachgelassen, die Peergroup wird immer wichtiger. Da ist man im Vergleich eher die "Tante". Mich umarmen in meiner aktuellen Klasse manchmal spontan drei meiner Schüler, u.a. zwei etwas kindliche Jungs. Ich habe festgestellt, da ist es meist abhängig davon, wie "kindlich" die Schüler erscheinen. Zudem hat es auch mit Problematiken zu tun. Ich hatte vor Jahren einen schwierigen, hochbegabten Schüler aus einem stabilen Elternhaus, der einfach emotional anders war und der bis zum Ende der Grundschulzeit immer bei mir an der Hand gehen wollte.
Das Suchen nach körperlicher Nähe hat in meinen Augen grundsätzlich bei einem einigermaßen stabilen Elternhaus etwas mit der Entwicklungsstufe des Kindes zu tun. Ist es im 1. und 2. Schuljahr eher üblich, sind es ab dem 3. Schuljahr eher Ausnahmefälle.
Man hat nach meinem Ermessen drei Möglichkeiten, dem Suchen nach Nähe der Schüler zu begegnen:
1) Man nimmt es als gegeben hin und reagiert ganz natürlich darauf ohne das besonders zu fördern.
2) Man reagiert zurückhaltend oder deutlich zurückhaltend darauf.
3) Man fördert das, indem man sich hier sehr entgegenkommend zeigt (beobachte ich manchmal bei Praktikanten oder Referendaren, da mag es auch für diese ein super Gefühl sein, dass die Kinder sie mögen).
Ich denke, das muss man für sich entscheiden. Ich bevorzuge Variante eins. Bei Kindern, die sehr anhänglich sind, versuche ich mit der Zeit Variante 2. Das entscheidet dann das pädagogische und auch mein persönliches Bauchgefühl.
Wenn dann erst mal jede Stunde jemand anders vorne steht, ist diese Offenheit nicht mehr so da.