Es ist wirklich eine Huhn oder Ei Frage. Wo hat das Problem denn angefangen? Es wäre schon schön, wenn die Schulen wieder ihre eigentliche "Rolle" bekämen.
Um das zu sehen, kann man vielleicht die Bundesländer vergleichen.
Ich kann von uns sagen:
Wir haben bekanntlicherweise noch die traditionelle Dreiteilung (mit der Aufweichung, dass man ab der Sek.stufe über verschiedene Schultypen viele Wege zum Abitur hat.) Gesamtschule gibt es so gut wie nicht mehr. (Gab's mal häufiger als Schulversuche vor ca. 20 Jahren.)
Wir haben nach der GS einen Übertrittsschnitt. Der Schnitt aus den Fächern D, M, HSU: bis 2,33 Gymnasium, bis 2,66 Realschule, ab 3,0 Mittelschule. (Mittelschule deswegen, weil man ab Klasse 7 bei einem entsprechenden Schnitt den M- Zweig bis Klasse 10 mit mittlerem Schulabschluss machen kann.)
Wir haben sozusagen einen Pseudoelternwillen, weil man bei 2,33 und besser sich als einzigstes die gewünscht Schulart auswählen kann, wo tatsächlich nicht alle Gymnasium wählen. Bei 2,66 kann man zwischen Realschule und Mittelschule "wählen" - da kann man sicher sein, dass alle Realschule nehmen. Seitdem wir seit ca. gefühlten 8-10 Jahren diesen Schnitt haben - drängen alle mit diesem Schnitt auf die Realschule.
Auch ist bei uns trotz der Schnitte ein gewisser "Verfall" bemerkbar im Vergleich zu vor 10 Jahren. Die Mittelschule ist noch die Restschule, Realschule ist die neue Hauptschule.
Das hängt auch damit zusammen, dass in dieser Zeit man dem "Elternwillen" nachgegeben hat und sich die Schnitte gelockert haben.
Früher hatte man mit 2,0 eine Gymnasialempfehlung, mit 2,33 eine bedingte Gymnasialempfehlung und eine eindeutige Realschulempfehlung. Bei 2,66 musste man eine Aufnahmeprüfung machen, hatte aber für die Realschule bessere Voraussetzungen als jemand mit einem schlechteren Schnitt. 2,66 war insgesamt bitter.
Letztendlich haben sich auch bei uns in der Grundschule die Anforderungen in der 4. Klasse, die man braucht, um eine gute Gesamtnote zu erreichen, schleichend aufgeweicht. Zusätzlich habe ich noch festgestellt, dass durch jüngere, neue Lehrer die Anforderungen ebenfall sinken.
Was will ich damit sagen? Einerseits hat es sich auch in Bayern im Lauf der Jahre gelockert und die Mittelschule ist zu einer Restschule geworden. Etwas aufgewertet wurde sie durch den M-Zug.
Andererseits machen gewisse Aufnahmebedingungen - bei uns ist es der Übertrittsschnitt - es möglich, dass das Schülerklientel passender den Schularten zugeordnet wird.
Ich glaube, dass das vielen anderen Bundesländern fehlt - Elternwille allein genügt eben nicht, weil doch viele Eltern nur sehen, was eine Schulart bietet und nicht, ob ihre Kinder es dort überhaupt bewerkstelligen können.
Ich finde es jetzt auch nicht so toll, dass auf uns allen - Eltern, Schülern und Lehrern - so ein riesen Druck lastet, den fast keiner locker wegstecken kann. Vielleicht gäbe auch andere Wege, die nicht so stressig sind, wo man feststellen kann, wer für welche Schulart geeignet ist.
Oder man führt die Grundschulen dynamisch als Gesamtschulen weiter und differenziert innerschulisch und lässt alle anderen Schultypen wegfallen bzw. privatisiert sie. Einfach mal so in der Raum gedacht... Die optimale Lösung weiß ich auch nicht.