Auch die Gewichtungen bzw. Präferenzen bei den Impfstoffen (77% Biontech 8% Moderna) waren lange bekannt. Warum man dennoch in anderen Gewichtungen bestellt hat und das auch weiterhin tut - ein Rätsel.
Als die meisten Lieferverträge abgeschlossen wurden, war noch nicht mal klar, welcher Impfstoff überhaupt und wenn ja wann zugelassen wird. Die Präferenzen waren vielleicht im Sommer bekannt.
Man hätte alles wissen können. Also eigentlich hat man das alles gewusst, man wollte es nur nicht wahr haben.
Im Sommer wurde klar, dass die Impfbereitschaft nicht reicht. Es war klar, dass wir die Herdenimmunität nicht erreichen. Es war auch klar, dass wir nachimpfen müssen. Dazu hatten wir im Sommer die Kapazitäten, weil der Bedarf an Erstimpfung nachgelassen hat.
Es war klar, dass die Inzidenzen durch die Decke gehen. Und damit war auch klar, dass es einen hohen Bedarf an Boosterimpfungen geben wird. Es war auch klar, dass wir die Impfzentren weiterhin oder andere Angebote brauchen werden.
Jetzt stehen wir dumm da und können versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Dazu sollten wir die vorhandenen Impfstoffe verwenden. So einen Quatsch wie „freie Impfstoff-Wahl“ können wir uns nicht leisten.
Naja, aber es gibt ja durchaus Argumenten gegen eine Impflicht. Die Entscheidung wurde ja nicht aus Dummheit gefällt, sondern man hat sich aus politischen Gründen für etwas entschieden. Auch wenn ich für eine Impfpflicht wäre, kann ich es nachvollziehen, wenn sie abgelehnt wird.
Im Sommer bzw. im Frühsommer gab es schon lauthals Forderungen aus der Ärzteschaft, dass man die Impfzentren dringend schließen sollten und die Impfungen ausschließlich über die Ärzte laufen sollten. Im August und September war auch in vielen Impfzentren nicht viel los.
Im Sommer wusste man noch nicht genau, wann (und ob) man eine Boosterimpfung braucht. Wir erinnern uns, dass man mal vor einer Schutzwirkung von einem Jahr gesprochen hat. Wir hatten die ersten Impfungen erst im Januar. Woher sollten man im Sommer schon wissen, dass man nach 6 Monaten boostern sollte? Das war nicht mehr als eine (gute) Theorie. Noch vor wenigen Wochen haben Experten davon gesprochen, dass Boosterimpfungen nicht für alle notwendig sind. Wir erinnern uns mal an die Stiko-Empfehlungen. Will man Spahn vorwerfen, dass er der Empfehlung der Stiko gefolgt ist? (Ist er auch nicht. Er hat ja schon vorher Impfungen für alle auch ohne Stiko gefordert)
Außerdem war es im Sommer schon klar, dass wir genug Impfstoffe haben. Die Frage war also die freie Wahl zu lassen und Moderna notfalls in die Tonne zu hauen oder Biontech zu spenden mit der aktuellen Situation. Es ist ja nicht so, dass wir keinen Impfstoff haben. Wir haben mehr als genug. Wir haben nur nicht das Produkt, dass sich die meisten wünschen.
Das was man Spahn am meisten vorwerfen kann, ist aus meiner Sicht, dass er nicht frühzeitiger gesagt hat, dass Biontech nur so und so viel zur Verfügung steht und der Rest in Moderna genommen werden muss. Das einzige Argument der Ärzteschaft, dass ich verstehe, ist das man nun etwas umplanen muss, weil bei Moderna 10 Impfungen auf einmal gemacht werden müssen und bei Biontech nur 6. Aber selbst wenn ich statt den 10 Moderna nur 6 verimpfe, ist es doch immer noch besser als 10 Moderna in die Tonne zu hauen?