Samu, das ist ja selten, dass wir da einer Meinung sind. Aber jetzt verstehst du vielleicht, warum ich geschrieben habe, dass Menschen die so festgefahren für mich als Lehrer ungeeignet sind.
Wer blind glaubt, ist deutlich bedenklicher und auch noch freiwillig und unterwürfig fremdgesteuert. Da sind mir Menschen, die religiöse Organisationen ablehnen deutlich lieber. Ich finde es beängstigend, dass die Gottesfürchtigkeit in Bayern noch ausgewiesenes "Bildungs"ziel ist.
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Ich habe irgendwann nach dem Referendariat in einer 10. Klasse Religion gegeben. Thema Schöpfungsgeschichte. Wir haben noch nicht mal angefangen, da kamen schon die ersten Einwände: "Herr Tom, sie glauben doch nicht wirklich daran?" und "Lass doch Herrn Tom. Der wird dafür bezahlt, dass er uns das sagt."
Und diese Einstellung findet man auch bei vielen Erwachsenen wieder.
Die Schöpfungsgeschichte ist offensichtlich fiktiv. Dass kein vernünftiger Mensch daran glaubt, dass diese tatsächlich so stattgefunden hat, sollte auch nicht überraschen. Abgesehen von ein paar Fundamentalisten tuen das auch die wenigsten christlichen Gläubigen. Was aber sinnvoll ist, ist darüber zu sprechen, warum es solche Schöpfungsmythen gibt (die ja nicht nur aus den Religionen kommen; auch Japan oder die skandinavischen Staaten haben ähnliche Geschichten darüber, wie ihre Völker entstanden sind), welche psychologische Funktion sie haben, wie diese (vielleicht) gewirkt haben könnten, als sie erfunden wurden, wie sie heute wirken, warum es immer noch Menschen gibt, die an diese offensichtlich fiktiven Geschichten glauben, wie sich verschiedene Schöpfungsmythen unterscheiden usw. Dass das ein (katholischer) Religionsunterricht nicht leisten will, ist klar. Das sind aber die wichtigen Fragen.
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Aber dieses Vorurteile trifft man leider immer wieder.
Weil ein paar vorlaute Schüler provozierende Fragen gestellt haben, war dann dein ganzer Unterricht dahin? Ich glaube kaum. Schüler haben immer wieder zu allen möglichen Themen Meinungen, das ist ja nichts Neues.
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Kirche hat etwas mit Glauben zu tun.
Kirche, insbesondere die katholische, hat etwas mit Grundbesitz, Wertschöpfung (im wirtschaftlichen Sinne), Kunden werbung und noch ein paar anderen Sachen zu tun. Glauben ist da vielleicht auch irgendwo dabei, aber eine kirchliche Organisation ist sicher nicht notwendig, um Glauben zu leben oder an irgendetwas zu glauben.
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Wie könnt ihr euch so sicher sein, dass es das Göttliche nicht gibt. Milliarden von Menschen sehen es anders. Darunter auch einige sehr intelligente. Viele Wissenschaftler bezeichnen sich als gläubig. Über Frau Merkel kann man denken, was man möchte. Aber sie bezeichnet sich auch als gläubig und ist sicherlich ein sehr intelligenter Mensch. Aber ihr tut hier so als ob das Alles vollkommen klar ist. Gott ist eine fiktive Figur.
Natürlich ist Gott, so, wie er bspw. im Christentum dargestellt und mit Fähgikeiten und Tätigkeiten belegt wird eine fiktive Figur. So gut wie jeder Naturwissenschaftler, darunter auch Frau Merkel, kann dir erklären, dass die Erde nicht in sieben Tagen erschaffen wurde, Moses nicht das Meer geteilt hat und auch kein Gott irgendwelche Plagen geschickt hat. Und genau das ist der Punkt.
Denn darum:
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Aber ich würde es mir nie rausnehmen zu beurteilen, ob es einen Gott / das Göttliche nun gibt oder nicht.
geht es hier überhaupt nicht. Man kann das ganze System Amtskirche ablehnen, man kann die Bibel als Fiktion bezeichnen, man kann es merkwürdig finden, dass Menschen mit einer fiktiven Gestalt ein Zwiegespräch führen (als Krankheit würde ich das nicht definieren, da im Bereich der psychischen Erkrankungen der Leidensdruck eine relevante Rolle spielt, der bei Gläubigen in der Regel nicht gegeben sein dürfte), man kann den Einfluss der katholischen und evangelischen Amtskirche(n) auf die Politik und die Gesetzgebung im Land zutiefst ablehnen, man kann der katholischen Amtskirche Scheinheiligkeit attestieren usw. usf.
Aber nichts davon widerspricht dem Gedanken, dass es vielleicht doch irgendeine "höhere Macht" geben könnte. Das kann ich nämlich tatsächlich nicht ausschließen und auch die Naturwissenschaften stoßen irgendwann an Erklärungsgrenzen. Das wiederum hat aber rein gar nichts mit den Organisationen der Kirche zu tun.