du kannst dir vorstellen, schmidt, dass die meisten, die deine texte hier als frauenfeindlich lesen (ich glaube dir sofort, dass du das nicht intendierst, aber mit diesem rational choice-menschenbild verwischst du unterschiede, die unsere gesellschaft halt macht, nämlich die zwischen männer oben und frauen unten, und die gehen nicht weg, wenn man nicht aktiv dagegen vorgeht, was du aktiv verhinderst, wenn du ernsthaft glaubst, die bestehenden strukturellen unterschiede zwischen männer und frauen seien auf erziehung und später individuelle entscheidungen rückrechenbar - was du wohl tust, wenn du ernsthaft glaubst, dass frauen nur härter verhandeln müssten, um mehr zu verdienen), die rosahellblau-falle bei ihren eigenen kindern und im umfeld fett vermeiden.
Naja, Frauen, die ordentlich verhandeln und wissen, was ihre Arbeit wert ist, verdienen genauso viel wie oder mehr als ihre männlichen Kollegen. Niemand verbietet es einer Frau, statt Anglistik Informatik zu studieren oder im BWL Studium Finanzen zu vertiefen, statt Marketing. Die Welt verändert sich in der Tat nicht dadurch, dass man passiv ist. Eine Frauenquote und eine aktive Bevorzugung von Frauen, die so oder so schon auf den entsprechenden Karrierewegen sind, also offenbar schon erkannt haben, wie sie für Erfolg arbeiten müssen, bringt nur dahingegend nichts. Ob an der politischen Spitze nun CDU Frauen oder Männer bzw. Grüne Frauen oder Männer sitzen, macht für das Gros der Frauen keinen Unterschied. Oder hat sich dadurch, dass Frau Merkel seit 2005 Kanzler und AKK/von der Leien uns Co. Minister sind, etwas in Deutschland verbessert oder auch nur verändert? Das ist einfach ein grundsätzlich falscher Ansatz.
Zitat von keckks
das war mal einfacher (80er, 90er), ist durch globalisierte märkte
aber wieder schwieriger geworden, weil halt politisch motiverte
warenangebote (bunt für alle kinder) statt rosaprinzessin vs.
blauritterpiratabenteurerboss sich schlechter verkaufen, dasselbe gilt
auch für den spielzeugmarkt und dergleichen mehr. versuch mal, ein
buntes oberteil ohne 'typische' farbgebung zu bekommen für eine/n mini.
schwierig. und oft teuer. hier nähen viele selber aus dem grund.
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Also wenn man bei Ersting's Family (oder C&A) in der Jungen Abteilung schaut, können da mindestens 90% der Kleidung auch von Mädchen getragen werden. Raus fällt da bestenfalls Kleidung, auf der Boy/Guy/Junge oder ähnliches steht. Und warum können überhaupt Mädchen kein blau und Jungen kein rot tragen (rosa würde ich keinem Kind antun)?
Zitat von keckks
also nein, du gehst fehl, wenn du ernsthaft glaubst, dass aktuelle ungleichheiten nur ergebnis von nicht-gender-neutraler erziehung und weiblichen verhandlungsfehlern sind. aktuell ist es in unserer gesellschaft extrem wichtig, ob man männlich oder weiblich eingeordnet wird. bist du weiblich, haste schon verloren. das haben mir meine eltern sicher nicht so beigebracht (ganz sicher nicht), aber mit vierzig merkste das dann halt am eigenen leib. entweder "du kampfemanze" (freundlich: "an dir ist ja auch nicht soviel weibliches") oder weibchen mit freundlichem lächeln, möglichst schmal und niedlich und hilfsbedürftig. einfach "mensch" für den einzelnen ist leider in der derzeitigen sozialen semantiken eher wenig vorgesehen.
Welchen Nachteil hast du dadurch, dass du weiblich bist?
3% "Gender Pay Gap" (der Gehaltsunterschied, der nach dem Herausrechnen aller relevanten Faktoren noch bleibt) bedeuten statt 40.000 Euro Jahresbrutto, "nur" 38.800 Euro Jahresbrutto, netto macht das so gut wie keinen Unterschied. Und es verdient ja auch nicht jede Frau weniger als jeder Mann. Was irgendeine ominöse Gesellschaft von dir "verlangt" kann dir auch relativ egal sein. Dass dich irgendwelche Fremden als "Emanze" bezeichnen, so what? Ich bin auch schon als Schwuchtel bezeichnet worden, aber was interessiert mich das? Das hat doch keinen Einfluss darauf, wie du und deine Familie leben. Ich habe in meinem Leben mittlerweile zig Frauen kennengelernt, die keine nennenswerten Probleme mit ihrer Karriere haben, die selbstbewusst sind, wissen was sie leisten und entsprechende Gratifikationen einfordern (und natürlich auch erhalten). Die Welt ist mittlerweile schon deutlich weiter, als es manche hier noch in ihren Köpfen haben.