Beiträge von Conni

    Mir wurde heute feierlich die Urkunde zur Anerkennung der "Befähigung für den Laufbahnzweig der Lehrkraft mit dem Lehramt an Grundschulen" überreicht. Gleichzeitig lag eine Gehaltsabrechnung im Fach: 2 Tage Abzug wegen des Streiks, Nachzahlung für August und September und neues Gehalt für Oktober.

    Mein Studium ist schon einige Jahre her, ich habe noch Staatsexamen gemacht und vollzeit studiert. Es lief damals ähnlich ab wie du es beschreibst, aber weniger digital, also keine 4 Portale. Aber es lagen halt ständig Pflichtveranstaltungen in beiden Fächern (habe anfangs SekI/II studiert) gleichzeitig oder man raste nur von einer Uni zur anderen und wieder zurück.

    Ich drücke dir die Daumen, dass du noch Kurse für dich und einen besseren Nebenjob findest.

    Äh... ich fürchte, so einfach darf man es sich nicht machen...
    ...

    Ich denke, ihr habt beide irgendwie Recht. Wir hatten in der DDR Lehrer, die nie im englischsprachigen Ausland waren und ihren Dialekt sprachen. Ich habe 2 Jahre lausitzer Englisch und 2 Jahre thüringer Englisch gelernt. Bei meiner Lehrerin aus Thüringen hätten "writing a letter" und "riding a ladder" ungefähr gleich geklungen: "urreaiiiddddün ö läddddddoa", wo bei ddddd wahlweise der Laut d, t oder th im Dialekt der Lehrerin war, eine Art extrem weiches d, bei dem die Zungenspitze den Gaumen nicht berührt, sondern der vordere Teil der Zunge (hinter der Spitze) flach und ganz locker am Gaumen liegt und mit sehr wenig Druck gesprochen wird.

    Von der 10 zur 11 wurde der Westberliner Lehrplan übernommen und uns wurde erklärt, dass wir eigentlich 2 Jahre weiter sein müssten in Englisch und daher jetzt 2 Jahre überspringen. Der Lehrer (Kl. 11 und 13) sprach standard-britisch klingendes Englisch, war sehr leistungsorientiert und die meisten versuchten, das Schuljahr in Starre zu überdauern und in der 13 bloß kein Abi in Englisch zu machen. In der 12 hatten wir einen Australier, der den Kurs am unteren Niveau abholte, mit uns sang und Texte über seine Lieblingssänger las sowie Grammatik aus der 7 wiederholte. Dadurch kam es zwischen 12 und 13 wieder zu einem Leistungssprung, weil uns der Stoff der 12 quasi fehlte. Also eine Verkettung unglücklicher Umstände auf der einen Seite.
    Auf der anderen Seite habe ich für Englisch nie Sprachgefühl entwickelt und bin somit superschlecht in Aussprache, Grammatik und Satzbau. Diese Unsicherheit ging niemals weg, ich weiß nie, ob ich ein Wort richtig ausspreche und Grammatikregeln habe ich immer wieder gelernt, aber nie sicher anwenden können. Und ja, natürlich war da vieles falsch und musste so benannt werden. Das mache ich in Mathe und Deutsch ja auch, wenn 7-5=3, das ist einfach nicht richtig.

    Und jetzt kommt noch die Praxis: Die meisten, die ich bisher traf, sprachen kein britisches Standard-Englisch. Die meisten waren nicht einmal Muttersprachler, sondern hangelten sich in der Fremdsprache herum. Denen war es egal, ob ich relative closes beherrsche und das th 100% korrekt spreche. Kommunikationsvorbereitend wären brauchbarer Wortschatz (Klasse 7/8: Arbeitslosigkeit und Arbeiterklasse in Manchester... ), brauchbare eingesprägte Standardsätze zum direkten Anwenden und als Prototypen für selbst gebildete Sätze, verstehendes Hören und kommunikative Übungen, Dialoge, sprechen, auch mal selber einen Satz improvisieren und nicht nur nach Standard-Sätzen das Lehrbuch abarbeiten, sinnvoll gewesen.

    An dieser Stelle sind Schulunterricht und praktische Anwendung im Alltagskontext nicht passgenau.

    PS: Mir geht es wie Krabapple: Mir bleibt das Wort im Halse stecken, ich habe regelrechte Redehemmungen und mein Kopf ist leer.

    @Lehramtsstudent, gute Frage, leseverstehen B1 oder 2, aber mündliches Gestammel eher im A-Bereich. Hörverstehen amerikanischen Genuschels auch eher unter B.

    Fuckingfreakbullshit, ich hatte 9 Jahre Englisch in der Schule! :sterne: :rotwerd:

    Jetzt nochmal ernsthaft: Mir geht das ähnlich: 7 Jahre Englisch in der Schule, 3 Semester VHS-Kurse zum Auffrischen/Üben zwischendurch und ich habe das Gefühl, nichts mehr zu können. Lesen geht noch einigermaßen. Sprechen auf dem Niveau "Ähhhhhh", wobei meine vielen Englischlehrer eh immer meine Aussprache kritisiert haben. Schreiben war laut letztem E-Lehrer auch immer katastrophal. Hörverstehen je nach Region, A1 bis A2. Youtube-Videos und Filme gehen erstaunlich gut, da hilft ja der optische Eindruck, in "der freien Wildbahn" bin ich aufgeschmissen.
    Ich habe babbel probiert, das hat gar nicht funktioniert, weil ich nach kürzester Zeit gelangweilt war von den immer gleichen Übungen von Einzelvokabeln mikroskopisch kurzen Sätzen. Vielleicht habe ich da auch was falsch gemacht oder die Features nicht gefunden.
    Bei Russisch ist es noch schlimmer: 8,5 Jahre in der Schule und mir fällt noch "Sehenswürdigkeiten", "Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft" und "Ich heiße Conni" ein.

    VHS-Kurse fand ich bislang relativ wenig hilfreich (Ausnahme 2 Semester Spanisch relativ kurz nach dem Schulspanischunterricht, die waren durchdacht und nach Lehrwerk aufeinander aufbauend, gingen aber sehr langsam voran, weil die größere Hälfte der Gruppe vor allem an vino tinto interessiert war.). In den anderen Kursen (3mal Englisch, einmal Spanisch) waren die Lerngruppen sehr heterogen, die Inhalte sehr vom Lehrer und dessen Hobbys/Interessen abhängig. Mein letzter Spanischkurs hatte den Schwerpunkt Konversation und wir haben vor allem Texte mit für mich untinteressantem Vokabular gelesen und dem Lehrer beim kreativ-farbigen Füllen der Tafel zugeschaut und zugehört. Von einer Freundin habe ich ähnliches gehört, die hat mehrere Kurse ausprobiert, bis sie einen Lehrer fand, der für sie passte. Dann ist sie aber auch einmal im Jahr für mehrere Wochen nach Lateinamerika in den Urlaub gefahren und hat ihr Spanisch angewendet.

    Eine Freundin von mir lernt an einem privaten Institut Italienisch und sagt, es bringe ihr viel mehr als VHS. Eine andere Freundin schwört auf Sprachurlaub in GB (für Englisch natürlich). Vielleicht passt davon etwas zu dir?

    Erstmal vielen Dank für eure Rückmeldungen!

    Conni: Das mit dem vorher Kennenlernen klingt sehr gut und vernünftig. Weißt du wie man erfährt, welche Schulen denn Bedarf haben? Oder einfach alle ISS und Gymnasien abtelefonieren?Dein Wort in Gottes Ohr, wie man so schön sagt.

    Achso, ich dachte, du willst an die Grundschule, aber da habe ich zu viel in deine Zeilen hineingelesen.
    Dann würde ich an deiner Stelle Schulen aussuchen, die du gut fändest und die kontaktieren.

    In Berlin nehmen sie jeden Lehrer mit anerkanntem Examen mit Kusshand. Allerdings ist der Bedarf an Brennpunktschulen am größten.

    Meine Empfehlung, falls es dir möglich ist: Schulen vorher kontaktieren und anschauen. In meiner ehemaligen Schule haben unsere Studienassesoren zum Teil mit Vertretungsunterricht angefangen, dabei die Schule etwas kennengelernt und sich dann für das berufsbegleitende Referendariat beworben. Andere haben ebenfalls vor dem Casting Kontakt aufgenommen und sich vorgestellt. Wenn es passte, wurden die quasi gleich "adoptiert". Ob sie noch zum Casting mussten, weiß ich nicht.

    Casting: War bislang immer so ein kurzes Vorstellen: Mehrere Bewerber, mehrere Schulleiter.

    Im Referendariat machst du quasi das normale Referendariat (inklusive üblichem Unterrichtsbesuchs, Differenzierungs- und Methodenreichtum) + zusätzlicher Unterrichtsverpflichtung an einem für dich neuen Schultyp. Das ist sehr anstrengend.

Werbung