Ich schließe mich Seph hier an. Jedes kleine Detail dokumentieren, auch Zitate, wenn sie beleidigend sind. Jedes Telefonat als Mini-Protokoll in der Schülerakte dokumentieren.
Die Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen nacheinander durchführen. Es kann sein, dass es zu oft einen "Tadel" gab und nie etwas Schlimmeres folgte.
Die Schulleitung regelmäßig ansprechen wegen der Probleme, damit sie mitbekommt, dass nicht alles gut läuft - bitte von verschiedenen Seiten. Man könnte ja auch "Pubertät, über die Ferien offenbar deutlich schlimmer geworden" anführen, wenn es mal wieder um die Aktenlage geht. (Jeder vernünftige und klar denkende SL kennt im Übrigen seine "Pappenheimer" unter den Kollegen oder weiß zumindest, dass es möglich ist, Akten unvollständig zu führen oder Probleme zu "deckeln", die dann bei Folgelehrern eskalieren.)
Möglicherweise regelmäßig Klassenkonferenzen mit Elternvertretern, Schülersprechern und Schulleitung sowie abwechselnd den Jungen und deren Eltern - falls es euch sinnvoll erscheint.
Manchmal kann es sinnvoll sein, die Eltern zu nerven. Wir haben jedes Jahr ca. 2 auffällige Schüler, die die Schule verlassen, weil ihre Eltern finden, dass das Kind lieb und brav ist und ungerechterweise die Schule ständig anruft und nervt. Klar, die Kinder nehmen die Probleme mit und es ist nicht besonders pädagogisch - aber an der anderen Schule sind vielleicht nur 2 Chaoten in der Klasse und bei euch dann einer weniger - denn die restlichen 20 gehen ja so, wie du es beschreibst, unter.
Ihr könntet - wenn SL sich weiter taub stellt - Überlastungsanzeigen stellen (Infos beim Personalrat). Wenn man das alleine macht, kann es auf einen selber schnell mal zurückfallen. Wenn sich aber mehrere Fachlehrer zusammenfinden würden, wäre es wirkungsvoller - alle gleichzeitig. Kopie an Personalrat schicken. In die Überlastungsanzeige schreibt ihr, welche negativen Folgen auftreten könnten - für euch, für die Klasse. Der SL muss daraufhin seine Fürsorgepflicht wahrnehmen und reagieren. Es muss dann ein Gespräch mit konkret in einem Protokoll festgehaltenen Maßnahmen geführt werden und da könnt ihr einen Personalrat einladen.
In meinem Bezirk gibt es demnächst eine Personalversammlung zum Thema "Gewalt an unseren Schulen". Ich weiß nicht, ob es dort neue Erkenntnisse gibt und es diese bei euch auch gibt, aber bei Personalversammlungen kann man Kontakt zu Personalräten aufnehmen.
Der Sozialarbeiter muss eingreifen, das ist sein Job, egal ob er überfordert ist, vielleicht mit 3 Wochen Wartezeit, aber es ist einfach seine Aufgabe. Die Kinder sind nächstes Jahr 6. und im Übergangsjahr wird meiner bisherigen Erfahrung nach alles eher schlimmer. Bei uns gibt es aufgrund der hohen Arbeitsbelastung von Schulsozialarbeit Formulare, mit denen man ein Kind oder eine Klasse dort "anmelden" kann. Man muss das Problem kurz beschreiben und eine Idee, wobei Schulsozialarbeit helfen könnte. Geht auch wirklich kurz. Vielleicht macht ihr die Anfragen auch schriftlich? Kopie an die SL, Kopien in die Akten der Kinder.
Beleidigungen sind psychische Gewalt, Grad I. Es gibt an jeder Schule einen Ordner mit Notfallplänen. Darin gibt es Formulare zum Melden. Stufe I ist an der Schule zu klären, d.h. man könnte so ein ausgefülltes Formular u.U. Schulsozialarbeit und SL reinlegen. Ferner muss es bei euch ein Krisenteam geben, auch die könntet ihr ansprechen und zumindest theoretisch sollten die sich zuständig fühlen. Dazu gibt es auf der Seite Telefonnummern der Schulpsychologen, die für Gewaltvorfälle zuständig sind. Vielleicht wäre das ein Ansprechpartner?
Nun am Ende noch ungeordnete Vorschläge für den Umgang mit den Kindern, wobei ich nicht weiß, ob diese bei dieser Masse an Störern hilfreich sind:
Gäbe es zusätzlich die Möglichkeit, mit einzelnen "Verhaltensverträge" zu schließen? Also Vereinbarungen, 1 Kind, Klassenleiterin und Fachlehrerin anwesend. Das Kind auswählen, das in dem Fach am schlimmsten nervt, wenn es Aussicht auf Erfolg gibt. Wenn nicht, das nehmen, was man am ehesten aus diesem Verhalten rausholen könnte.
Möglich wäre auch ein Token-System: Stempel für jede Stunde, in der ein Kind leise am Unterricht teilnimmt. Wenn eine bestimmte Zahl von Stempeln voll ist, darf das Kind in die Schatzkiste greifen, die enthält kleine Spielzeuge, Armbänder etc. Diese Stempelkarten gibt es für jedes Kind und sobald die ersten etwas geschenkt bekommen, sind viele andere auch motiviert und strengen sich an (und dann muss man die Hürde zum Erreichen des Stempels für die schwierigen Kinder so legen, dass sie dies mit Anstrengung schaffen können).
Einen Tisch vor die Tür stellen. Einen Störer mit einer unangenehmen Aufgabe ransetzen. (Bleiben leider noch 4.)
Klassenraum umräumen. Die Störer zusammen an einen Gruppentisch. Die anderen mit etwas Abstand an die anderen Gruppentische. Erhöhe den Anteil an schriftlichen Aufgaben, versuche damit, diesen mündlichen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Gehe bewusst häufig zu den leisen Tischen und sage ihnen, wie fleißig sie arbeiten - so, dass die Störer das hören. Ich vermute, dass die Eltern die Zensuren nicht interessieren? Kann allerdings auch daneben gehen, wenn die am Störertisch dann noch mehr Halligalli machen.
Und ganz wichtig: Wenn die Stunde mal wieder so richtig schief läuft, denke dir: Diese Kinder sind keine "Kunden" in der Schule, die wollen nichts lernen. Ihr Ziel ist es, aufzumischen, Kontra zu bieten und zu rebellieren. Das hat mit euch persönlich nichts zu tun. Die Eltern unterstützen euch nicht, die SL und die KL offenbar auch nur wenig. Versucht, euch innerlich zu distanzieren. (Und ja, das ist total schwer, ich scheitere auch immer wieder dran, aber an den Tagen, an denen es mir gelingt, gehe ich nicht mit der "Problemklasse" aus der Schule.)