strubbelsuse:
Es wurde nun schon des Öfteren kritisiert, dass das Konzept ja nichts mit Rechtschreibenlernen zu tun hat, sondern zum Lesenlernen dient. Das ist mir selbstverständlich auch bewusst, doch sagt Reichen mit seinem lernpsychologischen Prinzip, dass sich Kinder Rechtschreibung mit der Zeit selbstständig aneigneten (ursprüngliche, meiner Meinung nach überholte Variante).Da ich aber bei diversen Praktiumsschulen Gegenteiliges erlebt und erzählt bekommen habe, wollte ich mich mit dem Lerner und LdS beschäftigen. Außerdem fand ich einige Kritiken an dem Konzept sehr interessant: Renate Valtin bspw. steht den Rechtschreibleistungen von Kindern, die nach LdS unterrichtet werden, sehr kritisch gegenüber.Es ist schön zu sehen, dass es Lehrkräfte gibt, die das Konzept nur zum Lesenlernen ansehen und deshalb Rechtschreibung auf eine andere Weise wirklich im Unterricht thematisieren, da tatsächlich noch einige Lehrkräfte, die wie nach Reichens Ansichten / Intentionen den Kindern die Rechtschreibung zwei oder mehr Jahre lang gänzlich vorenthalten.
Meine Dozentin schlug vor, die Meinungen und das Wissen der Lehrkraft in den Blick zu nehmen - und hier sind wir also
Renate Valtin war (zu meiner Studienzeit) vehemente Verfechterin der analytisch-synthetischen Methode. Ich weiß nicht, ob sich das geändert hat, aber die meisten Verfechter der analytisch-synthetischen Methode stehen LdS kritisch gegenüber (und umgekehrt).
Rechtschreibung selbsständig aneignen: Ich habe als Kindergartenkind quasi autodidaktisch ein fast reines LdS durchgeführt, ohne dass es jemand wissen durfte. Lange nur geschrieben. Irgendwann las ich spontan das Wort "Kaufhalle" und meine Mutter bekam den Schock des Jahres. (Damals war es verpönt, wenn Kinder mit schulischem Wissen eingeschult wurden, die bekamen teilweise extremen Ärger in der Schule, davor wollten meine Eltern mich bewahren.) Danach durfte ich die Schreibmaschine nutzen. Mein Vater schaute auf die Texte und gab mir ab und an einen Hinweis. Meist habe ich einfach in Büchern nachgeschaut und mir so die Schreibung gemerkt. Allerdings habe ich ab der 2. Klasse die Bibliothek nutzen dürfen und alles gelesen, was es dort gab. Ich denke, das macht auch einen gehörigen Teil aus. Ich konnte die meisten Rechtschreibstrategien / -regeln nicht wirklich, ich habe sie mir als Lehrerin aneignen müssen. Dafür sehe ich die Schreibung der Wörter vor meinem inneren Auge.
Das ist aber eine absolute Ausnahme, viele lernen nicht so und müssen sich Rechtschreibung hart erarbeiten. Daher muss man es eben gezielt ergänzen (Lessmann o.ä.). Aber dafür braucht man entsprechende Voraussetzungen. Im Brennpunkt habe ich nun beides (LdS/Lessmann) sowie analytisch-synthetisch ausprobiert und sehe bei beiden Methoden Vor- und Nachteile. Die analytisch-synthetische Methode bevorzuge ich aber inzwischen, da sie viel strukturierter ist und die Eltern besser verstehen, wie sie mit dem Kind üben können und es dann teilweise auch tun. Mit offenerem Lernen waren die Eltern (und Kinder) weit mehr überfordert.