Also, wenn mir ein Facharzt wie zB ein Urologe diagnostiziert, dass das alles psychosomatische Ursache haben muss, wäre ich skeptisch. Bei dem menschlichen Körper können Beschwerden viele andere Ursachen haben, die der Facharzt nicht überblicken kann. Eine echte Diagnose kann doch eigentlich nur ein Psychologe liefern. Oder sehe ich das falsch?
Ich hab nur manchmal das Gefühl, dass solche Diagnosen schnell gestellt werden, wenn der betreffende Arzt nichts findet.
Aus meiner eigenen Erfahrung heraus: Ja, das geht leider sehr schnell.
Und: Nein, ein Psychologe kann es nicht unbedingt eindeutig sagen, da die Symptomatik sehr ähnlich sein kann.
Bei mir hat sich z.B. nach und nach die Schilddrüse verabschiedet. Die Symptome, die da auftreten können, sind so allgemein, dass sie jahrelang (!) als "psychosomatisch" hingestellt wurden - von mehreren Ärzten, ich habe um eine vernünftige Diagnostik kämpfen müssen. In der Folge sind andere Dinge durcheinander geraten (gute Schilddrüsenfunktion ist ganz ganz enorm wichtig), was zu weiteren Beschwerden und dann auch Facharztbesuchen führte, die alle mit "ohne Befund" endeten oder dem Verdacht, es könne psychosomatisch sein. (Da ich gerade EKG lese: Herzrhytmusstörungen und erhöhter oder erniedriger Puls sowie Blutdruck können von der Schilddrüse oder anderen Hormonen kommen.)
Ein Psychologe sagt dann bestenfalls: "Lassen Sie es medizinisch abklären, das könnte körperliche Ursachen haben." Wenn der Arzt aber nichts findet und psychische Ursachen vermutet, dann geht der Psychologe im allgemeinen davon aus, dass es psychisch ist und versucht zu therapieren.
Hinzu kommt, dass es noch viel zu viele unbekannte Einflüsse gibt oder Einflüsse, die schulmedizinisch nicht anerkannt sind. Z.B. gibt es in der Schweiz die "Eisenmangeldepression": Frauen mit niedrigen Eisenspeicherwerten (wobei "niedrig" das untere Drittel der deutschen Normwerte umfasst) und depressiven Beschwerden, Kopfweh etc. erhalten Eiseninfusionen - mit guten Erfolgen.
So, nun zum Threadthema zurück:
Eine Psychotherapie ist dann angebracht, wenn eine Diagnose aus dem Kapitel F der ICD-10 (Katalog der WHO, in dem alle Krankheiten aufgeführt sind) berechtigt ist.
Wenn keine entsprechende Diagnose erfüllt ist, heißt es Coaching, das muss man allerdings privat bezahlen, kann es von der Steuer absetzen und den Arzt interessiert es eher nicht.