Beiträge von Conni

    In Berlin wurde einfach jahrelang viel zu wenig ausgebildet (und wird es auch jetzt noch),

    Als ich mich aufs Ref bewarb, gab es 24 (!!!) Ref-Plätze für GS-Lehrer bei über 160 Bewerbern. Davon 2 für Musik als Erstfach. Die Plätze gingen an die Männer mit einer 1 im Studium (es wurde auf glatte Zahlen gerundet), die Zivil- oder Wehrdienst geleistet und deren Frauen Kinder geboren hatten. Das gab "Sozialpunkt"e. Alle anderen gingen leer aus. Schon damals ließ sich absehen, wann der nächste Schwung Lehrer in Pension gehen würde und Berlin tausende Lehrer an Nachwuchs benötigen würde.
    Ich habe mein Ref dann in Brandenburg gemacht und danach dort einige Monate gearbeitet, denn es wurde in Berlin gar niemand geplant eingestellt. Ab und zu gab es im Nachsteuerungsverfahren 3 Tage vor Schuljahresbeginn noch die ein oder andere Teilzeitstelle.
    Jeder der konnte, ist abgewandert in ein Bundesland, in dem er eine Stelle bekam. (Ich hätte in BaWü und RLP eine haben können.)
    Im Sommer 2005 gab es genau 5 (FÜNF!) schulscharf ausgeschriebene Vollzeitstellen für Grundschullehrer in Berlin, die ein Mangelfach (Musik oder Englisch) als Erstfach hatten. Die Schulen hatten zwischen 120 und 200 Bewerbungen zu bewältigen (nur mit Mangelfächern, über alle anderen reden wir hier gar nicht). Alle wollten wieder die Männer, die es ja so selten gibt. Einer hat dann abgesagt und da ich an dieser Schule wohl relativ weit vorne auf der Nachrückerliste stand, bekam ich eine dieser 5 Vollzeitstellen. Das war wie ein 6er im Lotto, Vollzeitstellen für GS-Lehrer hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Ein paar 2/3-Stellen folgten dann wieder im Nachsteuerungsverfahren. Ein paar Jahre ging es ähnlich weiter.
    In diesen Jahren hat Berlin sich immer mit seiner "sexy und attraktiv"-Rolle gebrüstet und dass der Lehrerbedarf mit Lehrern aus anderen Bundesländern, die alle nach Berlin kommen möchten, gedeckt würde. Jeder wusste, dass die Rechnung niemals aufgehen würde. Es ist viel kaputt gespart worden und nicht früh genug gegengesteuert worden. 2 oder 3 Jahre lang wurde immer noch gesagt: "Keine Panik, wir besetzen alle Stellen!" - da fiel es nur den Brennpunktschulen auf, wie groß die Lücken im Kollegium waren und dass man mit 92% Ausstattung schlecht arbeiten kann. Inzwischen ist es nicht mehr zu verbergen... Über die Bezahlung der Vertretungslehrer schreibe ich jetzt nichts mehr.... :(

    Ich bin krank, sonst würde ich auch streiken gehen.

    In Berlin seit 3 Jahren ganz massiv. Bei uns müssen sie studiert haben. Z.B. Ingenieure, Musiker oder Sportwissenschaftler sein. Hilft auch nicht viel, manchmal traue ich unserer Putzfrau pädagogisch mehr zu, aber egal. Die Grundschullehrer, die noch da sind, fangen das alles auf und ziehen den Karren aus dem Dreck.
    Und ja, es gibt auch welche, die machen das super. So 10 bis 20%?

    5 Abende und bei Bedarf - da muss man sich dann für arbeitende Eltern selber organisieren, dass die Schule offen bleibt. An den Abenden müssen wir zur Verfügung stehen, wenn vorher einer einen Termin macht. D.h. Wenn ich mir Eltern, die schon nachmittags können auf einen Nachmittag lege, kann ich auch einen Abend weglassen. (Meist den kurz vor Weihnachten, da haben fast alle Eltern was anderes vor.)

    Vielen Dank, Meike! Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Doch, eins noch: Ich kenne sie, die Lehrerinnen, die nach der 10. Klasse eine "Fachschulbildung" zur Grundschullehrerin machten. Sie haben gelernt, den damals gültigen Lehrplan nach einer Handreichung, die Stunde für Stunde vorgibt, durchzuführen. Zusätzlich haben sie viel Erziehung und Psychologie gelernt. Eine Reihe von ihnen erlebe ich als sehr gefordert, wenn es darum geht, den neuen Rahmenlehrplan oder ein anderes Lehrwerk zu verwenden. "Du musst mir dann erklären, wie wir mit den Heften arbeiten sollen!" (Ich unterrichte Mathematik offiziell "fachfremd", weil ich es "nur" mit allen anderen Lehramtsstudenten im gleichen Hörsaal studiert habe, aber das 1. Staatsexamen nie abgelegt und damit auch keinen Vorbereitungsdienst in dem Fach gemacht habe. Bis auf 3 Seminare musste ich mir die gesamte Didaktik alleine und in wenigen verfügbaren Fortbildungen aneignen. Wenn einer Expertin wäre, dann die Kollegin, die sich aber nicht mehr als solche fühlt, sobald sie etwas Neues selbstständig lesen oder erarbeiten soll.) Eine dieser Kolleginnen möchte sogar bei mir hospitieren, weil sie sich anschauen möchte, wie man 2fach (!) differenziert.
    Ich halte ein Studium für Grundschullehrer - besonderes in Anbetracht der oben genannten vielfältigen fachlich-erzieherisch-psychologisch-therapeutisch-logopädischen etc. Aufgaben, die sich ständig ändern und ständige Anpassungsfähigkeit und großes autodidaktisches Können erfordern - für unbedingt notwendig.

    ...individualisiertes Üben, Differenzierung, Förderunterricht
    ...abwechslungsreiches Üben
    ...meist 1/2, Förderunterricht 3
    ...V: hoher Aufforderuntscharakter, Abwechslung, Neues ausprobieren, manche Kinder hantieren gerne damit, gute Individualisierungs- und Differenzierungsmöglichkeit
    ...N: Schummeln; unsere Erstklässler (sozialer Brennpunkt) haben motorisch mit den Lük-Kästen Probleme, oft fällt alles herunter und durch die Gegend, von der Konzentration her haben die Ersties bis etwa Ostern mit dem Mini-Lük Probleme, das reicht bei vielen noch nicht für 12 Plättchendie Bambino-Lüks habe ich nicht,; die meisten unserer Schüler (Kl. 1 bis 3) benötigen eine ganze Reihe von Erinnerungen und Erklärungen, bis sie das Prinzip verinnerlicht habe, sodass man über einige Wochen hinweg maximal 3 Kinder damit betrauen kann (falls der Rest leise und selbstständig arbeitet), In Mathe gehen beim Mini-Lük die Aufgaben immer bis 12, das Lehrbuch aber nur bis 10, in Klasse 2 wird das besser. Logico ist einfacher zu verstehen (und es fliegen nicht 12 Plättchen auf den Boden).

    Huhu,

    zum groben Einlesen empfehle ich diesen Thread: älterer Thread über HSP
    Etwas mehr Statistik mit Tabelle: https://wuecampus2.uni-wuerzburg.de/moodle/mod/boo…&chapterid=5534
    Nun zu deinen Fragen, alles etwas unter Vorbehalt, ich bin keine LRS-Fachkraft, allerdings Rechenschwäche-Verantwortliche und habe gerade HSPs 2+ durchgeführt und ausgewertet in meiner Klasse:

    Ich hab bei meiner Beispielschülerin nun herausgefunden, dass die alphabetischen T-Werte deutlich über den anderen Werten liegen, d.h. sie folgt der alphabetischen Strategie.

    Wenn man es genau nimmt, heißt das: Sie ist in der alphabetischen Strategie besser als in der orthographischen und morphematischen. In der HSP 2+ entspricht dies dem vorwiegenden Verwenden der alphabetischen Strategie.


    Aber wo ist die Grenze? Hab eja noch andere Schüler: ab wann spricht man von einer LRS? Bei uns in Brandenburg müssen wir das selbst austesten, weil "jeder Lehrer dazu in der Lage ist", weil wir entsprechendes Wissen haben. Nun: HIER habe ich eine Wissenslücke. Wer kann die schließen?

    Die Grenze ist unter einem T-Wert von 40. Ein T-Wert von 40 entspricht einem Prozentrang von 15 oder 16 (d.h. 16% aller Schüler sind genauso oder schlechter als das Kind). Ab einem PR von 5 abwärts spricht man von einer Lese-Rechtschreib-Störung.
    Wichtig ist natürlich auch, dass du dich mit den entsprechenden Vorschriften in deinem Bundesland auseinandersetzt:
    Wer hat eine LRS in BB?Wer hat eine LRS in BB?
    Wie wird die LRS festgestellt? Hier steht im Grunde, dass neben formellen auch informelle Tests anzuwenden und die Leistungsentwicklung der Kinder zu berücksichtigen ist.

    Wenn ihr in Brandenburg nicht entsprechend angeleitet werdet und keine LRS-Fachkräfte habt, würde ich übrigens diese Aufgabe so umsetzen, wie sie mit meinem Wissen (Lesen der Vorschrift und des HSP-Begleithefts, eventuell noch eines Buches) möglich ist.

    So, nun Auswertung: Im Grunde gibt dir deine Verwaltungsvorschrift das Recht, eine LRS zu finden und einen Nachteilsausgleich zu gewähren, wenn ein T-Wert unter 40 ist und das Kind sonst Probleme hat (informelle Tests fallen schlecht aus). Du kannst aber auch sagen: Die T-Werte sind 43, 39 und 38, das Kind kommt damit klar, es benötigt keinen Nachteilsausgleich.
    Ich werde das bei meinen "Grenzfällen" (T-Werte z.B. 35, 38, 46 oder 37,38, 39) am Anfang der 3. Klasse beobachten, wie sie sich machen - und wenn sie im Rechtschreiben die Mindestanforderungen (= konstant 4,0) nicht erreichen, dann gibt es einen Nachteilsausgleich nach Klassenkonferenz (letzteres ist übliches Vorgehen aus der Rechenschwäche-Fortbildung und ich übernehme es).

    Bundesland wäre gut.

    In meinem Bundesland ist klar geregelt: In den ersten 2 Jahren nach Eintritt in die Schule kann die Benotung in Deutsch ausgesetzt werden, es sei denn, die Klassenkonferenz beschließt aus pädagogischen Gründen die Erteilung von Zensuren. Bei ausgesetzter Benotung sind die Kenntnisse verbal zu beschreiben.

    Wie wird das sonst an deiner Schule gehandhabt? Ist dein Schüler der erste und einzige Flüchtling?

    Zurücktreten: Bei mir stellte sich bisher die Frage so nicht, es ging immer um "Verweilen in der Schulanfangsphase" (=Beschluss der Klassenkonferenz). Die hat 3mal dafür und 2mal dagegen entschieden.
    Pro Verweilen sprachen zusätzliche Probleme: Besonders langsames Erlernen der Sprache, Probleme beim Lesen/Schreiben (auch in der Erstsprache) und beim Rechnen, sehr junges Alter bei der Einschulung.
    Kontra Verweilen sprachen: Kind erzählte immer, es sei 1 Jahr älter als im Pass stünde (und wirkte körperlich und von der Persönlichkeit her noch ein weiteres Jahr älter) - rückte auf trotz gravierender Probleme beim Erlernen des Lesens und Schreibens, aus sozialen und psychischen Gründen.
    Derzeit habe ich ein Flüchtlingskind, das seit 6 Monaten in D in der Schule ist: Lernt schnell und äußert sich ähnlich wie bei dir gebrochen Deutsch sprechend, versteht auch noch nicht alles. Wurde aber im Heimatland schon alphabetisiert (anderes Alphabet), ist fleißig, motiviert, integriert sich hervorragend in die Klasse, sehr guter Rechner, merkt sich Wortbilder auswendig und hat daher schon gute Rechtschreibleistungen. Lesen und Sprechen werden noch etwas Zeit brauchen. Für Sachunterricht werde ich mir was überlegen müssen.
    Zusätzlich habe ich vor Jahren mal ein Flüchtlingskind aus meiner ersten Klasse genommen und darauf bestanden, dass es in die 2. geht. Der konnte rechnen und schreiben und war 2 Jahre überaltert - was soll das dann, den in die 1. zu stecken? Das war auch gut so, der Junge machte später in der 5./6. genug Probleme, da er schon in der Pubertät war.

    Wie schon geschrieben: Abhängig von Personen und Umständen.
    Wir hatten schon abgeordnete SoPä in den Klassen, die z.B. für 2 Stunden pro Woche kamen, selber in Kl. 10 unterrichteten und nun in der 1. Kinder unterstützen sollten. Und eben immer wieder nicht kamen. Oder zu spät kamen, weil der Fahrtweg nicht zu bewältigen war.

    Jetzt haben wir den Luxus von 2 SoPä an unserer Schule, die allerdings über 40 Kinder mit Förderbedarf zu betreuen haben. Ferner gibt es 4 Stunden sonderpäd. Förderung, die jeder Klasse in Klassenstufe 1/2 zustehen. Das heißt, die 2 Stunden, die den meisten Kindern zustehen, stehen gar nicht zur Verfügung und auch diese 4 Stunden sind nicht flächendeckend zu gewährleisten. Meist werden die Kinder in Paaren/ Kleingruppen aus dem Unterricht genommen und mit ihnen an ihren Lernzielen weitergearbeitet. Das finde ich für meine Klassensituation am besten. Nicht, weil ich die Kollegin nicht im Unterricht möchte - sondern weil meine am Rahmenplan der GS unterrichteten Schüler so leistungsschwach sind, dass sie erst nach vielen Stunden Einführung / Neueinführung / Nochmaleinführung / Festigung-Festigung-Festigung in der Lage sind, überhaupt Aufgaben alleine zu üben. (Die vergessen quasi von 9:10 bis 9:20 den Begriff "Verb", der seit ca. 2 Monaten geübt wird einfach mal wieder.) Wenn ich da noch ein anderes Niveau einfügen würde (z.B. Subtraktion bis 10 für die zieldifferent unterrichteten Schüler bei gleichzeitiger 1x1-Erarbeitung), wären irgendwie fast alle durcheinander.
    Hinzu kommt, dass viele dieser zieldifferent unterrichteten Kinder Aufmerksamkeitsstörungen haben oder Hörwahrnehmungsschwächen. Für die ist eine Klasse mit nur 23 Schülern purer Stress aufgrund der Lautstärke (z.B. wenn sich Kinder normal unterhalten oder wenn jemandem etwas herunterfällt oder aus Federtaschen etwas herausgeholt wird).
    Wenn ich alle in der Klasse haben möchte, kommt unsere SoPä aber mit in den Unterricht und unterstützt uns oder übernimmt auch einen Teil des Unterrichts und ich unterstütze die Kinder.
    Die Förderpläne und Feststellungsverfahren schreiben wir zusammen, auch Elterngespräche diesbezüglich führen wir zusammen und das ist sehr sehr hilfreich und wirklich luxuriös.

    Wir hatten auch die Situation das Sopä gleichzeitig Klassenleitung übernehmen mussten, da war durch diese Doppelbelastung natürlich nur eine eingeschränkte Unterstützung möglich, aber auch da wurde beraten so weit möglich. Auch für Vertretungsunterricht wurden die SoPä schon in hohem Maße eingesetzt.

    Schwierig ist für unsere SoPä, dass sie 2 Fachrichtungen haben und für die anderen Fachrichtungen nur eingeschränkt beraten können. Insbesondere bei den sich bei uns häufenden Kindern mit "normaler Intelligenz", die trotzdem nicht annähernd die Ziele des Rahmenlehrplans erfüllen (ich habe 3-4 davon in der Klasse, die beide deutlich schlechter sind als mein eines LE-Kind), sind die SoPä ebenfalls an ihren Grenzen.

    Viele unserer Regelkollegen sind unzufrieden, weil sich bei uns die Kinder mit Förderbedarf häufen und wir nicht mehr weiter wissen. Diesen Frust bekommen dann teilweise unsere SoPä ab.

    Aber Marie schrieb doch:

    (Hervorhebung von mir). Und da hat sie doch recht.

    Öhm. An meiner Grundschule sind vorwiegend Lehrer der Sek I, teilweise der Sek II - das ist schon luxuriös inzwischen: Letztes Jahr haben wir jeden mit egal welchem Diplom eingefangen. Und in die 1. Klassen gesteckt. Es kommt auf die Schule an und auf die Zusammensetzung der Lehrer, aber nicht jeder Lehrer, der zufällig an der Grundschule gelandet ist, kann in einer 1. Klasse unterrichten oder traut es sich zu. Ich habe es genauso gelesen wie cubanita. Da ich momentan eine halbe Klasse aus so einer im vergangenen Jahr gestrandeten 1. Klasse auf den Stand des Rahmenlehrplanes eines 2. Schuljahres bringen muss, bin ich da aber auch vorbelastet.

    Unsere neue Schulleiterin achtet darauf, dass nach Möglichkeit Kolleginnen die Vertretung übernehmen, die sich zumindest als Team-Lehrerinnen etwas eingearbeitet haben.

    Wenn sie häufig krank ist - wurde denn ein Gespräch nach IX. Sozialgesetzbuch §84 geführt (Berufliche Wiedereingliederungsmaßnahme bei mehr als 6 Wochen Krankheit in den letzten 12 Monaten am Stück oder in kürzeren Abschnitten). Das wird bei uns den Kollegen angeboten, allerdings dürfen sie selber entscheiden, ob sie es annehmen. Personalrat ist bei uns als Beschäftigtenvertretung, d.h. auf Seiten des Arbeitnehmers / Bediensteten dabei und interessiert, einen Kompromiss zu finden und weist z.B. auch die Schulleitung in die Schranken.
    Ich weiß nicht, wie das genau bei euch durchgeführt wird, aber das Sozialgesetzbuch an sich ist ein Bundesgesetz.

    TV-L sieht - wie Veronica Mars schrieb - nur eine Anzeigepflicht beim Schulleiter vor. Der Personalrat riet mir dazu, die Anzeige der Nebentätigkeit sicherheitshalber noch an die Personalstelle zu senden. Die haben mir das Blatt (mit Eingangsstempel) zurückgesendet und geschrieben, ich soll es dem Schulleiter geben.
    Der Schulleiter müsste - wenn er Zweifel hat, ob du das packst - ein Verbot aussprechen oder das nicht genehmigen. Das kann er machen, wenn es in unverhältnismäßigem Umfang ist, wenn du z.B. 2mal die Woche 5 Stunden unterrichten willst. Habt ihr eine vernünftige Beschäftigtenvertretung? Bei uns sind die zentral organisiert und sehr rührig und fit in rechtlichen Dingen.

    Das kann ich nicht verstehen. Jeder Behandler ist nach dem Patientenrechtegesetz von 2013 zu bestimmten Maßnahmen (Behandlungsvertrag, Aufklärung, Akteneinsicht) verpflichtet. Dies gilt für alle medizinischen Behandlungen, wobei soweit ich weiß, unter diese "Heilbehandlungen" auch das Feststellen von Krankheiten fällt (also Diagnostik).
    Hier ist ein Link zum Patientenrechtegesetz - vielleicht die Eltern nochmal mit einem Ausdruck hinschicken? Sie können nicht nur Einsicht nehmen, sondern Kopien der Akte verlangen (gegen Kopierentgelt, 50 Cent pro Seite verlangen die Praxen, die ich kenne).
    Wenn das nicht funktioniert: Ich würde den Eltern empfehlen, sich die rechtliche Grundlage für die Nichtherausgabe der Akten, auf die diese Einrichtung sich beziehen möchte, schriftlich geben zu lassen mit Stempel der Einrichtung und Unterschrift des Verantwortlichen. Da dürfte die Luft dünn werden.

    Kurz gesagt fand ich das, was SchmidtsKatze schrieb, völlig unglaublich.

    Nein, leider nicht, kann mich den anderen nur anschließen.
    Musiker, Therapeuten, Ingenieure, Informatiker, Sportwissenschaftler - da ist man als Studienrat noch ein Sahnestückchen, weil man eine Lehramtsausbildung hat.
    Wir hatten mehrere Studienräte an der GS, auch welche mit 2 Sprachfächern. Ich würde es so einschätzen: 1/3 ist wieder gegangen, 1/3 kommt klar, 1/3 macht sich richtig gut.
    Ich schließe mich ebenfalls den anderen an: Versuch herauszubekommen, in welchen Klassen du eingesetzt wirst und in welchen Fächern, welche Lehrwerke, versuche, Kontakt mit denen, die du vertrittst aufzunehmen.
    Pauschal kann man keine Tipps für die GS geben, das wäre so, als würde ich sagen, ich möchte Spanisch unterrichten, aber nicht angeben, ob die Lerngruppe auf A1- oder C1-Level ist.

    Wir bekommen auch Schwämme. Inzwischen sogar öfter als alle 5 Jahre, wobei es ab 3 Stück im Schuljahr wohl schwierig wäre. Und zumindest weiße Kreide, farbig ist aber auch öfter da. Manchmal fehlt das Kopierpapier.

    Unsere alte Schulleitung hat es auch immer wieder probiert:
    Als ich meinen Klassenraum neu hatte, fragte mich mein Chef, ob ich den Müll nicht trennen würde. (Als ob das in einem Klassenraum ohne Schränke und Regale das größte Problem wäre!) Ich sagte: "Doch, klar! Wir werfen den Recyclingmüll immer vorne in den (einzigen) Mülleimer, das Papier, links hinten und den Restmüll rechts hinten. Es sei denn, es gäbe noch 2 weitere Eimer für den Raum, dann könnte man den Müll sogar getrennt in die Tonnen werfen." Es gab schnell und wortlos 2 weitere Eimer.

    Zum Tafeldienst: Ich lasse die Kinder nur trocken wischen, ich selber wische nass, von oben nach unten, erst nach dem trockenen Wischen und das macht kein Kind, diese verklierten Tafeln hasse ich. Früher spielte eben noch der Aspekt "Schwamm nur alle 5 Jahre" eine Rolle.

    Gleichzeitig zeigt aber Praxis und Forschung auch, dass es individuelle Unterschiede gibt (zwischen Unternehmen/Schulen und
    zwischen Individuen). Hier können schul-/unternehmensspezifische Interventionen helfen, ohne dass diese Interventionen den Anspruch haben, grundlegende strukturelle Probleme zu verändern.


    Das funktioniert aber auch nur im Rahmen dessen, was Menschen in diesem System leisten können. Ich war lange Zeit Freund kognitiv-verhaltenspsychologischer Konzepte. Mittlerweile bin ich etwas ernüchtert, denn ich sehe Veränderungen in meinem Leben und in meinem Umfeld immer nur auf Basis von Persönlichkeit, gekoppelt an durch persönliche Stärken und Schwächen determinierte Veränderungsmöglichkeiten im Zusammenspiel mit einer Umwelt, die Veränderungen hemmt oder fördert. Unsere Schulleitung erhielt Coaching, damit sie ihre Schwächen beseitig und sie hat sich bemüht. In manchen Punkten wurde es besser, in anderen glich die Lernkurve der Nulllinie.
    Jetzt haben wir eine andere Schulleiterin, die einige dieser Punkte beherrscht, dafür an anderen Stellen nicht top ist. Manchen Kollegen gefällt es nun besser, andere finden es schlimmer als vorher.
    Ich glaube, dass es gute Chancen für Interventionen gibt, wenn wirklich fachliches Wissen oder Können nicht ausreichen, z.B. eine Schulleitung neu und unerfahren ist oder wenn es um grundsätzliche Abläufe, Schulordnung etc. geht. Sobald jemand verlangt, dass die Betroffenen ihre Persönlichkeitszüge verändern ("sich ein dickes Fell wachsen lassen", "mal gelassener mit dem Ganzen umgehen", "sich mal mehr engagieren", "selbstständiger sein"), wird es aus meiner Sicht hochgradig schwierig.


    Zitat von danielfodor

    Wenn Sie mögen, würde ich mich gerne weiter zum Thema austauschen, hier meine Email: daniel.fodor@charite.de
    Wir planen momentan eine größere Erhebung, in der die verschiedenen Risikofaktoren mit der psychischen Gesundheit in Verbindung gebracht werden sollen. Deshalb würden mich die "strukturbezogenen" Inhalte der von Ihnen angesprochenen Befragung tatsächlich sehr interessieren.


    Wie wäre es denn, wenn Sie in den Dialog mit den Berliner Beschäftigtenvertretungen treten? Die können Ihnen viel über die Risikofaktoren und die Gesundheit von Pädagogen, die in dem Bundesland, in dem Sie forschen, erzählen.

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