1. sehr gut, komplett barrierefreies Haus mit vielen Differenzierungsräumen und sehr großen Klassenzimmern.
2. Personelle Besetzung jetzt nicht mehr ausreichend. Vor dem 9. SchrÄG hinreichend, um die inkusive Arbeit so gut zu machen, dass Preise verliehen wurden: Ein Sonderpädagoge für jede inklusive Klasse in fast allen Stunden in Doppelbesetzung anwesend. So konnte man alle Kinder sehr gut individuell fördern.
3. keine im inklusiven Bereich, da wir ja noch einige Sonderpädagogen haben, die ansprechbar sind.
4. Auch vorher zu gering, da alle Beteiligten ohne Entlastungsstunden für Gespräche/Differenzierungen usw. auskommen mussten. Jetzt, da die Arbeit aufgrund der dünneren Personaldecke noch mehr geworden ist, mehr als grenzwertig.
Aber ich arbeite immer noch gerne inklusiv und halte das im Ganzen für den richtigen Weg. Nun müssen alle Schulen aber zu einer Personaldecke kommen, mit der man so individuell fördern kann, wie es das Schulgesetz vorschreibt. Solange man versucht, Inklusion als Sparmaßnahmen zu etablieren, wird das nichts. Die Kinder profitieren (alle) nicht hinreichend und die Lehrkräfte leiden unter ungesunden Arbeitsbelastungen.
@Jule
WOW!
zu 1. Schulneubau gestrichen, Sanierung seit Jahren aufgeschoben = nicht barrierefrei (--> keine gehbehinderten Sch.), keine Schallisolierung / -dämpfung (aber Schüler mitAVWS/Hören = Zumutung für die Kinder), keine Ausweichräume (Schule platzt aus allen Nähten), keine Teilungsräume, keine Räume für Kleingruppenarbeit. Kollegen, die I-Schüler mit rausnehmen, frieren auf dem nicht ausreichend beheizbaren Flur.
zu 2. 2 Sonderpädagogen für 500 Schüler. Klingt gut. Ist es aber nicht, denn wir müssten so etwa 150 Stunden haben, die sind aber gedeckelt, d.h. wir bekommen nicht, was den Schülern zusteht, theoretisch haben wir wesentlich weniger Stunden, aber mehr, als die Sonderpädagoginnen unterrichten können. Das heißt, ein paar Grundschullehrkräfte dürfen "Kraft ihrer Wassersuppe" irgendwie die Förderstunden übernehmen, falls sie nicht vertreten müssen (kommt häufiger vor).
zu 3. Nein. Fortbildungen gibt es für Lehrer, die maximal 2 em-soz oder ADHS-Kinder pro Klasse unterrichten, bei mehr Kindern mit derartiger Problematik wissen die bisher kennengelernten Fortbildner auch nicht wirklich weiter (maximal Empfehlungeiner Privatschule mit Kleinklassen). Fortbildungen GE, Hören/Sehen /körp.-mot. Entwicklung (Epilepsie), Autismus? Fehlanzeige, habe ich noch nie irgendwo etwas von gelesen.
zu 4. Derzeit mehr als ausgeschöpft: Die Schulorganisation (Curricula, Planungen, Auswertungen, Evaluation, Schulprogramm, Rahmenlehrpläne) bricht uns zeitlich das Genick. Ich bin froh,wenn ich 1 Woche am Stück keine Schwellendidaktik betreiben muss. Ich schaffe es absolut nicht, neben diesen Aufgaben noch 15 Stunden (Deutsch, Mathe, Sachunterricht) wöchentlich 3- bis 5-fach zu differenzieren. Leider gibt es keine abgestimmten Bücher und Arbeitshefte, d.h. ich müsste das ganze Arbeitsheft / Lehrbuch quasi "neu schreiben" - für die Kinder, die zwar LRS/Rechenschwäche/individuellen Lernplan haben, aber auf Niveau Kl. 3 unterrichtet werden, die müssen nämlich laut Beratungslehrerin UNBEDINGT Übungen aus den Arbeitsheften für Grundschulkinder lösen, eventuell nur eine pro Seite, dann schreibt man eben den Rest der Seite neu als Lehrer.
Am schwierigsten sind einige Kinder mit emotional-sozialen Förderbedarf zu beschulen. Ich habe ein Kind in der Klasse, dessen Selbststeuerungsfähigkeiten so schwach ausgeprägt sind, dass viele Kolleginnen Angst haben, in meiner Klasse zu unterrichten oder Aufsicht in dem Hofteil zu haben, in dem der Junge ist. (Nähere Details möchte ich nicht schreiben, alles was wir tun konnten, wurde und wird getan.) Einige Kinder mit emotional-sozialen Förderbedarf kommen z.T. aus der Tagesklinik zurück mit der Empfehlung einer Kleinklasse (maximal 6 Schüler), da sie in einer normalen Grundschulklasse nicht beschulbar sind. Sie sind trotzdem da. Schüler mit emotional-sozialem Förderbedarf sind nach "Sprache" bei uns die zweitstärkste Gruppe.