Gleichzeitig zeigt aber Praxis und Forschung auch, dass es individuelle Unterschiede gibt (zwischen Unternehmen/Schulen und
zwischen Individuen). Hier können schul-/unternehmensspezifische Interventionen helfen, ohne dass diese Interventionen den Anspruch haben, grundlegende strukturelle Probleme zu verändern.
Das funktioniert aber auch nur im Rahmen dessen, was Menschen in diesem System leisten können. Ich war lange Zeit Freund kognitiv-verhaltenspsychologischer Konzepte. Mittlerweile bin ich etwas ernüchtert, denn ich sehe Veränderungen in meinem Leben und in meinem Umfeld immer nur auf Basis von Persönlichkeit, gekoppelt an durch persönliche Stärken und Schwächen determinierte Veränderungsmöglichkeiten im Zusammenspiel mit einer Umwelt, die Veränderungen hemmt oder fördert. Unsere Schulleitung erhielt Coaching, damit sie ihre Schwächen beseitig und sie hat sich bemüht. In manchen Punkten wurde es besser, in anderen glich die Lernkurve der Nulllinie.
Jetzt haben wir eine andere Schulleiterin, die einige dieser Punkte beherrscht, dafür an anderen Stellen nicht top ist. Manchen Kollegen gefällt es nun besser, andere finden es schlimmer als vorher.
Ich glaube, dass es gute Chancen für Interventionen gibt, wenn wirklich fachliches Wissen oder Können nicht ausreichen, z.B. eine Schulleitung neu und unerfahren ist oder wenn es um grundsätzliche Abläufe, Schulordnung etc. geht. Sobald jemand verlangt, dass die Betroffenen ihre Persönlichkeitszüge verändern ("sich ein dickes Fell wachsen lassen", "mal gelassener mit dem Ganzen umgehen", "sich mal mehr engagieren", "selbstständiger sein"), wird es aus meiner Sicht hochgradig schwierig.
Zitat von danielfodor
Wenn Sie mögen, würde ich mich gerne weiter zum Thema austauschen, hier meine Email: daniel.fodor@charite.de
Wir planen momentan eine größere Erhebung, in der die verschiedenen Risikofaktoren mit der psychischen Gesundheit in Verbindung gebracht werden sollen. Deshalb würden mich die "strukturbezogenen" Inhalte der von Ihnen angesprochenen Befragung tatsächlich sehr interessieren.
Wie wäre es denn, wenn Sie in den Dialog mit den Berliner Beschäftigtenvertretungen treten? Die können Ihnen viel über die Risikofaktoren und die Gesundheit von Pädagogen, die in dem Bundesland, in dem Sie forschen, erzählen.