Melosine
Das fächerverbindende und fächerübergreifende Arbeiten steht als Forderung im Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg.
cubanita
Du hast in meinem längeren Beitrag schon Begründungen drin:
Erziehungsarbeit!
heißt auch:
Streit schlichten,
Pausenregeln einfordern,
Kinder an die Schulregeln gewöhnen,
sich die Sorgen und Nöte der Kinder anhören.
Dies ist nicht möglich, wenn du als Klassenlehrer in jeder Pause rausrennen musst!
Rahmenlehrplan, allgemeiner Teil (der ist in jedem Rahmenlehrplan gleich, ich habe jetzt hier den des Lernbereiches Deutsch):
S. 12 unterer Teil - fächerverbindendes und fächerübergreifendes Arbeiten - wie stellen sich denn die Kolleginnen aus den Kl. 5 / 6 da die Vernetzung vor, was leisten sie dazu?
S. 13 oberer Teil - Rhythmisierung des Unterrichtsalltages, hier wird klar davon gesprochen, dass die starren 45 min oft nicht den Anforderungen gerecht werden und dass in Projekten, Stationslernen etc. gelernt werden soll - wie macht ihr das, wenn da x Lehrer dran beteiligt sind?
Schau außerdem in die Grundschulverordnung, was da zu Klassenlehrern steht. Die ist in Berlin ja anders, da kann ich dir nicht weiterhelfen.
Wende dich an den Personalrat und an die GEW (wenn du dort nicht Mitglied bist, jemand anderes aus deinem Kollegium). Die haben Ahnung von der rechtlichen Situation. Kläre dort, ob so etwas erlaubt ist. Kläre, welche Möglichkeiten ihr habt. Wenn alle Klassenleiterinnen der 1-4 auf einer Seite stehen, könntet ihr einen Antrag in eine Gesamtkonferenz der Lehrer einbringen.
Nächste Frage:
Wie sehen die Eltern die Situation?
Du darfst die Eltern nicht gegen die SL aufhetzen, klar. Aber die Eltern müssen doch durch ihre Kinder davon erfahren, wenn diese in diesem Chaos, das ihr ja jetzt schon habt, unter der Lautstärke, den Disziplinproblemen und psychosomatischen Symptomen leiden. Was sagen die dazu? Finden die das gut? Was sagen sie zu den Plänen der Schulleitung? (Könnten sie davon vielleicht unauffällig erfahren?)
Elternsprecher als Bindeglied zwischen Elternschaft und Schule sind auch in der Gesamtelternvertretung. Dort könnte das Problem, welches ja nicht nur in deiner Klasse besteht, thematisiert werden. Die Gesamtelternvertretung könnte sich mit einem entsprechenden Antrag oder einer Anfrage an die Schulkonferenz wenden.
Wenn das nicht fruchtet, gibt es bestimmt eine nächsthöhere Elternvertretung: Hier in Berlin gibt es einen Landeselternausschuss.
Ihr benötigt für diesen Weg Elternvertreter, die Mut haben und sich Gehör verschaffen können und sich wehren können. Wenn die Eltern der Klassen 1 bis 4 sich aber einig sind (oder überwiegend einig), dass es so wie es jetzt ist, den Kindern und der Lerngruppe schadet, dann sollte genug Gemeinsamkeit da sein, um weitere Schritte über die Elternvertreter einzuleiten.
Wie sieht es mit der Schülervertretung aus? (Das ist der schwerste Punkt, denn für Schüler ist es schwierig, ihrer Schulleitung zu widersprechen. Hier würde ich nur dann ansetzen, wenn die Elternschaft dahinter steht.)
Was ganz wichtig ist: Du trägst keine Schuld an diesem Chaos!
Das musst du dir selber immer wieder sagen - und das musst du auch - Traust du dich? - den anderen immer wieder klar machen.
Kommt eine Fachlehrerin und klagt über Disziplinprobleme, dann muss sie selber sehen wie sie klar kommt. So hart das jetzt auch klingt, aber du hast ja bald nur noch ein paar Deutschstunden und die Kinder müssen die Bildungsstandards erreichen, also hast du im Deutschunterricht keine Zeit mehr, am Sozialverhalten in großem Umfang (wie es eine 1./2. Klasse üblicherweise verlangt) zu arbeiten. (Und auch hier wieder die Frage: Stehen deine Elternvertreter auf deiner Seite? Wenn ja, dann klage ihnen doch mal dein Leid, dass du entweder auf die Erfüllung des RLP hinarbeiten oder Sozialverhalten trainieren kannst, beides geht nicht mit so wenigen Stunden in der eigenen Klasse.)
Wie läuft das eigentlich mit den Gesprächen zum Halbjahr, gibt es die noch? Die wurden in meiner Ref-Zeit statt der Zeugnisse eingeführt.
Da müssen die Eltern doch sicher dann auch von Fachlehrer zu Fachlehrer rennen oder alle Fachlehrer gemeinsam das Gespräch führen? Da du die Kinder im Fachunterricht ja nicht siehst, kannst du auch keine besonders genauen Informationen zu ihren Leistungen weitergeben...
In Berlin haben übrigens an einer Schule im vergangenen Schuljahr alle Klassenlehrerinnen der Klassen 1 bis 3 einen Umsetzungsantrag gestellt. Das hatte in der Folge Aufmerksamkeit und damit positive Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen.
Grüße,
Conni