Achje, armes kroko! Das sind ja Zustände!
Wir haben unsere beiden Förderstunden so mit "verarbeitet", dass daraus 4 Teilungsstunden werden (je 2 für Kl. 1 und Kl. 2; die anderen haben in der Zeit Sport mit der Parallelklasse zusammen), dazu haben wir 7 Erzieherstunden, sofern die Erzieherin da ist, meist macht sie dann die ganzen Lernstandstests etc. Sofern Vertretung anfällt, sind die Teilungsstunden natürlich auch weg.
Außerdem arbeiten wir zu Zweit zusammen und machen pro Woche 3 bis 4 Stunden, in denen alle Erstklässler aus der Parallelklasse und aus meiner Klasse zu meiner Parallelkollegin gehen (die hat dann quasi 2 halbe Klassen Erstklässler da), alle Zweitklässler sind bei mir, ich habe dann quasi 2 halbe Klassen Zweitklässler. Die Stunden sind zwar sehr anstrengend, weil die Kinder es kaum noch gewöhnt sind, frontal zu arbeiten, aber ohne diese Einführungen und Festigungen würde kaum noch was bei der ganzen Sache "herauskommen". Bestimmte Sachen können sich unsere Schüler einfach nicht selber beibringen.
Was ich in ähnlichen Situationen wie deiner beobachtet / gehört habe:
- Erstklässler bekommen stille Aufgabe (ein Buchstabenheft mit Ausmal- und Schreibübungen tut da Wunder, Einstern geht aber eigentlich auch, wenn sie eingewiesen sind, freies Schreiben war bei meinen immer so, dass ich zu viel helfen musste), du holst die Zweitklässler in den Sitzkreis nach vorne und arbeitest mit ihnen. Und umgekehrt. Vielleicht keine ganze Stunde, aber 20 min geht das, sofern die Kinder generell ruhig arbeiten können. Wenn das noch nicht klappt, würde ich feste Übungszeiten für "stilles Arbeiten" einführen.
- Mathematikunterricht, keinerlei Teilung, Fachlehrerin in fremder Eingangsstufenklasse: Am Anfang des Schuljahres gab sie den ERstklässlern ein Mandala und arbeitete mit den Zweitklässlern. In der Folgestunde arbeitete sie mit den Erstklässlern und die Zweitklässler bekamen Übungsblätter zur Wiederholung des Rechnens bis 20. Später konnten die Erstklässler dann auch selbstständiger arbeiten. Ich persönlich würde das nicht machen, sondern immer eine wenigstens an Mathematik erinnernde Aufgabe geben (Zahlen schreiben, Zahlenmandala, Links- Rechts-Ausmalblatt, Mengen zuordnen)
Für die Freiarbeit/Wochenplan gilt:
Zuerst werden Aufgaben gelöst, die das Kind kann. Weiß es einmal nicht weiter, schaut es zum Nachbarn, dann darf es im Flüsterton fragen. Weiß der Nachbar nicht weiter, darf ein weiteres Kind im Flüsterton gefragt werden. Dann darf ich gefragt werden. (Und das überprüfe ich auch, ich frage, wer vorher um Rat gebeten wurde.)
Ich habe eine "Ampel" an der Tafel: Steht sie auf "rot", darf mich keiner stören, denn dann arbeite ich mit einzelnen Kindern und ignoriere Fragen bzw. zeige auf die rote Ampel, wenn ein Kind "von der Seite" kommt.
Wer fertig ist, darf:
- angefangene Blätter aus dem Hängeregister bearbeiten (dort hat jedes Kind sein "Fach")
- im Einstern weitermachen (Kl. 1)
- Schreibschriftlehrgang, 5-Minuten-Trainingsheft, Leseheft (Kl. 2)
- Lernmaterialien aus den Regalen nehmen (Bücher, Lesehefte, Bandolo, Lük, Lesekarteien,Klammerkarten, laminierte Zahlen-Ausmal-Blätter, Tangram, Sudoku, Kopfrechentrainer, diverse Spiele etc.)
Freiarbeitsmaterialien:
- Lük-Kästen wurden freiwillig von den Kindern mitgebracht, 3 sind von mir gekauft zum Ausleihen
- ein paar Spiele waren Geschenke
- unsere nette Sekretärin mag uns und da die Schule Geld über hatte, haben wir in diesem Jahr einige Spiele aus Katalogen bekommen, die ich jetzt nach und nach einführe
- alle anderen Materialien sind von mir gekauft bzw. gebastelt, in meinem Klassenraum steckt ein kleines Zeit- und Geldvermögen
- Spiele gibt es manchmal preiswert bei Kik, Aldi, Plus, ebay, Rudis Resterampe & Co. Ich habe daher 2 ABC-Zuordnungsspiele, 2 Lesespiele, ein Zahlenspiel, 2 Rechenspiele, 3 Hefte mit so Rädern zum Verschieben zu verschiedenen Themen
- schnell zugängliche Lesekarteien gibt es z.B. bei Stolz: Kopieren, knicken, laminieren, Lösung kopieren, eventuell für jedes Kind ein Blatt zum Abhaken machen, hinstellen
- Lange Basteleien habe ich mir inzwischen abgewöhnt. Alles, was ich bastle, kopiere und laminiere, muss in einem angemessenen Zeit-Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen.
Alles in allem wirst du Abstriche machen müssen. Selbst wir mit unseren Teilungsstunden schaffen es unter den gegebenen Bedingungen (jüngere Schüler, Sonderschüler ohne tiefgreifende Zusatzförderung mit drin, Verwirrung der Kinder durch ständigen Raumwechsel) nicht mehr, den gleichen Umfang an Stoff zu vermitteln wie noch vor 2 Jahren.
Grüße,
Conni