Wir haben Einstern neu in Klasse 1. Ich habe zeitweise damit gearbeitet, aber nur am Anfang des Schuljahres.
Meine Erfahrung aus meinem Einzugsbereich:
Positiv:
Die Kinder sind vom Zauberer und von den Darstellungen in den Heften sehr begeistert und die meisten Kinder sind sehr motiviert.
Die regelmäßigen Lernstandstest geben den Kindern, der Lehrerin und den Eltern eine Rückmeldung über den Lernfortschritt und waren bei den Kindern sehr beliebt, weil sie dann sehr stolz waren.
Das Verteilen des zweiten Heftes an die ersten Kinder zog bei einigen Kindern sehr viel Motivation nach sich, auch ihr erstes Heft zu beenden.
Eingeschränkt positiv bzw. negativ:
Das selbstständige Arbeiten funktioniert am Anfang erst nach sorgfältiger Erklärung und Anleitung. Anschließend benötigten noch eine Reihe von Kindern individuelle Anleitungen. Allerdings hatte ich diesen Stress mit einem anderen Lehrwerk vorher auch.
Regelmäßiges gemeinsames Erklären, Einführen und Zusammentragen ist Pflicht, die Kinder müssen bestimmte Dinge ersteinmal lernen (Addition, Vorgänger etc.), vom selbstständigen Arbeiten allein kommt dieses Wissen nicht. Da bei sehr großer Leistungsbandbreite die Kinder sehr verschieden weit sind, ist das sehr schwierig, wenn man allein in einer quirligen Klasse ist, in der einige Kinder ständige Beobachtung brauchen, um überhaupt zu arbeiten.
Schnell und oberflächlich arbeitende Kinder werden dazu verleitet, einfach "irgendwas" zu machen, wenn sie merken, dass sie selbstständig arbeiten dürfen. (Davon hatte ich zum Glück nur 2 Kandidaten.)
Der Lösungsband enthält einige Fehler. Vorher durchgehen und erst dann die Kinder an die Selbstkontrolle heranlassen.
Mit den Beobachtungsbögen für jedes Kind war ich in einer Klasse mit 27 Kindern überfordert, ich kam einfach nicht dazu, diese gewissenhaft auszufüllen, dazu hätte ich eine zweite Person gebraucht.
Einige Eltern haben große Probleme damit, dass die Kinder unterschiedlich weit sind. Auch bzgl. der Teilung der Aufgaben in Pflicht- und Zusatzaufgaben gab es sehr große elternliche Informationsresistenz.
Einstern beginnt damit, dass die Kinder die Zahlen bis 6 lesen können. Auch das ist nicht selbstverständlich.
Lernschwache / konzentrationsschwache Kinder: Bei uns sind in den Klassen auch Kinder, die früher den Status "lernbehindert" bekamen oder zurückgestellt worden wären. Für diese war (und ist) der Einstern teilweise eine Überforderung. Ich habe für diese Kinder (3 in dieser Klasse, Mengenverständnis ging nicht weiter als bis 2, Ziffern wurden nicht gemerkt oder sofort wieder vergessen) extra Kopien aus anderen Heften herangezogen. Oder z.B. die Seite auf der immer 2, 3, 4, 5, 6 Symbole eingekreist werden sollten konnten sie gar nicht. Insgesamt brauchten sie nahezu kontinuierliche persönliche Betreuung für das Arbeiten.
Das wäre mit einem anderen Lehrwerk aber wahrscheinlich ähnlich gewesen und das Problem liegt hier eher in kostensparender Bildungspolitik.
Letztlich sind die Kolleginnen so vorgegangen, dass sie die Hefte gemeinsam erarbeitet haben und die Kinder doch wieder ziemlich im Gleichschritt gearbeitet haben bis auf die Zusatzseiten.
Wenn du dir noch etwas zum Vergleich anschauen willst:
Klett versendet derzeit Prüfpakete von "Wochenplan Mathematik". Das sieht auch nicht schlecht aus.
Ich würde aber trotzdem Einstern bevorzugen und muss im nächsten Jahr eben schauen, wie das in einer jahrgangsgemischten Klasse funktioniert.
Grüße,
Conni