Ich schließe mich meinen Vorrednern im Wesentlichen an:
Einsatzbereitschaft und Bemühen sollten schon erkennbar sein.
Ich hatte in Berlin insgesamt 4 Praktika (3 sind vorgeschrieben, ich habe aber den Studiengang gewechselt).
Das erste war nur ein Hospitationspraktikum, ich musste 4 Wochen mit im Unterricht sitzen, viel mit "Helfen" war nicht, weil viel frontal gearbeitet wurde und ich auch selber nicht unterrichten durfte. Dafür habe ich dann die Kinder zum Schlittschuhlaufen begleitet oder so.
Das zweite war ein "semesterbegleitendes Unterrichtspraktikum". Dabei waren wir zu viert und mussten jede 3 bis 4 Stunden geben. Hinten saßen immer die anderen 3 Studentinnen, der Fachlehrer und der Didaktik-Professor. Das war insgesamt sehr unangenehm, weil man immer so beobachtet wurde, am Ende dachte man immer "Ich mach eh alles falsch, es hat keinen Sinn." und dann war die Motivation für die nächste Stunde nicht besser. Zusätzlich wollten Fachlehrer und Didaktikprof., dass man mit ihnen die Stunden abspricht und haargenau das tut, was sie sagen. Dass sie beide etwas völlig Verschiedenes wollten, das störte sie nicht. Und so machte man es am Ende gar keinem Recht. Man könnte sagen: Gute Vorbereitung auf den Vorbereitungsdienst. (Außerdem wollte der Fachlehrer, dass wir Ruhe in seine 9. Klasse bekommen, er bekam aber selber keine rein. Naja.) Dieses Praktikum war jedenfalls Horror, nicht nur wegen der Umstände, sondern auch wegen der zeitlichen Belastung, gerade in Musik sitzt man schnell mal 10 bis 15 Stunden für eine Unterrichtsstunde am Anfang. Und das mitten im Semester, wo ich eh mit Musik und Mathe immer schon eine 70-bis 80-Stundenwoche hatte.
Dann kamen noch 2 Unterrichtspraktika in einem weiteren Fach bzw. im vorfachlichen Unterricht. Beide Male 4 Wochen in den Semester"ferien". Jeweils 6 bis 8 Stunden unterrichten, ich durfte immer nur 6 und fand das ziemlich blöd, hätte gerne mehr unterrichtet. Beim einen bekam ich keine Rückmeldung, weil meine Mentorin krank war und nicht in der Klasse. Beim anderen bekam ich nahezu keine Rückmeldung, weil von den 3 in der Klasse unterrichtenden Lehrern eine krank war und der zweite nebenbei noch den Schulleiter ersetzen musste. Zum Glück durfte ich da aber immer mit rumgehen und Kindern bei Aufgaben helfen.
Beobachtungsschwerpunkte hatte ich für jedes Praktikum. Musste auch immer einen Bericht schreiben, mit Beschreibung der gehaltenen Stunden und nur mit dem Bericht und dem Stempel der Schule gab es dann den Schein auch von der Seminarleiterin. Teilweise war es zeitlich schon ziemlich heftig, täglich mehrere Stunden Schule, mindestens 1 Stunden an dem Bericht sitzen, teilweise Unterricht vorbereiten, 2 bis 3 Stunden meine Instrumente üben, nebenbei Hausarbeit schreiben. "Frei" (d.h. nichts außer Praktikum) konnte ich mir während des Praktikums nie nehmen, denn frei hatte ich fast nie in den Semester"ferien".
Insofern könnte ich es z.B. verstehen, wenn ein Praktikant nebenbei arbeiten muss, um die Miete zu bezahlen oder wenn eben in den Semesterferien noch Hausarbeiten zu schreiben sind, die nicht alle vorm Praktikum geschrieben werden konnten (insbesondere im Winter trifft das zu), wenn umfangreiche Berichte zu schreiben sind etc. 25 Stunden finde ich auch sehr viel.
Auch das Umsetzen bestimmter "Tipps" ist manchmal nicht leicht, v.a. wenn man die Stunde, die die Mentorin halten würde, nicht selber im Kopf hat, fragt man sich "Was soll ich jetzt mit dem Tipp tun?" Wenn in der Uni alle was anderes sagen als die Mentorin ist es auch etwas schwierig. (Auch wenn man einen Bericht schreiben soll und dort dann die Uni-Betreuer was anderes lesen könnten als sie selber beigebracht haben...)
Ich möchte nicht an deiner Stelle stehen und Richtlinien ausarbeiten.
So wie du eure Praktikantin beschreibst, hatte sie trotz alles Verständnisses nicht wirklich viel Interesse an dem Praktikum. Einheiten, die nie gehalten wurden, würde ich auch nicht bestätigen. Die Möglichkeit, auch eine halbe Stunde als eine zu bestätigen oder auch mal "rausgehen und spielen" finde ich gut. Auch dass möglichst viele Doppelstunden und Reihen gehalten werden dürfen. (Die meiste Arbeit macht am Anfang das Einarbeiten in ein Thema. Und die Arbeit hat man, egal ob man dann eine Stunde davon unterrichtet oder 5.) Auch gut: Wenn die Betreuungslehrer mit fachlichem Rat, Material oder Arbeitsblättern helfen, davon hat man im Studium nicht wirklich viel.
Bei meinen Block-Praktika war es IMMER so, dass sie am ersten Tag mit einem Treffen des Direktors oder Conrektors begannen, der etwas zur Schule sagte, Fragen beantwortete, dann gab es einen Rundgang durch die Schule und ein Vorstellen der Betreuungslehrer. Anschließend die ersten Hospitationsstunden. Bei so einem Gespräch könnten Ansprüche auch geklärt werden.
Dass die Praktikantin ungeeignet ist, würde ich nicht so schnell sagen (ok, ich kenne sie nicht), eventuell nimmt sie das alles noch nicht so ernst. Das ist im Studium in manchen Studentenkreisen leider so, dass auch Veranstaltungen in der Uni nicht ernst genommen werden, weil man zu spät kommen kann oder gar nicht und trotzdem seinen Schein bekommt oder weil man ihn später gar nicht braucht. (Und manchmal habe ich das auch ausgenutzt, nämlich wenn die Veranstaltungen unter einem gewissen Niveau waren oder wenn ich etwas anderes viel interessanter fand, aber dieses interessante Seminar nur als Hauptseminar angerechnet wurde, ich aber ein Proseminar brauchte.) Naja, aber ihr habt Recht, nach dem 5. Semester sollte sie so weit sein, ein Praktikum ernst zu nehmen.
Grüße,
Conni