Hi ihr,
eigene Erfahrung: Ich wollte mit knapp 5 schreiben lernen, weil ich mit meinen Malfähigkeiten unzufrieden war und immer Wunschzettel und Geburtstagsbilder malen musste. Eines Tages entdeckte ich die Verknüpfung von "Einkaufszettel schreiben - einpacken - rausholen - lesen - danach einkaufen". Und da war die Lösung meines Problems klar.
Meine Eltern haben abgeblockt, ne Kollegin von meiner Mutter hatte großen Ärger bekommen, weil der Sohn bei Schuleintritt lesen konnte, er hatte nur Streit mit der Klassenlehrerin und wurde zum Schulversager.
Ich habe trotzdem schreiben gelernt. (Ab und zu nach nem Nummernschild gefragt, alles schnell gemerkt oder so, keine Ahnung.) Meine Eltern waren dann recht geschockt, als ich nen halbes Jahr später mit "Herzlischen Glügwusch zum Geborstag" ankam. (Groß- und Kleinbuchstaben gemixt und ein paar spiegelverkehrt.) Sie haben mir dann die richtige Rechtschreibung gesagt, aber mehr nicht. Einmal durfte ich vor Schuleintritt die Schreibmaschine benutzen.
Als "Ablenkung" bekam ich dann Notenlesen beigebracht.
Das Ende vom Lied: Als ich in die Schule kam konnte ich Notenlesen, ein bisschen Klavier spielen, UND meine Fibel fließend durchlesen UND fast fehlerfrei schreiben. Von Mathe sprechen wir lieber nicht, da hab ich mal ne Lehrerin in Verlegenheit gebracht, weil sie diese Aufgaben a la "8 - 7 =" stellte (erwartung: "nicht lösbar", haben wir bis zum Erbrechen geübt in Klasse 1). Ich hab halt -1 geantwortet. (Dass eine Subtraktionsaufgabe nicht lösbar sein sollte, konnte ich nämlich nicht einsehen. Und wozu gibt es Thermometer?
)
Und ich habe mich in der Schule gelangweilt, obwohl meine Eltern versucht haben, meine Entwicklung bzgl. Lesen und Schreiben bis zum Schuleintritt hinauszuzögern.
Ob die Lehrerin dann auf die Fähigkeiten der Kinder eingehen kann, ist die zweite Frage. Meine konnte es nicht, meine Ausbildungslehrerin konnte es nicht. Ich habe es aber in Hospitationsschulen schon gesehen, dass so unterschiedliche Angebote bereitstanden, dass eine Differenzierung möglich war.
Und durch die neue Schuleingangsphase werden dann z.B. ja auch frühere Einschulungen möglich. Wir haben z.B. zwei Fünfjährige eingeschult im August. Beide sehr pfiffig, kommen intellektuell sehr gut mit. Beide aber extrem klein und motorisch eben im vergleich anderen deutlich weniger geschult, können sich nicht so lange konzentrieren.
Dea
Und genau das ist der Punkt, den du nicht vorhersehen kannst: Die künftige Schulsituation deines Kindes.
Ich denke aber, dass du vermutlich im Großen und Ganzen nicht so viel ändern wirst. Wenn dein Sohn lesen lernen will, wird er es wahrscheinlich irgendwie tun. Und warum sollte er es nicht an ein paar ansprechenden Büchern für Leseanfänger oder Bilderbüchern tun können? (Ich hab mit 7 halt Erwachsenen-Kurzgeschichten gelesen, weil es nix anderes gab bei uns außer Lexika, Biographien, Heldensagen, langweilig gestaltete Märchenbücher (Grimm-Märchen sind lang für Leseanfänger!) Zola und Camus und ich lesen wollte und erst ab 8 in die Bibliothek durfte.)
So, das war jetzt völlig konfus, deshalb geh ich jetzt schlafen. ![]()
Viele Grüße,
Conni
