Beiträge von EducatedGuess

    Wir haben beides, unsere Schule hat überwiegend bildungsferne Schülerschaft und einen sehr hohen Inklusionsanteil.
    Der Trainingsraum ist eine prima Entlastung, sowohl für uns Lehrer als auch für die Klasse.
    Im Klassenraum gibt es vorgeschaltet ein Verwarn/Belohnungssystem (bei uns mit Smileys). Die Schüler wissen also sehr genau, wann es kurz vor Trainingsraum ist und akzeptieren daher auch, wenn sie dann doch hin müssen. Diese Transparenz finde ich sehr wichtig. Bei uns sind Sozialpädagogen im TR, die anhand allgemein aufgestellter Regeln das Fehlverhalten reflektieren. Z.B. "Jeder Schüler hat das Recht auf ungestörten Unterricht".
    Die Schüler schreiben einen Rückkehrplan, den die Lehrkraft akzeptieren muss. Hat man das Gefühl der Schüler hat nicht verstanden worum es geht, schickt man den Schüler zurück. Bei uns ist es so, dass ein Schüler ohne Vorlage eines akzeptierten Plans nicht am Unterricht teilnehmen darf.
    Der TR führt Statistik über die Schüler, informiert die Klassenlehrer bei 3 und dann wieder bei 6 Besuchen. Bei 3 gibt es einen Elternbrief, bei 6 ein Gespräch in der Schule.


    Zusätzlich haben wir auch einen Ruheraum. Auch dort sind Sozialpädagogen und da werden Schüler hingeschickt, die sich wirklich nicht mehr konzentrieren können, selbst wenn sie wollten. Dort gibt's verschiedene Möglichkeiten erstmal runterzukommen, dann wird auch dort an Einzelplätzen gearbeitet. (meist gibt man eine kleine Aufgabe mit, sonst haben die da auch was für die Hauptfächer). Am Ende bekommen die Schüler eine Rückmeldung mit, wie es geklappt hat.
    Ach ja, hier kann man auch feste Zeiten buchen. Also wenn Peter mittwochs in der 6. Stunde immer völlig durch den Wind ist, weil vorher Sport war, kann er da eine feste Zeit haben.
    Wir haben viele Schüler, die von Schulalltag überfordert sind und für die das echt ein Geschenk ist.


    Für beides gibt es vorgedruckte Zettel in jedem Klassenzimmer, die man schnell ausfüllen kann und mitgibt. Besonders wichtig ist, dass darauf die Zeit vermerkt wird, zu der der Schüler losgeschickt wird, sonst kommen die da nie an ;)


    Ich empfinde beides als großartige Entlastung und wichtiger Teil des Classroom Management. Funktioniert aber nur, wenn sich alle Lehrkräfte an die selben Regeln und Strukturen halten.
    Für neue Kollegen gibt's daher als allererstes Fobis dazu.

    @Kapa Ich hab das auch so erleben dürfen, allerdings im Ref, jetzt würde ich mir das nicht mehr gefallen lassen. Kind dreht völlig durch, am Ende war ich mit einer Kopfprellung eine Woche krankgeschrieben. Passiert ist nix. Als ich wieder kam wurde nicht gefragt wie es mir geht, sondern mir wurde "verboten" mit den Eltern Kontakt aufzunehmen. Zitat: " So schlimm war es ja eh nicht".
    Das macht ganz schön viel kaputt und langfristig würde ich mit so einer SL nicht arbeiten wollen.

    Ich behaupte das ist die hochgelobte, vermeintliche "Freiheit". Das Versprechen an eine Generation, die vermeintlich alles kann und nichts muss. Damit einher geht für viele der Druck sich richtig entscheiden zu müssen und daraus daß Beste zu machen, denn du hast den Weg ja selbst gewählt.
    Da sind Versagensängste fast vorprogrammiert. Dazu kommen die Medien, die außer (vorher bearbeiteter) Perfektion keinen realistischen Maßstab bieten, an dem es sich zu orientieren lohnt. Trotzdem sind wir permanent davon umgeben.

    Der professionelle Gehörschutz ist schon eine schöne Sache. Im Kontext Schule finde ich das aber schon fragwürdig. Wenn man den Gehörschutz im Unterricht einsetzt hat man doch gar keine Kontrolle mehr darüber, wie laut es wirklich ist. Da sitzen ja auch durchaus empfindliche Kinder dazwischen... Wer sorgt dann für die nötige Ruhe, wenn es der Lehrer nicht merkt?
    Außerdem gebe ich zu bedenken: Bei ständigem Einsatz wird das Gehör auf Dauer nur noch empfindlicher gegenüber Alltagslärm (der in der schule sicher häufig übertroffen wird)

    Wir haben sehr viel ins Classroom Management investiert. Das wächst nun schon im 5. Jahrgang hoch, die neuen Klassenteams werden diesbezüglich intensiv vorbereitet. Meiner Meinung nach das einzige was wirklich hilft. So können auch Fachlehrer unterrichten, die Regeln und Rückmeldesysteme sind transparent und funktionieren eben bei allen gleich.
    Ich halte sehr viel davon. Wie man aber die Kollegen davon überzeugt? Vielleicht Mal gemeinsam an einer Schule hospitieren, die da schon zwei Schritte weiter ist?

    @mi123 Natürlich können sie das! Ganz enorm sogar. Dafür beauftragt man einen Raumakustiker, der plant das entsprechend der örtlichen Situation. Das Ergebnis ist messbar. Hab ich auch schon für einen Raum meiner alten Schule durchgesetzt, weil Unterricht nicht möglich war. Selbst wenn zwei Schüler geflüstert haben dachte man zehn Schüler quatschen laut durch die Gegend... Wir haben uns geweigert in dem Raum zu unterrichten, die SL beauftragte eine Messung und hatten dann keine andere Wahl als zu handeln.

    Den Übergang von Pause mit völlig aufgedrehten Kindern ins Klassenzimmer haben wir mit Musik gelöst. Was entspanntes (Soundtracks eigenen sich sehr, zB. The Terminal). Die Klassen wissen, es muss so leise sein, dass die Musik hörbar bleibt. Flüsternd Material bereit legen und los geht's. Wenn noch Zeit ist und sie nochmal plaudern wollen müssen sie wieder vor die Tür.
    Die Klassen genießen es :)

    Die meisten Klassenzimmer sind leider akustische Katastrophen. Gibt's denn Vorhänge, vielleicht einen Teppich, irgendwas was Schall schluckt? Das macht einen enormen Unterschied. Wenn du da so empfindlich bist würde ich mir in der Richtung was überlegen.
    Ich gebe in den Unterrichtsphasen auch eine Lautstärke vor
    : Flüsterphase, Stillarbeit,...


    Lautstärke visuell rückmelden macht auch Sinn. Hatte mir da Mal eine "Lärmampel" aus WhatsApp Smileys gebastelt. Hat wahre Wunder gewirkt.

    Hab viel mit Schulbegleitern zu tun und es läuft sehr unterschiedlich. Offiziell ist die Ressource ja ans Kind gebunden, je nachdem wie intensiv das ist helfen die aber auch mal in Arbeitsphasen bei anderen Kindern. Das wichtigste ist eine gute und klare Absprache. Mich stört es beispielsweise nicht, wenn sie selbstständig Kinder der Klasse unterstützen, andere Kollegen haben das nicht so gern.

    Ich war noch nie beim Amtsarzt (Ref in HH und Job in HH). Ich musste beide Male lediglich einen Fragebogen ausfüllen über Krankheit/Medikamente der letzten 5 Jahre und Krankenhausaufenthalte der letzten 10 Jahre.
    Je nachdem wird man zum Amtsarzt eingeladen oder nicht.

    Ganz einfach: Du musst ihnen einen guten Grund liefern, sich bei dir adäquat zu verhalten, bzw. es zumindest zu wollen. Wie du das machst und durchsetzt wirst du lernen und in der Praxis erproben können. Was zu dir und deinen künftigen Schülern passt, ebenso. Schon im Studium in wilder Fantasie Angst vor den Schülern zu haben halte ich allerdings für fatal. Was für eine Erwartung hast du an diesen Beruf? Jeden Tag zitternd das Schulgebäude zu betreten?


    Außerdem finde ich persönlich den Ansatz als Lehrer "Macht" über die Schüler zu haben, beispielsweise durch Noten, echt schräg. Wie wäre es mit der Frage: Wie kann ich mir bei meinen Schülern Respekt verdienen? So, dass sie von mir etwas lernen wollen und bereit sind sich anzustrengen?

    Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: Ja es gibt Unterschiede. Aber nicht nur zwischen den von dir aufgezählten Schulformen und Einzugsgebieten... Ich kenne zwei Schulen (gleicher Brennpunkt, ca. 800m Luftlinie zwischen den Schulen) ziemlich gut. An einer der beiden würde ich nicht mehr arbeiten wollen... Das hat ganz viel mit dem Umgang des Kollegiums unter einander zu tun. So lange es da gut ist, man sich gegenseitig unterstützt und ermutigt, ist eigentlich alles machbar!
    Wo man letztlich hin passt, muss man ausprobieren. Je nachdem steht eben das pädagogische oder das fachliche mehr im Vordergrund.

    Bei uns gibt es offiziell keinen Präsenzstunden, wie von @Herr Rau beschrieben. Allerdings hatte ich auch schon ähnlich viele Freistunden zwischendurch. Ich hab mir dann bei unserem Stundenplan Mensch quasi eine Präsenzstunde erbeten. So wusste ich einigermaßen sicher, am Dienstag erwischt es mich immer mit Priorität, am Donnerstag werden erst andere Kollegen gesucht. Hat mir persönlich ziemlich viel Stress erspart.

    Bei uns gibt's noch ein Belohnungssystem ähnlich der Ampel. Wenn es besonders gut läuft gibt's quasi als noch besser als grün einen Stern. Dafür gibt es Sammelkarten... Die kann man einlösen in entweder eine Kleinigkeit aus einer Kiste aussuchen, oder bei zwei gesammelten Sternkarten Hausaufgaben-Gutschein. Lohnt sich meiner Erfahrung nach in Jahrgang 5/6 auf jeden Fall.
    Vielleicht macht es Sinn das auch gemeinsam im Jahrgang zu planen? Bei uns gibt's ein einheitliches Classroom Management, welches mit den Jahrgängen hoch wächst. Da profitiert man insbesondere als Fachlehrer sehr, wenn die Regelsysteme verbindlich sind und es in jeder Klasse zumindest sehr ähnlich läuft. Ist aber vielleicht auch nur im Brennpunkt so dringend nötig.


    Fast vergessen: Ein Hängeregister für jedes Kind, in das bei Krankheit Arbeitsblätter gelegt werden können. Dann schleppt man die Sachen nicht Ewigkeiten herum

    Wenn ich das lese bin ich entsetzt!
    Wir mussten vor Ref Antritt einen aktuellen Erste Hilfe Kurs nachweisen. Ich muss diesen alle 2 Jahre wiederholen. An unserer Schule wird das einmal in Jahr für das Kollegium an der Schule angeboten. Finde ich gut, weil man auf schulspezifische Themen eingehen kann und nicht diesen allgemeinen Kurs hat, in dem auch die Führerschein Leute sitzen.

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