Wie behält ihr die nötige Distanz? Bekommt ihr nicht so viel mit über die SuS oder könnt ihr das klar trennen?
Danke
Ich nehme an, es geht dir um eine gewisse emotionale Distanz im Sinne eines Rollenbewusstseins. Das auszubilden benötigt etwas Zeit, da es Teil der Professionalisierung ist, aber auch Rollenklarheit, also welche Rolle mit welchem Aufgaben bzw. Grenzen hast du, welche aber auch nicht.
Du kannst deine SuS nicht retten, du kannst ihnen nicht die Zukunft backen, die sie sich erträumen würden oder du ihnen vielleicht auch wünschst. Was du aber machen kannst, ist durch deinen Unterricht dazu beizutragen, dass sie erfolgreich sein können in der Berufsschule, wie auch in ihrem zu erlernendem Beruf und diese Erfolgserlebnisse für sich mitnehmen können ins weitere Leben. Was sie dann für sich künftig daraus machen ist wiederum nichts, was du in der Hand hättest. Rollenklarheit hilft dabei, den Teil, den du beeinflussen kannst erfolgreicher gestalten zu können und damit unter Umständen sogar mehr bewirken zu können mit, bei und für deine SuS als das sonst der Fall wäre.
Rollenklarheit bedeutet nicht, dass du emotional komplett distanziert sein müsstest oder solltest und schließt Interesse an deinen SuS eindeutig nicht aus, ebensowenig wie Anteilnahme, wo diese angebracht ist.
Ich mache mir natürlich Gedanken um die Zukunft meiner SuS, das ist schließlich ein inhärenter Teil des Jobs, ich grüble aber nicht (mehr) darüber nach, denn das wäre ungesund und ein Zeichen dafür, dass ich nicht die erforderliche professionelle Distanz hätte, die ich mir durchaus hart erarbeiten musste, weil ich mir generell viele Gedanken um meine Mitmenschen mache.
Ich bekomme selbstredend einiges mit bei meinen SuS, von den Päckchen und Paketen, die diese tragen müssen, was durchaus belastend sein kann. Ich habe aber inzwischen für mich Ressourcen und Wege gefunden, die mir helfen, einerseits in meiner professionellen Haltung und Rolle zu bleiben und andererseits mir selbst ggf. zu helfen, damit ich das Gehörte gut verarbeiten kann.