Bayestheorem : Darf ich deine Ausführungen dahingehend interpretieren, dass du am Gymnasium tätig bist? Wie sieht denn die Umsetzung in deinem Bundesland aus? Wie ist die Schülerzusammensetzung an deiner Schule und wieviele werden dort durch weitere Schulschließungen abgehängt?
Ich habe den Eindruck, dass du dich- leider- hinter Zahlen und politischen Phrasen versteckst, statt auf meine recht konkrete Frage zu antworten. Ja, es ist absolut bedauerlich, dass die Herkunft in Deutschland den Bildungserfolg so massiv beeinflusst, wenn es um konkrete Planungen für den weiteren pädagogischen Umgang in der Pandemiesituation ab Herbst geht hilft diese Feststellung aber niemandem weiter, denn keiner von uns kann einen Zeitsprung zurück machen, um die vielfältigen Fehler der Vergangenheit zu heilen. Mangelnde Ausstattung ist da ja kaum mehr als die Spitze des Eisbergs wenn es um Bildungsungleichheit geht, da geht es ja auch um Dinge wie Klassenteiler, Förderstunden, Poolstunden, Deputatsstunden, Personalversorgung, bauliche Situationen an den Schulen und lange bevor es überhaupt an die Schulen geht um Aspekte wie eine kostenfreie frühkindliche Bildung (die es leider nur in wenigen Orten bundesweit gibt, während die Hochschulbildung weitestgehend kostenfrei gehalten wird), Sprachförderung im Vorschulalter, ein verpflichtendes letztes Kindergartenjahr als Minimalkonsens und und und. Wir können nichts davon "mal eben" ändern oder erwarten, dass die Politik die Versäumnisse von Jahrzehnten plötzlich gesammelt anpacken und in für uns Lehrkräfte befriedigender Weise lösen würde und müssen doch mit der Realität wie sie jetzt ist im kommenden Schuljahr weiter umgehen. Wie also sehen die ganz konkreten Ansätze in deinem Bundesland und an deiner Schule aus, um vor dem Hintergrund dieser realen Gegebenheiten einen verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemiesituation zu finden? Wo siehst du - realistisch umsetzbaren- Nachbesserungsbedarf (durchgehend Abstand halten zu wollen in allen Schulen ist meines Erachtens keine realistische Forderung, ganz gleich, wie sinnvoll diese auch sein mag) und welche Konzessionen wirst du machen (müssen), um in einer nicht-perfekten Umgebung dennoch Unterricht leisten zu können, der auch deine leistungs- und/oder sozialschwächeren SuS mitnimmt und fördert? Und ich meine damit nicht "Logdaten die an Eltern reportiert werden", das liest sich nämlich verdammt unpersönlich, empathielos und unmenschlich für mich wenn es um Kinder und Jugendliche geht, die schulisch abgehängt werden. Statt diese "Wackelkandidaten" einfach nur in Zahlen fassen zu wollen, würde ich mir da wünschen wahrzunehmen, dass du deren Lernbedürfnisse mit im Blick hast und nicht nur die breite Mehrheit, für die es, wenn ich deinen Beitrag richtig verstehe, in deinen Klassen wohl keine großen Probleme gab und gibt. Dieser Aspekt fehlt mir vollständig in deinen- wenn es um pädagogischen Umgang mit der aktuellen Situation geht- sehr allgemein gehaltenen Beiträgen.