Natürlich sind Teile davon ironisch gemeint. Ich bin ja selbst eine Frau, aber als ich in einer Grundschule Praktikantin war, schien es kaum auszuhalten, wie den Jungen die "männlichen Interessen" wie sich raufen oder kämpfen mit Plüschtieren, abtrainiert wurden.
Das erinnert mich daran, wie ich als Kind war, wie ich mich mit den Jungs gekloppt habe, die meinten frech werden zu dürfen, weil Mädchen ja nur heulen und sich nicht wehren würden (von wegen...), mich mit denen körperlich gemessen habe beim Klettern oder später im Karate und gleichzeitig bis ins junge Erwachsenalter hinein mich immer wieder gefragt habe, ob ich vielleicht besser kein Mädchen, sondern ein Junge wäre, weil meine Interessen in meiner Familie zwar völlig normal waren und ich dort den Freiraum hatte ich selbst sein und werden zu können, mir von der Außenwelt aber beständig signalisiert wurde, ich sei nicht in Ordnung und "zu männlich" in meinem Verhalten, "kein echtes Mädchen", müsse mich gefälligst anpassen, um eine "echte Frau" zu werden. Heutzutage weiß ich, dass das Unfug ist, weiß, dass ich genau so wie ich bin in Ordnung bin und ich mich als Frau für alles begeistern und interessieren darf, was ich für richtig und wichtig halte und nicht die Gesellschaft mir das qua Geschlecht diktieren darf. Meine Ehe ist genau an diesem Selbstbewusstsein gescheitert, weil mein Exmann irgendwann feststellte, dass ich ihm nicht stereotyp genug sei und ich feststellte, dass ich mich nicht nach seinen Fehlvorstellungen ummodeln lassen möchte (die Frauen, in die ich verliebt war haben irgendwie nie versucht mich umzumodeln, denen war ich immer Frau genug und genau richtig..).
Raufen, kämpfen mit Plüschtieren: Das sind kindliche Interessen, die Mädchen schon sehr früh sehr effektiv aberzogen werden, so sie diese Interessen haben, während umgekehrt vielen kleinen Jungs sehr deutlich vermittelt wird, dass Jungs nicht mit Puppen spielen, kochen wenn, dann ein Beruf ist, mit dem Mann Geld verdient und und und. "Männliche" und "weibliche" Interessen sind zuallererst mal gesellschaftliche Konstrukte von Geschlecht, Geschlechsidentität und geschlechtskonformem Verhalten, nicht das, wer oder wie wir als Menschen veranlagt sind und wofür wir uns begeistern und interessieren. Schade, dass wir solch eine Angst davor haben, Kinder zu sich selbst finden zu lassen und sie so sehr in vorgefertigte Schälchen pressen müssen; hier die kleine -rosa- Mädchenmuschel und die -blaue- Jungsschaufel, dort die Heteronormativität, das ganze gewürzt mit einer ordentlichen Prise gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Aber hey: Ein Glück sind wir zumindest zivilisiert genug uns ganz offiziell darüber zu empören, wenn eine Frau qua potentieller Gebärfähigkeit nicht eingestellt wird. Muss man dann aber ja auch nicht überteiben mit dem respektvollen Miteinander oder gar nach Ursachen eines solchen Verhaltens und womöglich einer eigenen Mitverantwortung suchen.