Ich fühle mich trotzdem wie eine Marionette, weil ich wie eine behandelt wurde. Die Gewerkschaften sind eine tolle Sache, aber sie können auch nicht zaubern. Vor Gericht haben wir Referendare so gut wie keine Chance, da sich die Gegenseite wechselseitig deckt und nichts von Relevanz schriftlich festgehalten wird. Da stehst dann am Ende du gegen den Rest der Welt: Person XY klagt gegen das Land XY.
Klar gibt es Einzelfälle, die Erfolg haben. Aber die Aussicht, vor Gericht ziehen zu müssen, ist nun wirklich alles andere als rosig.
Dann entscheide dich doch einfach, dich nicht wie eine Marionette zu fühlen, im Sinne von niemandem das reicht einzuräumen, dir dieses Gefühl zu geben. Das scheint mir mental bedeutend gesünder zu sein. Ändert nichts an problematischem Verhalten von Mitmenschen, aber alles an der eigenen, inneren Haltung.
Ich habe mit Unterstützung meiner Gewerkschaft erfolgreich den Rechtsweg bestritten soweit dies von Nöten war bis zu einer abschließenden Klärung. Das hat meine Gewerkschaft rund 2000€ gekostet und viel Zeit und Engagement, die ich ihnen wert war. Allein stand ich zu keinem Zeitpunkt, da ich mehrere Berater und Unterstützer innerhalb der Gewerkschaft hatte ergänzend zum Anwalt. Ja, nicht alle Fälle sind erfolgreich und nicht immer ist das gerechtfertigt (weshalb ich mit Unterstützung der Gewerkschaft ein Musterverfahren angestrebt hatte, da mein Fall dafür prädestiniert war; wurde durchschaut und plötzlich ging es sehr schnell die Angelegenheit positiv zu bescheiden, denn schriftlich war ja alles sauber belegt, nachdem zunächst alles auf ein Verfahren hinauslief- gut für mich, schade für andere Referendare in vergleichbarer Situation bei weniger eindeutigen Rahmenbedingungen die eine Einzelfallprüfung erfordern), im Regelfall kommt es aber gar nicht erst zu rechtlichen Auseinandersetzungen.
Ehrlich: Was auch immer dich umtreibt und vorgefallen ist in deinem Ref, versuch das für dich selbst gesund abzuschließen, zu verarbeiten und vielleicht daraus zu lernen, wie du selbst es eine mögliche künftige Mentorentätigkeit/deinen konstanten Lehreralltag anders gestalten kannst. Ich weiß, wie verdammt hart es sein kann Unrecht hinter sich zu lassen, aber meiner ganz persönlichen Erfahrung nach muss man sich das wert sein, um psychisch gesund bleiben (oder werden) zu können. Ich habe schon einigen Müll im Leben erleben müssen, nichts davon würde ich jemand anderem wünschen oder mir selbst wenn ich eine Wahl gehabt hätte, aber ich weiß für mich, dass ich an all dem gewachsen bin und stärker geworden bin, weil ich mir das herausgezogen habe (und herausziehe), was ich daraus konstruktiv zurückbehalten und für mich lernen konnte/kann (oder auch muss). Ich wünsche dir, dass du mit den Sommerferien ausreichend durchatmen kannst um deine Erfahrungen verarbeiten zu können.
