Ich hab mal den ironisch-polemischen Unterton aus deinem Zitat rausgekürzt, um mich mit der Sachaussage beschäftigen zu können.Dass vor allem Privatschulen aber eben auch Ersatzschulen von vielen Eltern als das bessere Umfeld für ihre Kinder gesehen werden, will ich gar nicht bestreiten. Irgendwas scheint dort in der Tat besser zu sein. Ich bin mir aber nicht sicher (- ohne dass ich rundweg bestreiten möchte, denn dazu fehlen mir einfach die Belege -), dass das an den christlichen Werten liegen muss.
Es kann viele Gründe geben, warum sich Eltern für eine Ersatzschule entscheiden. Wie bei der Frage nach dem Migrationshintergrund müssen diese Gründe gar nicht in der Realität zutreffen, sondern es reicht, wenn es sich um diffuse Annahmen bei den Eltern handelt. In jedem Fall haben sich dann die Eltern bewusst für eine Ersatzschule entschieden, statt einfach die nächstbeste Schule zu nehmen. Das bedeutet, die Eltern haben sich bewusst mit der Frage nach der richtigen Schule beschäftigt - es handelt sich also nicht um ein "bildungsfernes" Elternhaus, so dass dort Schüler mit schwierigerem Hintergrund möglicherweise seltener anzutreffen sind.Interessant ist der Gedanken, dass ein Schulprofil, das sehr viel Wert auf Werte legt und dafür auch Unterrichtszeit einplant, sicherlich positive Auswirkungen auf die Schüler hat (- ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass das nicht in Form von Indoktrination läuft). Daher kann ich mir schon vorstellen, dass eine Schule, in de die gemeinsamen Werte für alle von Anfang klar sind, hier einen gewissen Vorteil hat. Da ich aber davon überzeugt bin, dass das nicht unbedingt christliche Werte sein müssen und diese Wertevermittlung nicht unbedingt von der Kirche kommen muss, stellt sich die Frage, warum so viele staatliche Schulen das nicht schaffen.
In dem Kontext eine Frage: Gibt es so etwas wie "kirchliche Brennpunktschulen"?
Ich könnte mir vorstellen, dass Werteerziehung eben gerade dort besonders gut gelingt, wo Schule und Elternhaus an bestimmten Punkten ergänzend zusammenarbeiten. Bei Eltern, die sich bewusst für eine Schule mit einer bestimmten Werthaltung entscheiden an der Lehrer unterrichten, die sich ebenfalls bewusst für eine Tätigkeit an einer Schule dieser Werthaltung entschieden haben und diese auch mit Leben füllen gelingt diese Zusammenarbeit vermutlich an manchen Stellen etwas leichter bzw. greift eben ergänzend ineinander (und zwar ganz gleich, ob wir von einer Schule eines religiösen Träger sprechen oder z.B.einer Waldorfschule). Insofern hat es sicherlich sehr viel mit dieser bewussten Entscheidung von Eltern zu tun keine staatliche Schule zu wählen.
"Bessere" Arbeit muss im Ergebnis am Ende aber dennoch nicht herauskommen bzw. man müsste eine derartige Aussage an Operatoren festmachen, um sie überprüfen zu können. Werteerziehung ist schließlich nicht das einzige, was Schule zu leisten hat...
Im Einzugsgebiet meines Seminars gibt es einige Schulen unter kirchlicher Trägerschaft, die tatsächlich einen exzellenten Ruf haben. Umgekehrt gibt es in meinem Heimatort aber zwei Schulen in kirchlicher Trägerschaft, deren Arbeit einen so schlechten Ruf hat, dass diesen inzwischen die Schüler ausbleiben und eine Schließung der Grundschule zum kommenden Schuljahr droht. Der Träger alleine verbessert nunmal nicht die Qualität der Arbeit, sondern die Menschen, die diese leisten. Wo gemeinsame Werte bei Lehrern, Eltern, Schülern eine Verbindung schaffen und motivierend wirken, so dass auch zusätzliches, außerunterrichtliches Engagement möglich wird können beeindruckende Ergebnisse erzielt werden. Diese Verbindung infolge gemeinsamer Werte kenne ich aber auch noch aus meiner Schulzeit von meiner Schule, einem Musikgymnasium (normale, allgemeinbildende Schule mit großen Stärken neben der Musik im Mat.Nat.-Bereich) mit einer ganz besonderen Stimmung, vielen Chören und Orchestern an denen teilweise Schüler und Lehrer gemeinsam als Mitglieder mitwirkten, Chor- und Orchesterreisen oder gemeinsamen Wettbewerben und einem oft sehr kameradschaftlichen Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern. Die Schule hatte bis zuletzt Bestnoten in den Landesevaluationen.
