oft merken die Adressaten gar nicht, dass man so viel gibt. Es ist ein undankbarer Job. Selten loben einen mal Eltern oder bedanken sich, hintenrum meckern können aber viele. Es geht so viel Energie drauf. Und in letzter Zeit verstehe ich die älteren Kollegen sehr, die in den letzten Arbeitsjahren nicht mehr so viel Motivation hatten. Das Arbeitspensum wird von der Allgemeinheit unterschätzt. Man gilt als faul und bequem, was überhaupt nicht stimmt.
Ich kann total nachfühlen, was du meinst, genau das ärgert mich auch sehr (besonders dieses Jahr) und es kommt mir so vor, dass - egal, was nicht läuft in der Schule oder beim Kind, auch wenn wir überhaupt keinen Einfluss darauf haben - die Lehrer sind Schuld. Das ist mittlerweile so tief verankert bei den meisten, dass man es nicht mehr rausbekommt. Ich kann diese ganze polemische Hetze "Lehrer leben noch in der Steinzeit" - "Lehrer können nicht mal das Wort Computer buchstabieren" nicht mehr hören, da keiner weiß, dass ich im Klassenzimmer meiner einen Klasse seit 5 (!) Wochen keinen funktionierenden Computer habe. Ich und andere Lehrer haben das jetzt schon mehrfach gemeldet und es tut sich einfach nichts. Ich mache alles, was digital ist mit meinem eigenen Tablet und bin froh, dass wenigstens der Beamer geht. Und das ist nur ein Beispiel von vielen. Mittlerweile denke ich schon, wenn Eltern mal freundlich, wohlwollend und dankbar sind, ist das nur Masche. Ich glaube da schon kaum noch dran.
Hinzu kommt, dass immer mehr nur noch auf die Noten geschielt wird, einen Abschluss mit einer 1 vor dem Komma muss es bitte sein, und zwar um jeden Preis. Eines meiner 1. Themen hier im Forum waren die Notendiskussionen und die überzogenen Erwartungen in der gymn. Oberstufe (das ging bis hin zu: "Ich hatte zwar vorher immer eher eine 4, aber jetzt möchte ich bitte mind. 10 Punkte und wenn die Frau Lehrerin mir weniger gibt, ist sie einfach viel zu streng und unfair!") und die Eltern machen mit. Ein paar haben gehetzt und sogar Lügen verbreitet, was ich angeblich gesagt haben soll über meine Notengebung (was nicht stimmte). Ich dachte erst, es liegt nur an diesem einen Jahrgang, aber es fängt schon wieder an und meine Kollegen im Parallelkurs bestätigen das teilweise. Dass viele Lehrer aufgeben und dann mitmachen, den SuS die Noten hinterherzuwerfen, nur damit sie keinen Ärger mit den Eltern bekommen, macht es natürlich nicht leichter. Dann steht man ständig als Buh-Mann bzw. -Frau da, obwohl man es eigentlich richtig macht.
Obendrauf kommt dann noch, dass das Kerngeschäft des Lehrerberufs, nämlich der Unterricht mit allem Drum und Dran, oft wegen anderer angeblich wichtigen Aufgaben, in den Hintergrund tritt. Man wird oft dahingehend bewertet, wieviele außenunterrichtliches Engagement man vorzuweisen hat (Konzepte, Leitfäden erstellen, Veranstaltungen organisieren - bei denen dann wieder Unterricht ausfällt...), nicht dahingehend, dass die KuK sagen, wenn sie eine Klasse von Frau Lehrerin übernehmen: "Toll, dann weiß ich ja, dass sie bei dir was gelernt haben!"
Das sind so die Dinge, die mich machmal an dem Beruf und an meiner Tätigkeit zweifeln lassen. Dennoch überwiegt derzeit noch das Gefühl, ich mache es richtig und gut so (meine Praktikantin hat neulich total geschwärmt von meinem Unterricht, das hat mich total gefreut!) und ich hoffe, dass es weiterhin so bleibt, denn im Grunde mache ich es immer noch sehr gern und sehe ja selbst, was die SuS nach 1 oder 2 Jahren bei mir gelernt haben und dass ich etwas rüberbringe, etwas erreiche.