. Dient das Mathestudium in Wirklichkeit nur dazu, solche Leute zu selektieren, wäre es kontraproduktiv, die Anzahl der Absolventen zu erhöhen, denn das ist nur mit Senkung des Anspruchs möglich und die hinzukommenden Studenten liegen am unteren Ende des Spektrums. Das Studium würde dann nur seinen Markenwert verlieren.
Ich finde deine Ansichten über das Studium, die Absolvierenden wie auch die Pädagogik schräg, Ich weiße nicht, ob ich erschreckend oder erhellend sagen soll.
Zum einen gehst du davon aus, dass das Studium schlechter wird, wenn mehr Leute es ergreifen. Was wird denn an der Lehre schlechter?
Ich verstehe es bei MINT-Stufiengängen, dass es ein Nadelöhr bei Laborplätzen gibt, in anderen Studiengängen ist es schwieriger bei Praktikumsplätzen (bei engen Vorschriften durch die Uni), bei Exkursionen, bei Werkstätten oder anderem. Das wird auch als Grund für einen NC angegeben.
Im Hörsaal und Seminarraum war die Mindestzahl der Studierenden bei uns durch das Fassungsvermögen des Raumes begrenzt. Warum ist das gerade kn Mathematik anders? Müsste Mathe dann einen NC haben, um die Studierendenzahl klein zu halten?
Zum zweiten gehst du davon aus, dass die besonders intelligenten mit einem -irgendwie besonderen - Charakter im Mathestudium landen. Warum sollte das so sein?
Aus welchem Grund ergreifen Schulabgänger ein Mathestudium oder ein Mintstudium?
An dem Punkt sollte man viel eher ansetzen, denn womöglich würden unzählige andere auch das Studium schaffen können, sie ergreifen es aber nicht, weil sie andere Perspektiven verlockender, vielversprechender oder weniger negativ besetzt sehen.
Sicher sind das auch Personen, die sich den Arbeitsplatz einer Mathematikerin oder eines Mathematikers nicht recht vorstellen können, um so weniger, wenn hier dargestellt wird, dass diese Aufgaben gut auch von Absolvent:innen anderer Studiengänge übernommen werden können. Diese landen dann in anderen MINT-Studiengängen oder z.B. BWL.
Dazu sind es Abiturient:innen, die ihren Arbeitsplatz später woanders sehen, die caritativer, kreativer oder auf ein anderes Fach oder Sprachen spezialisiert arbeiten wollen. Alles Gründe, die wenig damit zu tun haben, dass man das Studium nicht schaffen könnte. Diejenigen darunter, die sich gerne mit Mathematik beschäftigen, könnten ja auch eine Vorliebe für Informatik oder Physik oder Chemie oder Psychologie haben oder gar Sprachen oder Geschichte und sich, warum auch immer, zu diesem Zeitpunkt für den anderen Studiengang entscheiden.
Und nein, die sind alle nicht weniger intelligent oder charakterstark, die meisten können und werden ihr Studium beenden.
Wenn man also mehr Absolvierende im Bereich MINT wollte, müsste man in der Konkurrenz zu den anderen Studiengängen attraktiver werden, zumindest für diejenigen, die auch MINT-affin sind.
Das, worin du einen „Markenwert“ siehst, den du gerne hochhältst, weil das Studium angeblich die Besten selektiert, ist ein Punkt, weshalb andere abgeschreckt werden, selbst wenn sie gut sind und gut studieren, aber gerade diesen Charakterzug ablehnen.
Aber womöglich selektiert man darüber Menschen mit bestimmten Einstellungen, worunter vermehrt auch solche sein werden, die den „Markenwert“ nach dem Studium vor sich her tragen.