Wie immer sind diese Vergleich ungeeignet, vor allem der mit dem Richter. Das sind hoch spezialisierte Berufe.
Aha, verglichen wird weiterhin mit anderen Berufen.
Lehrer dagegen sind Generalisten.
Und? Was daran ist weniger spezialisiert?
Sie haben Fachwissen in zwei, drei vier Fächern,
didaktisches Wissen und Kompetenzen,
pädagogisches Wissen und Kompetenzen,
ein Grundwissen in Psychologie, Schulrecht und und und.
Sie sind also nicht allein im Fach versiert, sondern noch in vielen weiteren Disziplinen, die auch alle Teil des Studiums wie auch des Examens waren.
Warum kann man das nicht als Spezialisierung ansehen?
Warum wird dem die Fachlichkeit und die Professionalität abgesprochen?
Warum kann man nicht deutlich sagen, dass nur Spezialisten, die zusätzlich zum Fach auch in allen anderen Bereichen gut ausgebildet sind, in der Schule Bestand haben werden?
Ja, ein Richter hat eine zusätzliche Qualifikation, ja ein Augenarzt auch,
aber eine Lehrkraft hat sie eben auch, gerade weil sie zusätzlich zu den verschiedenen Unterrichtsfächern eben auch weitere Disziplinen absolviert.
Die Ausbildung spiegelt es auch wider, da nach dem BA und MA zusätzlich ein Examen zu absolvieren ist.
Es ist viel wahrscheinlicher, dass jemand mit seinem Studienhintergrund eine große Schnittmenge mit solchem Lehrerwissen hat, die dann in zwei, drei, vier Jahren berufsbegleitender Ausbildung und Learning by doing ausgebaut werden kann, als das bei einem Richter der Fall ist, der mit den aktuellen Rechtsnormen und der Rechtsprechung in seinem Staat bis in Details vertraut ist. Oder bei Neurochirurgen. Oder bei Luft-und-Raumfahrtingenieuren.
Ist das so?
Wenn Lehrkräfte so viele Schnittmengen haben und es so einfach ist, einen anderen Beruf berufsbegleitend zu erlenen, dann könnten ja Lehrkräfte auch in alle Berufe wechseln, die eine Schnittmenge mit ihrer Ausbildung haben,
sie könnten also berufsbegleitend mit Learning by doing als Psycholog:innen oder Richter:innen arbeiten oder in einem Beruf, dessen Studium einen Schnittmenge zu einem Fach der Lehrkraft hat.
Und nein, die Vergleiche sind nicht ungeeignet. Sie werden in der Fachliteratur herangezogen, um die Professionalisierung unterschiedlicher Berufe darzulegen.
Und gerade damit, dass man Lehrkräften ihre Spezialisierung abspricht und gerade damit, dass man meint, man könne die Inhalte der bisherigen Ausbildung nebenbei erlernen, während man den Beruf ausübt, zeigt die Deprofessionalisierung des Lehrerberufs.
Anders herum wird ein Schuh daraus: Es reicht nicht aus, das eine oder andere Fach zu beherrschen. Als Lehrkraft muss man weit mehr können und mitbringen und bereit sein, die Professionalität auf vielen Gebieten auszubilden und aufrecht zu erhalten, wenn man unterrichten, erziehen, bilden, beraten und innovieren will.