Vlt. bin ich da zu idealistisch eingestellt, ...
Idealistisch? In welcher Hinsicht?
... würde aber mal auch im Namen meiner Kollegen behaupten, dass wir sehr viel die Schüler dazu ermuntern, ihr volles Potential zu zeigen, dass es aber die Kids sind, die sich selbst im Weg stehen, weil sie z.B. entscheiden, lieber herumzublödeln als im Unterricht aufzupassen.
Ich weiß nicht, ob wir KollegInnen sind, aber in MEINEM Namen sagst du das nicht!
Als ob die Kinder "entscheiden" herumzublödeln, statt aufzupassen.
Da gibt es doch immer ein "dahinter" und genau darum geht es doch.
Es geht darum, alle, auch die, die mal herumblödeln, zu ermuntern, und sie herauszufordern oder sie vielleicht auch ganz nebenbei zeigen zu lassen, was sie doch können und es ihnen dann auch vor Augen zu führen.
Es geht darum, auch Kindern, wie
@Pyro es erläutert hat, aufzuzeigen, wie sie erfolgreich sein können (dafür bräuchte es sehr früh viel mehr Zeit und Personal zur Unterstützung!).
Es geht darum, jeden zu fördern, auch die, die leise, langsam, abgelenkt, verträumt, verpeilt, unsortiert, verhuscht, nachdenklich, einseitig, ängstlich, vorschnell, hibbelig sind.
Meine Erfahrung ist, dass die Kinder sich nicht absichtlich selbst im Weg stehen. Es gibt unzählige Gründe.
Ich sehe meine Aufgabe darin, die Gründe zu sehen, wenn es möglich ist, und in jedem Fall Auswege zu suchen und Unterstützung zu finden auf unterschiedlichste Weise.
Inklusion öffnet da übrigens stark den Blick und öffnet auch den Unterricht dahingehend, dass man mehr Kindern Erfolge ermöglicht. Manchmal sind es Maßnahmen, die ursprünglich für einzelne gedacht waren, die dann auch anderen nutzen.
Glaubst du wirklich, dass jemand (im Jahr 2021) einem Kind, das wirklich will, sagen würde "Lass das! Das kannst du eh nicht."?
Ja, das gibt es immer noch. Eltern, die mit einem durschnittlichen Zeugnis zufrieden sind, die gar nicht möchten, dass ihr Kind besonders gut in der Schule ist, die Sorge haben, dass es dann hochnäsig wird oder die Region verlässt, die das gemeinsame Frühstück am Morgen dem stressigen Weg mit dem Bus zur nächsten Stadt vorziehen ...
Aber es gibt auch eine Menge Menschen, die gar nicht darüber nachdenken, aus welchen Gründen ein Kind gerade nicht kann. Das schließt ein, dass es Kinder gibt, die wirklich nur in geringem Maß lernfähig sind und je sein werden, wir inkludieren auch Kinder mit Unterstützungsbedarf Geistige Entwicklung, und trotzdem Schritt für Schritt voran kommen.
Aber bei sehr vielen Kindern steckt doch eher anderes dahinter (Probleme, Sorgen, Krankheiten, körperliche Beeinträchtigungen, selbst unverschuldete Schwierigkeiten beim Lernen, die durchaus aufzuholen wären...) Dafür fehlen den Schulen die Ressourcen, um dem offener gegenüber zu stehen und dem angemessen zu begegnen. Diesen Kindern vorzuhalten, sie würden ja einfach nur nicht wollen, finde ich irgendwas zwischen erschreckend und grausam.