Zwei Anmerkungen:
a) Auch wenn es euch abgeht, dass SuS auch intrinsisch motiviert sein können, gibt es das doch und es ist an manchen Stellen durchaus sinnvoll, sich das zu Nutze zu machen. Wenn SuS aus unerklärlichen Gründen eine Aufgabe wundervoll finden, darin aufgehen und so ganz nebenei lesen, schreiben oder rechnen üben, werde ich sie nicht mühsam zu anderem extrinsisch motivieren, wenn es doch von selbst gut läuft.
Aber nein, in der Regel kommen sie nicht wissbegierig und hoch motiviert zur Schule.
Das könnte aber an Anmerkung b) liegen:
b) Die Frage war u.a., ob Token-Systeme auch schaden können. Meiner Meinung nach ist das so.
Mit jedem Smiley und jeder Verstärkung für ganz allgemeine Verhaltensweisen übt man mit den SuS, dass sie für alles eine Belohnung erwarten.
Warum soll der Schüler eine Aufgabe übernehmen, wenn hinterher keine weitere Belohnung erfolgt?
Muss sich der Schüler an Regeln halten, wenn es im Anschluss dafür keine Gratifikation gibt?
SuS sind nicht mehr gewohnt, eine Aufgabe die ihnen übertragen wird, auszuführen. Sie kommen mit "kann ich nicht" und "hilf mir" zur Schule und offenbar wird ihnen vor der Schule sehr häufig vieles abgenommen und erleichtert, wenn sie sich nur dumm genug anstellen.
Dabei kann ich unterscheiden zwischen Kindern, die wirklich nicht können, weil sie krank sind/ beeinträchtig sind/ eine andere Einschränkung haben und anderen, die gar nicht erst beginnen, weil sie wissen, dass ihnen dann eine erwachsene Person die Arbeit (= Anstrengung) abnimmt. ((... erlernte Hilflosigkeit aus der Erfahrung heraus, nur genug jammern zu müssen, damti man alles ohne Anstrenung geschenkt bekommt).
(Alternativ gibt es auch solche Kinder, die nichts beginnen und anfassen, weil ohnehin nach 10sek. eine Übermacht darüber wacht, die Betätigung entwendet mit dem Hinweis auf Alter, Gefahren, Perfektion, Schmutz etc.) (... erlernte Hilflosigkeit aus der Erfahrung heraus, nichts zu dürfen und nichts zu können).
Da Spielzeuge wenig Anstrengung und Übung brauchen, die Kinder überall hin getragen und gefahren werden ... entsteht die Bereitschaft zur Anstrengung gar nicht erst und ist nicht ausgebildet, sodass Schule dann als Überforderung enden muss und "kann ich nicht" nicht nur "Masche" ist, sondern tatsächliches Unvermögen.
Dem begegnet man womöglich mit extrinsischer Motivation und Token-Systemen, verstärkt darüber aber dann wieder die Anspruchshaltung ("Was kriege ich dafür?")
M.E. gehören dann Anmerkung a) und b) zusammen: wer Hilflosigkeit aus dem einen oder anderen Grund erlernt, und das scheinen mir immer mehr Kinder zu sein, ist wenig intrinsisch motiviert, da die Selbsttätigkeit nie erfahren wurde
